Stimm- und Sprechtraining

Manche kommen zu uns, weil die Stimme nach drei Unterrichtsstunden weg ist. Andere, weil im Meeting ständig „wie bitte?“ zurückkommt. Beides lässt sich trainieren, und beides ist etwas anderes als eine Stimmtherapie auf Rezept. Auf dieser Seite steht, wann Training das Richtige ist und wann Therapie, was es kostet, welche Übungen wir wirklich mitgeben und an welchem unserer Standorte in Hannover Sie dafür hinkommen.

Training oder Therapie: was Sie brauchen

Die Frage klingt nach Wortklauberei, entscheidet aber über Rezept, Kosten und Inhalt. Training richtet sich an eine gesunde Stimme, die mehr leisten soll. Therapie richtet sich an eine erkrankte Stimme, die wieder gesund werden soll.

Wenn Ihre Stimme belastbar ist und Sie deutlicher, tragfähiger oder ruhiger sprechen wollen, sind Sie beim Training richtig. Das gilt für Vorträge, für Unterricht, für Bewerbungsgespräche, für den Beruf am Telefon.

Anders sieht es aus, wenn die Stimme selbst nicht mehr mitmacht. Heiserkeit, die nicht weggeht, Räusperzwang, ein Kloß im Hals, eine Stimme, die abends verstummt: Die ganze Beschwerdeliste und die Zwei-Wochen-Frist bei Heiserkeit stehen auf unserer Seite zur Stimmtherapie, und ob Sie darunter fallen, klärt der Fragebogen unter Habe ich eine Stimmstörung?. Von außen kann niemand auf den Kehlkopf schauen, deshalb führt der Weg über die HNO-Praxis oder einen Phoniater. Erst mit diesem Befund wird aus einem Anliegen eine Verordnung.

Hören wir am Telefon oder im Erstgespräch, dass eine Stimme krank klingt, fangen wir kein Training an. Wir schicken zurück zum Facharzt. Das ärgert manchmal, spart aber Monate: Wer eine Stimmlippenlähmung oder Stimmbandknötchen hat, wird durch mehr Übung nicht besser, sondern schneller schlechter.

Für wen sich Sprechtraining lohnt

Der größte Teil unserer Trainingstermine geht an Menschen, die beruflich sprechen müssen und dafür nie ausgebildet wurden. Lehrkräfte und Erzieherinnen, weil sie gegen Raumhall und dreißig Kinder ankommen. Pflegekräfte im Schichtdienst. Menschen im Vertrieb und im Callcenter, bei denen die Stimme das Werkzeug ist. Was diese Gruppe verbindet, hat einen Namen, sobald die Stimme kippt: Berufsdysphonie. Vorher ist es einfach nur Belastung.

Dann die Menschen, denen jemand gesagt hat, dass man sie schlecht versteht. Nuscheln, zu schnell, zu leise, Satzenden, die im Nichts verschwinden. Das hat selten mit den Lippen zu tun und meistens mit Tempo, Atem und Pausen.

Manche bringen einen Termin im Kalender mit: eine Rede, eine Prüfung, eine Präsentation, eine Podcastaufnahme. Dafür arbeiten wir am konkreten Text und nicht am allgemeinen Stimmaufbau.

Zuletzt sitzen bei uns Menschen, deren Stimme sich verändert hat, ohne dass die HNO etwas findet. Nach Corona, nach langem Homeoffice, nach einem Jahr, in dem kaum gesprochen wurde. Eine Stimme, die wenig benutzt wird, verliert Umfang und Kraft. Das ist reversibel.

Wenn Ihr Anliegen dagegen an einer Erkrankung hängt, führen andere Seiten weiter: funktionelle Stimmstörungen bei Erwachsenen, organische Stimmstörungen oder bei neurologischer Ursache die neurologisch bedingten Stimmstörungen.

Wie ein Training bei uns abläuft

Der erste Termin ist zur Hälfte Zuhören. Wir lassen Sie sprechen, lesen, laut werden, und wir nehmen es auf. Die Aufnahme ist der unbeliebteste und nützlichste Teil des Tages, weil fast niemand die eigene Stimme so hört, wie andere sie hören.

Danach suchen wir Ihre Indifferenzlage, also die Tonhöhe, in der Ihre Stimme mit dem geringsten Aufwand am meisten Klang macht. Sehr viele sprechen dauerhaft darüber. Bei Frauen in Führungsrollen sehen wir auch das Gegenteil, ein bewusstes Drücken nach unten, und das kostet noch mehr Kraft.

Bei der Atmung räumen wir dann meistens etwas auf. Wer bei Anstrengung die Schultern hochzieht, atmet in den oberen Brustraum, das ist Hochatmung, und die Stimme wird davon dünn und schnell müde. Wir bauen die kostoabdominale Atmung auf, bis sie im Sprechen von allein trägt. Mehr dazu steht auf unserer Seite zur Atemtherapie.

Erst am Ende geht es um das, weswegen die meisten gekommen sind: Deutlichkeit, Tempo, Modulation, Pausen. Diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar. An der Artikulation zu arbeiten, während der Atem nicht steht, ist Arbeit, die nach zwei Wochen wieder weg ist.

Zwischen den Terminen üben Sie. Zehn Minuten am Tag, nicht mehr, dafür jeden Tag. Wir geben nichts mit, was länger dauert, weil es sonst nicht gemacht wird.

Was kostet Stimm- und Sprechtraining?

Beim Training gibt es kein Rezept. Stimm- und Sprechtraining für eine gesunde Stimme ist keine Heilmittelleistung, also zahlen Sie es selbst. Viele Arbeitgeber übernehmen es allerdings als Fortbildung, gerade bei Lehrkräften und im Vertrieb; eine Rechnung, die Sie einreichen können, bekommen Sie von uns. Den aktuellen Stundensatz und die möglichen Paketgrößen nennen wir Ihnen direkt, fragen Sie über Kontakt nach. Eine Beratung vorab kostet nichts.

Bei der Therapie sieht die Rechnung anders aus. Sie läuft über eine Verordnung, und gesetzlich Versicherte über 18 zahlen die übliche Zuzahlung von zehn Prozent der Behandlungskosten plus zehn Euro je Verordnung. Kinder und Jugendliche sind davon frei. Welche Verordnung wofür gilt, regelt die Heilmittelrichtlinie, nachschlagen können Sie das im Heilmittelkatalog.

Unklar, ob Ihr Anliegen Training oder Therapie ist? Rufen Sie an, bevor Sie beim Arzt nach einem Rezept fragen. Das spart Ihnen im besten Fall einen Weg, und wir hören es meistens in wenigen Minuten am Telefon heraus.

Sprechtraining in Hannover: Standorte und Termine

Wir sind mit sieben Praxen in Hannover und Umgebung vertreten, und Training läuft an allen Standorten. Welcher für Sie passt, hängt eher an Ihrem Arbeitsweg als an der Ausstattung. Wo welche Praxis liegt und wann sie geöffnet hat, sehen Sie unter Ihre Praxen für Logopädie in Hannover.

Termine legen wir bewusst auch früh und spät, weil Training fast immer neben einem Vollzeitjob läuft. Wer stark eingespannt ist, kann Teile davon online machen, siehe Onlinetherapie und Teletherapie. Für Stimmarbeit empfehlen wir den ersten Termin trotzdem in der Praxis, weil Körperspannung und Atem über Bildschirm schwer zu beurteilen sind. Für Gruppen und Teams kommen wir auch in Ihr Haus, das läuft über unser Fortbildungsangebot.

Ihre Trainerinnen und Trainer für Stimme und Sprechen

Ein Teil dieser Kolleginnen und Kollegen sind staatlich anerkannte Atem-, Sprech- und Stimmlehrerinnen und Stimmlehrer. Das ist ein eigener Ausbildungsweg mit erheblich mehr Stimmanteil als in der Logopädie, und für ein Training ist er die naheliegendere Wahl. Was jemand gelernt hat und wo die Person arbeitet, steht im Profil hinter dem Namen. Nur die Namen finden Sie unter Sprechlehrer und Stimmlehrer, alle Stimmfachkräfte unter Stimmtherapeuten.

Stimmtraining Übungen

Die Übungen, die im Netz am häufigsten auftauchen, sind Zungenbrecher und Summen. Beide sind nicht falsch, aber sie greifen erst, wenn darunter etwas steht. Wir fangen deshalb anders an.

Kauen mit Ton ist die Übung, die wir am häufigsten mitgeben. Kauen Sie mit geschlossenem Mund, als hätten Sie einen großen Bissen, und lassen Sie dabei einen Ton laufen. Der Ton wackelt, das ist erwünscht. Diese Übung löst den Kiefer, und ein festgehaltener Kiefer ist die häufigste Bremse, die wir sehen.

Das Summen kommt danach. Auf einem bequemen Ton summen, eine Hand aufs Brustbein, und darauf achten, wo es vibriert. Wenn im Gesicht und im Brustbein etwas mitschwingt, arbeitet die Stimme mit Resonanz statt mit Druck. Wandert das Summen dann in Wörter mit M und N hinein, nehmen Sie diese Resonanz ins Sprechen mit.

Für die Kraft ohne Anstrengung eignet sich der Korkentrick, allerdings anders als meist beschrieben. Üblich ist draufbeißen und laut vorlesen. Mehr bringt es, einen Satz erst mit Korken zwischen den Zähnen zu sprechen und dann ohne. Der zweite Durchgang klingt fast immer deutlicher, weil das Sprechen ohne Widerstand plötzlich leicht ist.

Flüstern raten wir ab, wenn die Stimme müde ist, auch wenn es sich schonend anfühlt. Es belastet die Stimmlippen stärker als leises Sprechen, siehe Flüsterstimme. Wer die Stimme schonen will, spricht leise und wenig, oder schweigt.

Sich eine tiefere Stimme antrainieren, wie es in jedem zweiten Video versprochen wird, funktioniert nicht. Ihre Sprechstimmlage ist anatomisch vorgegeben. Verändern lassen sich Klang, Tragfähigkeit und Ausdruck, und genau das nehmen Zuhörer ohnehin wahr. Wer die Stimme dauerhaft nach unten drückt, landet bei Heiserkeit.

Deutlicher sprechen: Übungen

Undeutliches Sprechen kommt bei Erwachsenen fast nie von schlappen Lippen. Es kommt von Tempo. Wer schnell spricht, verkürzt zuerst die Endkonsonanten, und genau die tragen die Information. Aus „acht Termine“ wird „ach Termine“.

Die erste Übung ist deshalb langweilig und wirksam. Lesen Sie eine halbe Seite laut und übertrieben langsam, mit spürbarer Betonung jedes Wortendes. Dann derselbe Text in normalem Tempo. Ihr Gehör hat jetzt eine Referenz, und die hält ein paar Stunden.

Danach die Pausen, und die sind der eigentliche Hebel. Markieren Sie in einem Text alle Stellen, an denen Sie atmen wollen, und halten Sie sich daran. Pausen wirken beim Sprechen immer kürzer als beim Zuhören. Wer sich beim ersten Versuch quälend langsam vorkommt, liegt meistens richtig.

Zungenbrecher haben ihren Platz, aber nur als Aufwärmen und nur bis zur Grenze der Sauberkeit. Sobald es matschig wird, langsamer werden. Schnell und falsch üben festigt genau das Muster, das weg soll.

Füllwörter und angehängte „ähm“ hängen an fehlenden Pausen. Auf einer Aufnahme fällt das nach zwanzig Sekunden auf. Wer Stille aushält, braucht sie nicht. Am Ende kommt die Prosodie dazu, also Melodie und Betonung, und das ist der Teil, der aus verständlich lebendig macht.

Wenn Ihr Sprechen dagegen seit einem Ereignis wie einem Schlaganfall verändert ist, ist das keine Trainingsfrage. Dann führen Sprechstörungen bei Erwachsenen und Dysarthrie weiter.

Stimme kräftiger machen, auch mit 60

Die Stimme altert wie der Rest des Körpers. Die Stimmlippen verlieren Spannung und Gewebemasse, die Atemkapazität sinkt, der Ton wird dünner und die Lautstärke kostet mehr. Presbyphonie heißt das, Altersstimme. Behandelbar ist sie gut, weil es um Muskulatur geht, und Muskulatur reagiert in jedem Alter auf Training.

Am besten tragen Übungen gegen leichten Widerstand: Summen in Tonleitern, gehaltene Töne mit gleichmäßiger Luft, Sprechen in Bewegung. Wir arbeiten außerdem an der Haltung, weil eine eingesunkene Brustwirbelsäule den Atemraum mechanisch verkleinert. Eutonie ist das Stichwort dafür: die richtige Spannung, nicht die maximale.

Die Sorge, mit siebzig sei es zu spät, nehmen wir älteren Patientinnen und Patienten ab. Und die Annahme, mehr Anstrengung bringe mehr Stimme, nehmen wir ihnen auch ab. Meistens bringt weniger Anstrengung mehr Stimme, sobald der Atem den Ton trägt.

Wie lange dauert ein Training?

Für ein umgrenztes Ziel rechnen wir mit fünf bis zehn Terminen. Deutlichkeit und Tempo verändern sich am schnellsten, oft schon nach der zweiten Sitzung hörbar. Stimmklang und Belastbarkeit brauchen länger, weil Muskulatur und Gewohnheit dahinterstehen, und Gewohnheit ist der langsamere Teil.

Danach reicht meistens eine Auffrischung im Abstand von einigen Monaten. Lehrkräfte legen sie gern in die Ferien, kurz bevor die Belastung wieder anfängt.

Über den Verlauf entscheiden die zehn Minuten zwischen den Terminen, nicht Begabung oder Ausgangslage. Nach zwanzig Jahren Praxis ist das der einzige Faktor, bei dem wir einen klaren Unterschied sehen.

Termin für ein Erstgespräch

Ein Gespräch von zwanzig Minuten reicht, um zu klären, ob Sie Training oder Therapie brauchen und wie viele Termine realistisch sind. Melden Sie sich telefonisch unter 0511 65580773 oder per Mail an anmeldung@bona-lingua.de. Ein Rezept brauchen Sie für ein Training nicht, und wenn Ihr Anliegen an einem Termin hängt, sagen Sie das Datum gleich dazu.

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