Redeflussstörung bei Erwachsenen
Rund ein Prozent der Erwachsenen stottert, das sind in Deutschland etwa 800.000 Menschen, und die meisten von ihnen tun es seit dem Kindergarten. Über Stottern im Kindesalter ist viel geschrieben worden, über die Jahrzehnte danach erstaunlich wenig. Diese Lücke füllt der folgende Text: mit dem Unterschied zwischen Stottern und Poltern, den man im Erwachsenenalter an einer einzigen Beobachtung festmachen kann, mit Redeunflüssigkeiten, die erst mit vierzig oder fünfzig auftreten und dann etwas anderes bedeuten, und mit der Frage, was eine Behandlung in diesem Alter überhaupt zum Ziel hat. Die Grundlagen zu beiden Bildern stehen auf unseren Therapieseiten zu Stottern und Poltern.
Was hinter dem Sammelbegriff steckt
„Redeflussstörung" ist ein Oberbegriff für zwei Bilder, die sich im Ergebnis ähneln und in der Entstehung kaum: das Stottern und das Poltern. Gemeinsam ist ihnen, dass der Fluss des Sprechens unterbrochen wird, während Wortschatz, Grammatik und Sprachverständnis unauffällig bleiben. Was Sie sagen wollen, steht fertig bereit. Es kommt nur nicht so heraus.
Beim Stottern hakt die Ausführung. Laute werden wiederholt, Silben gedehnt, oder die Luft steht plötzlich still, obwohl das Wort schon begonnen hat. Betroffene wissen in dem Moment genau, welches Wort sie sagen wollen, und kommen trotzdem nicht daran vorbei. Fachlich sortiert man die Formen nach klonischen und tonischen Anteilen; nachlesen lässt sich das unter Stottern.
Beim Poltern liegt es eine Stufe früher, nämlich in der Planung. Das Sprechtempo ist hoch und unregelmäßig, Silben verschmelzen, Endungen fallen weg, Sätze werden mittendrin umgebaut. Für Zuhörende klingt das verwaschen und sprunghaft, obwohl kein einziger Laut falsch gebildet wird. Kurz erklärt steht das unter Poltern, ausführlich mit Symptomatik und Therapieinhalten auf der Seite Was ist Poltern?.
Wer beides gleichzeitig hat, ist keine Ausnahme. Wir sehen Mischbilder regelmäßig, und in der Diagnostik ist das der Regelfall statt der Sonderfall. Was Redefluss im Fachgebrauch überhaupt meint, steht unter Redefluss.
Der Test, der beides auseinanderhält
Die Unterschiede in der Symptomatik stehen auf der Elternseite unter Unterschiede zwischen Stottern und Poltern. Bei Erwachsenen gibt es eine Abkürzung, die im Erstgespräch fast immer trägt, und die Sie selbst durchführen können.
Achten Sie darauf, was passiert, wenn Sie sich besonders auf Ihr Sprechen konzentrieren. Beim Vorlesen zum Beispiel, oder wenn Sie merken, dass jemand genau zuhört, oder im Gespräch mit einer Autoritätsperson.
Wird es dann besser, spricht das für Poltern. Sobald die Aufmerksamkeit auf dem Sprechen liegt, bremst der Betroffene von selbst, und plötzlich ist alles verständlich. Genau das ist der Grund, warum Poltern in der Untersuchungssituation oft gar nicht auffällt und warum viele erst nach Jahren eine Diagnose bekommen.
Wird es schlechter, spricht das für Stottern. Druck, Zuhörer und Erwartung verschärfen die Symptomatik, und deshalb ist ausgerechnet das Vorstellungsgespräch die schwierigste Situation des Jahres.
Ein zweites Zeichen liegt in der Selbstwahrnehmung. Wer stottert, weiß es genau und leidet meist erheblich darunter. Wer poltert, hört das eigene Tempo häufig nicht und wundert sich, warum ständig nachgefragt wird. Diese Schieflage hat Folgen für die Behandlung: Beim Poltern besteht der erste Abschnitt darin, das eigene Sprechen überhaupt hörbar zu machen, oft mit Aufnahmen aus dem Alltag.
Wenn es erst im Erwachsenenalter anfängt
Stottern beginnt normalerweise zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr; wie es in dieser Phase aussieht und woran Eltern eine unauffällige Unflüssigkeit erkennen, steht unter Redeflussstörung bei Kindern. Setzt es dagegen mit dreißig, fünfzig oder siebzig zum ersten Mal ein, ist das ein anderer Befund und gehört ärztlich abgeklärt, bevor eine logopädische Behandlung beginnt.
Meistens steht dann eine neurologische Ursache dahinter: nach einem Schlaganfall, einer Kopfverletzung, bei Parkinson oder Multipler Sklerose kann eine Unflüssigkeit entstehen, die dem Stottern ähnelt. Sie unterscheidet sich in den Einzelheiten, etwa dadurch, dass die Unterbrechungen gleichmäßig über den Satz verteilt sind statt am Wortanfang, und dass die typischen Begleitbewegungen und die Sprechangst fehlen. Häufig steht sie neben anderen Auffälligkeiten, dann sind Aphasie oder Sprechapraxie mit im Spiel.
Daneben gibt es die psychogene Variante. Nach einer starken Belastung, seltener nach einer akuten Krise, tritt eine Unflüssigkeit auf, die abrupt beginnt und im Verlauf stark schwankt. Auch Medikamente können hineinspielen.
Beide Formen sind selten, aber sie sind der Grund, warum wir bei einem späten Beginn immer nach einem neurologischen Befund fragen. Bringen Sie den mit, dann sparen wir uns den Umweg. Eine Übersicht über die verschiedenen Bilder gibt es unter Sprechstörungen bei Erwachsenen; bei Parkinson lohnt zusätzlich der Blick auf Morbus Parkinson und Logopädie.
Wer bei uns mit Erwachsenen am Redefluss arbeitet
Stottern und Poltern verlangen Erfahrung mit erwachsenen Patientinnen und Patienten, weil es dabei um mehr geht als um Sprechtechnik. In diesem Bereich arbeiten die unten aufgeführten Kolleginnen und Kollegen; hinter jedem Namen liegt ein Profil mit Standort und Ausbildung. Fragen Sie beim Anruf ruhig, wer gerade Erwachsene mit Redeflussstörungen behandelt, das schwankt über das Jahr. Wer sonst noch dazugehört, listet die Seite Stottern: Therapeuten und Logopäden.
Saya Ritze

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Stimmtherapie
mehr über Saya RitzeBüsra Aygün

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Büsra AygünMilena Hagemann-Gomm

Staatlich anerkannte Logopädin (B.Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungs-, Stimm- und Redeflussstörungen, myofunktionellen Störungen & selektiven Mutismus …
mehr über Milena Hagemann-GommSophia-Carolin Reinert

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.). Schwerpunkte: Kindersprache, neurologische Störungsbilder, Stimmstörungen …
mehr über Sophia-Carolin ReinertBüşra Geni

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, neurologische Störungsgebiete, Kindersprache, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle …
mehr über Büşra GeniNadja Seitz

Staatlich anerkannte Logopädin, Stimmtrainerin. Schwerpunkte: neurologische und degenerative Erkrankungen, TK-Management, Stimmtherapie, Sprachentwicklungsstörungen
mehr über Nadja SeitzNicole Hoyer Garcia

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.), Muttersprache: Spanisch. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Mehrsprachigkeit, myofunktionelle Störungen …
mehr über Nicole Hoyer GarciaRichard Seelig

Staatlich anerkannter Logopäde B. Sc, Dysphagie-Fachtherapeut. Schwerpunkte: neurologische/degenerative Erkrankungen, Stimm- und Aussprachestörungen, MST, AAP …
mehr über Richard SeeligValerija Kozmidi-Galic

Staatlich anerkannte Logopädin. Muttersprache: Russisch. Schwerpunkte: Stottersymptomatiken, VED, AVWS, Neurologie …
mehr über Valerija Kozmidi-GalicWas eine Behandlung leisten kann und was nicht
Die Erwartung, mit der viele in die erste Stunde kommen, lautet: Das Stottern soll weg. Wir sagen dazu von Anfang an offen, wie realistisch das ist, weil sonst nach vier Monaten Enttäuschung entsteht, wo Fortschritt liegt.
Bei einem Stottern, das seit dreißig Jahren besteht, ist vollständige Symptomfreiheit ein seltener Ausgang. Was regelmäßig gelingt, ist etwas anderes und im Alltag oft mehr wert: die Blockaden werden kürzer und weicher, die Anspannung sinkt, die Angst vor bestimmten Wörtern und Situationen verliert an Gewicht, und das Sprechen kostet weniger Kraft. Viele beschreiben nach einem halben Jahr, dass sie wieder Dinge sagen, die sie vorher umgangen haben.
Dorthin führen unterschiedliche Verfahren, und beide gebräuchlichen sind gut untersucht. Das eine verändert das Sprechen im Moment des Stotterns, sodass eine Blockade kontrolliert aufgelöst wird statt in einen Kampf zu münden. Das andere baut ein durchgehend verändertes Sprechmuster auf, mit weicherem Stimmeinsatz und gedehnten Übergängen. Was zu Ihnen passt, hängt von der Ausprägung ab und davon, wie Sie im Alltag klingen wollen; oft kombinieren wir beides.
Der Teil, der am meisten bringt und am wenigsten nach Therapie aussieht, ist die Arbeit am Vermeiden. Wer jahrelang Wörter austauscht, Bestellungen an andere abgibt, Telefonate meidet und im Restaurant das nimmt, was sich leicht sagen lässt, hat sich ein zweites System aufgebaut. Dieses System hält das Stottern verdeckt und die Angst am Leben. Es aufzulösen ist unangenehm und wirkt stärker als jede Sprechtechnik.
Beim Poltern sieht der Aufbau anders aus. Dort geht es zuerst um Wahrnehmung, dann um Tempo und Pausensetzung, danach um den Bau der Sätze. Die Übungen laufen häufig mit Aufnahmegerät, weil das Ohr die eigene Geschwindigkeit erst lernen muss.
Telefon, Meeting, Vorstellungsgespräch
Im Berufsleben entscheidet sich, wie schwer eine Redeflussstörung wiegt. Die Symptomatik selbst ändert sich über die Jahre wenig, die Anforderungen ändern sich dauernd.
Am häufigsten hören wir vom Telefon. Es fehlt das Gesicht des Gegenübers, es fehlt die Möglichkeit, eine Blockade mit einer Geste zu überbrücken, und die Stille am anderen Ende wirkt bedrohlicher als ein wartender Blick. Wir üben deshalb mit echten Anrufen, nicht mit gespielten, und wir bauen kurze Ansagen für den Gesprächsbeginn ein. Wer den ersten Satz sicher hat, kommt anders in das Gespräch hinein.
Der zweite Punkt ist die Frage, ob man es ansprechen soll. Es gibt darauf keine allgemeingültige Antwort, aber eine Beobachtung aus vielen Verläufen: Ein offener Hinweis in den ersten Minuten nimmt fast immer Druck heraus, weil danach die Aufmerksamkeit des Gegenübers zurück auf den Inhalt geht. Wie ein solcher Satz klingen kann, arbeiten wir gemeinsam aus.
Rechtlich gilt Stottern in Deutschland als mögliche Behinderung im Sinne des Schwerbehindertenrechts. Ob und in welchem Grad das anerkannt wird, entscheidet das Versorgungsamt im Einzelfall, und die Bewertung hängt von der Ausprägung und der Auswirkung auf die Teilhabe ab. Für Prüfungen und Vorstellungsverfahren im öffentlichen Dienst existieren Regelungen zum Nachteilsausgleich. Beides läuft außerhalb der Logopädie, wir kennen den Weg aber und sagen Ihnen, wo Sie ansetzen können.
Rezept, Dauer und was es kostet
Ausgestellt wird die Verordnung hausärztlich, bei neurologischem Hintergrund auch von der Neurologie. Redeflussstörungen führt der Heilmittelkatalog als eigene Diagnosegruppe, entsprechend zahlt die Kasse und Sie leisten die übliche Zuzahlung; nachlesen lässt sich der Rahmen unter Heilmittelrichtlinie und Heilmittelkatalog.
Zur Dauer eine ehrliche Zahl: Eine Behandlung bei Erwachsenen läuft in der Regel über mehrere Verordnungsblöcke und damit über Monate. Ein Jahr ist keine Seltenheit, und das ist kein Zeichen dafür, dass etwas schiefläuft. Anders als bei einem einzelnen Laut geht es hier um Verhalten in Situationen, und Situationen lassen sich nicht im Therapieraum durchspielen, sondern nur draußen.
Intensivkurse mit mehreren Tagen am Stück gibt es ebenfalls, meist an spezialisierten Einrichtungen. Sie bringen viel in kurzer Zeit und stehen und fallen mit der Nachsorge danach. Wenn Sie einen solchen Kurs planen oder hinter sich haben, übernehmen wir gern den ambulanten Teil, der den Erfolg hält.
Beratung und Termin
Ein Anruf reicht für den Anfang, auch wenn genau das bei diesem Thema die unangenehmste Vorstellung ist. Am Telefon läuft es über 0511 65580773, und wer den schriftlichen Weg vorzieht, nutzt anmeldung@bona-lingua.de. Beides ist in Ordnung, und niemand bei uns wird ungeduldig, wenn ein Satz länger dauert.
Nützlich für das erste Gespräch ist, wenn Sie sagen können, seit wann es besteht, ob schon einmal eine Behandlung lief und was sie gebracht hat, und in welcher Situation es Sie am meisten stört. Danach richtet sich, wen wir Ihnen vorschlagen. Weil die freien Zeiten je nach Haus weit auseinandergehen, fragen Sie am besten gleich für mehrere Standorte an; welche das sind und wann dort geöffnet ist, steht unter Ihre Praxen für Logopädie in Hannover.




