Sprechapraxie bei Erwachsenen
Das Wort ist da, der Mund findet es nicht. Angehörige beschreiben es meistens so: Er weiß genau, was er sagen will, und dann kommt der Anfang des Wortes fünfmal falsch heraus. Damit unterscheidet sich die Sprechapraxie von einer Aphasie und von einer Dysarthrie, und diese Unterscheidung bestimmt die ganze Therapie. Auf dieser Seite steht, wie Sie die drei auseinanderhalten, wie realistisch die Aussichten nach einem Schlaganfall sind, wie wir üben und was Angehörige im Gespräch anders machen können. Symptome, Diagnostik und die apparativen Verfahren stehen ausführlich auf unserer Seite zur Sprechapraxie.
Woran Sie eine Sprechapraxie hören
Das auffälligste Merkmal der Sprechapraxie ist die Inkonstanz. Dasselbe Wort gelingt einmal sauber und beim nächsten Versuch nicht, und es misslingt jedes Mal anders. Bei einer reinen Aussprachestörung wäre der Fehler stabil, hier ist er das nicht.
Dazu kommen Suchbewegungen: Lippen und Zunge tasten sichtbar nach der Position, bevor überhaupt ein Laut entsteht. Dieses stumme Ansetzen erleben Betroffene als das Anstrengendste am ganzen Störungsbild. Am schwersten sind Wortanfänge, lange Wörter und Konsonantenverbindungen wie „Str“ oder „Pfl“.
Auffällig ist außerdem, was gut geht. Automatisierte Reihen laufen oft flüssig durch: zählen, Wochentage, ein bekanntes Lied, eine Grußformel. Sobald derselbe Mensch etwas Eigenes formulieren soll, bricht es zusammen. Diesen Unterschied hören Angehörige täglich, ohne ihn erklären zu können. Wir fragen deshalb gezielt danach, ob Zählen und bekannte Liedtexte noch durchlaufen.
Mit dem einzeln erarbeiteten Wort flacht auch die Betonung ab, das Sprechen wird stockend und silbisch getrennt; fachlich heißt das Dysprosodie. Häufig kommt eine buccofaziale Apraxie dazu, dann gelingt auch das Pfeifen oder Nase-Rümpfen auf Aufforderung nicht mehr. Die vollständige Symptomliste steht auf der Sprechapraxie-Seite.
Was intakt bleibt, ist das Verstehen. Menschen mit einer reinen Sprechapraxie folgen jedem Gespräch, auch dem, das über ihren Kopf hinweg geführt wird. Das sagen wir Angehörigen als Erstes, weil im Umfeld sonst lauter und langsamer geredet wird als nötig, und weil im selben Raum Sätze fallen, die die Betroffenen alle mithören.
Sprechapraxie, Aphasie oder Dysarthrie?
Diese drei werden im Alltag ständig verwechselt. Im Befund trennen wir sie sorgfältig, weil die Therapie jeweils an einer anderen Stelle ansetzt.
Bei einer Aphasie ist die Sprache selbst betroffen, also das Wissen um Wörter und Sätze. Wer eine Aphasie hat, findet das Wort nicht, verwechselt Wörter oder baut Sätze falsch. Das Sprechen an sich funktioniert, es kommt nur das Falsche heraus. Mehr dazu unter Aphasie, und speziell zum fehlenden Wort unter Wortfindungsstörung bei Erwachsenen.
Verwaschen, undeutlich, manchmal näselnd, und das gleichmäßig: so klingt eine Dysarthrie. Hier sind Muskulatur oder Nervenversorgung geschwächt, betroffen ist also die Ausführung. Der Fehler fällt bei jedem Versuch gleich aus, auch beim Zählen. Die Formen und die Aussichten je nach Ursache stehen unter Dysarthrie, Grundlagen und Diagnostik auf der Therapieseite zur Dysarthrie. Sitzt die Schwäche allein in einer Gesichtshälfte und leiden vor allem die Lippenlaute, kommt eine Fazialisparese in Betracht.
Bei der Sprechapraxie liegt der Fehler dazwischen: Das Wort ist bekannt, die Muskeln sind kräftig, aber die Planung der Bewegungsfolge kommt nicht zustande. Daher der Wechsel zwischen Treffer und Fehlschlag beim selben Wort. Apraxie heißt nichts anderes, eine Störung der Bewegungsplanung ohne Lähmung.
Ein Test, der im Erstgespräch oft weiterhilft: Lassen Sie von eins bis zehn zählen und danach den eigenen Wohnort nennen. Läuft das Zählen und stockt der Wohnort, spricht das für eine Sprechapraxie. Stockt beides gleichmäßig, eher für eine Dysarthrie. Ein Befund ist das nicht, aber ein guter erster Hinweis.
Selten liegt nur eines der drei Bilder vor. Wie eng Sprechapraxie und Aphasie zusammenhängen, steht unter Aphasie und Sprechapraxie. Bei uns heißt das: Wir behandeln beides und sagen Ihnen zu jeder Verordnung, was gerade im Vordergrund steht und warum.
Woher sie kommt
Die häufigste Ursache ist ein Schlaganfall in der sprachdominanten, bei den meisten Menschen linken Hirnhälfte; die übrigen Läsionsursachen sind auf der Sprechapraxie-Seite aufgezählt. Eine Ausnahme bildet die primär progrediente Sprechapraxie: Hier verändert sich das Sprechen über Jahre langsam, ohne dass ein akutes Ereignis vorausging. Diese Menschen kommen oft erst spät zu uns, weil das Sprechen anfangs nur nach Erschöpfung klingt.
Mit der kindlichen Form hat das nichts zu tun. Die verbale Entwicklungsdyspraxie ist angeboren; dort wurde ein Sprechen nie fehlerfrei aufgebaut, hier ist ein vorhandenes verloren gegangen. Die Therapie sieht entsprechend anders aus, siehe kindliche Sprechapraxie.
Wie es nach einem Schlaganfall weitergeht
Wie viel kommt zurück? Diese Frage steht in jedem Erstgespräch, meistens noch bevor wir den Befund erklärt haben.
In den ersten Wochen und Monaten nach dem Ereignis passiert am meisten, weil sich das Gehirn in dieser Phase am stärksten reorganisiert. Wer früh und regelmäßig übt, nutzt dieses Fenster. Deshalb beginnt die Therapie idealerweise schon auf der Station und läuft ambulant ohne Lücke weiter. Die Lücke zwischen Entlassung und erstem ambulanten Termin ist unser häufigstes Problem, oft drei bis vier Wochen lang. Wenn Sie noch in der Klinik sind, melden Sie sich bei uns, bevor der Entlassungstermin steht.
Ab dem zweiten Jahr wird die Antwort unbequemer. Die Veränderung wird langsamer, aber sie hört nicht auf. Wir sehen Fortschritte auch im dritten und vierten Jahr, nur kommen sie dann über Übung und nicht mehr über Spontanerholung. Wie weit es geht, hängt von der Größe und Lage der Schädigung ab, davon, ob eine Aphasie dazukommt, und vom Übungsumfang. Ein Versprechen kann Ihnen niemand seriös geben, und wer nach vier Wochen eine Prognose in Prozent nennt, rät.
Vollständig verstummt bleiben nur wenige. Verständliche Kommunikation ist in den meisten Fällen erreichbar, auch wenn das Sprechen langsamer und angestrengter bleibt als vorher. Für die Zeit dazwischen gibt es Hilfsmittel, und wer sie benutzt, hat nichts aufgegeben.
Was Angehörige im Gespräch tun können
Die schwerste Übung für Angehörige ist das Schweigen. Wer eine Sprechapraxie hat, braucht Anlauf, und jedes hilfreich eingeworfene Wort nimmt den Versuch weg. Das gilt auch dann, wenn Sie sicher wissen, was gemeint ist.
„Sag das nochmal“ produziert beim zweiten Mal meistens nicht mehr, sondern weniger. Fragen Sie stattdessen so, dass ja oder nein als Antwort reicht, oder geben Sie zwei Möglichkeiten zur Auswahl.
Ihre Lautstärke und Ihre Satzlänge dürfen bleiben, wie sie sind. Das Verstehen ist intakt, und übertrieben einfaches Sprechen kommt bei Erwachsenen als Herabsetzung an.
Nehmen Sie den Druck aus Situationen mit Publikum. Telefonate mit Fremden, Bäckerei, Arzttermine, all das ist am Anfang schwerer als das Gespräch am Küchentisch. Solche Situationen üben wir gezielt, aber gestuft, und nicht am ersten Tag.
Müdigkeit, Stress und Zeitdruck verschlechtern das Sprechen deutlich, manchmal von einer Stunde zur nächsten. Ein schlechter Abend heißt also nicht, dass die Therapie nicht wirkt, und ein guter Vormittag heißt nicht, dass Sie mit dem Üben aufhören können.
Therapeutinnen und Therapeuten für Sprechapraxie bei Erwachsenen
Die folgenden Kolleginnen und Kollegen arbeiten neurologisch mit Erwachsenen; was jemand gelernt hat und wo die Person sitzt, steht im verlinkten Profil. Wenn Sie zwischen mehreren wählen können, nehmen Sie die Praxis, die Sie ohne Umstieg erreichen: Bei diesem Störungsbild zählt die Frequenz, und ein langer Weg ist der häufigste Grund, aus dem Termine ausfallen. Nur die Namen finden Sie unter Sprechapraxie-Therapeuten, alle neurologisch arbeitenden Fachkräfte unter Neurologie-Logopäden.
Saya Ritze

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Stimmtherapie
mehr über Saya RitzeRonja Köhne

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Ronja KöhneBüsra Aygün

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Büsra AygünSofie Lebek

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Neurologie, Stimme
mehr über Sofie LebekFreyja Meißler

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Kinder mit Behinderungen
mehr über Freyja MeißlerCarina Lehnert

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Neurologie, Stimmtherapie
mehr über Carina LehnertMilena Hagemann-Gomm

Staatlich anerkannte Logopädin (B.Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungs-, Stimm- und Redeflussstörungen, myofunktionellen Störungen & selektiven Mutismus …
mehr über Milena Hagemann-GommSophia-Carolin Reinert

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.). Schwerpunkte: Kindersprache, neurologische Störungsbilder, Stimmstörungen …
mehr über Sophia-Carolin ReinertJosefine Zacherl

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Störung der Spachentwicklung im Kindesalter, Dysphonie, myofunktionelle Störungen …
mehr über Josefine ZacherlVanessa Gensch

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Dysphonie, neurogene Sprach- und Sprechstörungen …
mehr über Vanessa GenschNadja Seitz

Staatlich anerkannte Logopädin, Stimmtrainerin. Schwerpunkte: neurologische und degenerative Erkrankungen, TK-Management, Stimmtherapie, Sprachentwicklungsstörungen
mehr über Nadja SeitzMarie Schütte

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Stimmstörungen, neurologische Krankheitsbilder …
mehr über Marie SchütteMarion Koch

Dipl.-Heilpädagogin. Schwerpunkte: Sprachanbahnung bei Kindern, LKGS, AWVS, Schluckstörungen, Kindersprache, Aphasien, Dysphagien …
mehr über Marion KochNicole Hoyer Garcia

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.), Muttersprache: Spanisch. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Mehrsprachigkeit, myofunktionelle Störungen …
mehr über Nicole Hoyer GarciaRichard Seelig

Staatlich anerkannter Logopäde B. Sc, Dysphagie-Fachtherapeut. Schwerpunkte: neurologische/degenerative Erkrankungen, Stimm- und Aussprachestörungen, MST, AAP …
mehr über Richard SeeligDaniela Behrendt

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: degenerative neurologische Erkrankungen wie ALS, MS, Chorea Huntington oder Parkinson …
mehr über Daniela BehrendtJohanna Schweiger

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, neurologische Störungsbilder, Fütterstörungen, TK-Management …
mehr über Johanna SchweigerValerija Kozmidi-Galic

Staatlich anerkannte Logopädin. Muttersprache: Russisch. Schwerpunkte: Stottersymptomatiken, VED, AVWS, Neurologie …
mehr über Valerija Kozmidi-GalicÜbungen bei Sprechapraxie
Zunge kreisen, Backen aufblasen, Grimassen: Mundmotorik-Übungen ohne Sprechen sind bei einer Sprechapraxie kaum wirksam, weil die Muskulatur ihre Arbeit tut. Geübt werden muss die Bewegungsfolge für konkrete Laute und Wörter, und zwar sprechend. Wenn Sie ein Übungsheft aus der Klinik mitbringen, streichen wir gemeinsam durch, was ohne Sprechen abläuft.
Den Weg vom einzelnen Laut über Silben und Wörter bis zum Satz beschreibt die Sprechapraxie-Seite. Wir steigen bei mittelschwerer Ausprägung gleich auf Silben- und Wortebene ein und gehen nicht hinter den einzelnen Laut zurück, weil isolierte Laute im Alltag nicht vorkommen.
Was in dieser Phase am zuverlässigsten trägt, ist das gemeinsame Sprechen. Wir sprechen mit, dann sprechen Sie nach, dann sprechen Sie allein, und dieser Abstand wird schrittweise größer. Dazu kommt der Blick auf den Mund, entweder auf uns oder in einen Spiegel, weil sichtbare Bewegung die Planung stützt.
Rhythmus hilft ähnlich zuverlässig. Silben im Takt sprechen, mit Klopfen auf dem Tisch oder mit einem Metronom, oft auch gesungen. Melodie und Takt umgehen die gestörte Planung teilweise, und dieser Effekt ist bei vielen Betroffenen sofort hörbar.
Zu Hause gilt: kurz, oft, mit festem Material. Zwei mal zehn Minuten am Tag mit denselben zwanzig Wörtern bringen mehr als eine Stunde am Sonntag mit ständig neuen. Wir stellen die Wortlisten deshalb aus dem Alltag zusammen, mit Namen von Angehörigen, dem Wohnort, Medikamenten, den Dingen, die täglich gebraucht werden. Übungsmaterial mit Wörtern, die niemand benutzt, wird nicht geübt.
Schiefgehen kann das Üben trotzdem, meistens durch Zeitdruck oder durch Publikum im Raum. Beides erhöht die Anspannung, und Anspannung ist bei diesem Störungsbild die verlässlichste Verschlechterung. Üben Sie in Ruhe; das Anwenden kommt später.
Wie die Therapie bei uns läuft
Am Anfang steht ein Befund, der die drei Störungsbilder trennt. Von der Zehn-Punkte-Checkliste bis zur apparativen Diagnostik in der Klinik ist alles unter Wie wird eine Sprechapraxie festgestellt beschrieben. Was wir bei Ihnen finden, besprechen wir am Ende der ersten Stunde mit Ihnen und, wenn Sie möchten, mit Ihren Angehörigen, und Sie nehmen es auf Papier mit nach Hause.
Eine Einheit dauert in der Regel 45 Minuten, verordnet werden meist zehn. Diese zehn sind bei neurologischen Störungsbildern ein Anfang; Folgeverordnungen gehören zum Normalfall und niemand muss sie sich erkämpfen. Welche Begründung eine Folgeverordnung braucht, ist in der Heilmittelrichtlinie festgelegt; die Diagnosegruppen dazu stehen im Heilmittelkatalog.
Wenn der Weg zu uns schwerfällt, kommen wir zu Ihnen, siehe Hausbesuche. Ein Teil der Termine lässt sich auch als Teletherapie abbilden, was bei hoher Frequenz hilft; den Befund und die Arbeit am Anfang machen wir in der Praxis.
Angehörige sitzen bei uns regelmäßig mit im Raum, jedenfalls in der letzten Viertelstunde. Die anderen sechs Tage der Woche laufen ohne uns, und wer sie begleitet, sollte gesehen haben, wie geübt wird.
Wenn Sprechen nicht reicht: Hilfsmittel
Solange die Verständigung nicht trägt, brauchen Sie einen zweiten Weg, und zwar sofort und nicht erst nach einem Jahr Therapie.
Das kann ein Kommunikationsbuch mit Bildern und Wörtern sein, ein Schreibblock, das Handy mit Tastatur, oder eine Sprachausgabe-App. Was passt, hängt davon ab, was noch geht: Wer schreiben kann, tippt; wer eine Aphasie dazu hat, arbeitet besser mit Bildern. Wir richten das mit Ihnen ein und üben den Umgang damit, sonst landet es nach einer Woche in der Schublade.
Die Sorge, das Sprechen dadurch zu verlernen, hören wir in fast jedem Gespräch über Hilfsmittel. Sie ist unbegründet. Wer sich verständigen kann, spricht am Ende mehr, weil das Sprechen wieder Erfolg hat. Rückzug entsteht aus Scheitern, und ein zweiter Weg nimmt dem Scheitern die Gelegenheit. Weitere Möglichkeiten stehen unter Sprechhilfen.
Termin und erster Kontakt
Der wichtigste Anruf ist der frühe. Unter 0511 65580773 oder per Mail an anmeldung@bona-lingua.de können Sie sich melden, während der Angehörige noch in der Klinik oder in der Rehabilitation liegt. Dann steht der ambulante Termin, wenn die Entlassung kommt, und die Wochen dazwischen fallen nicht weg.
Für das Rezept ist die neurologische Praxis zuständig, in zweiter Linie die hausärztliche. Freie Termine gibt es je nach Standort unterschiedlich schnell; alle sieben Praxen mit Adressen und Zeiten stehen unter Ihre Praxen für Logopädie in Hannover. Kliniken, Reha-Einrichtungen und Pflegeheime erreichen uns über Informationen für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser.






