Redeflussstörung bei Kindern

Es fängt fast immer über Nacht an. Ein Kind, das gestern noch flüssig erzählt hat, bleibt plötzlich am ersten Wort hängen, und die Eltern gehen im Kopf die letzten Tage durch: Umzug, neue Gruppe, Streit, Fernsehen. Für diesen Moment ist diese Seite gedacht. Sie beantwortet, warum der Beginn so abrupt wirkt, woran wir unauffällige Sprechunflüssigkeit von beginnendem Stottern unterscheiden, was gilt, wenn es erst im Schulalter losgeht, und wo das Poltern hineinpasst. Die Therapieseiten mit Symptomformen, Ursachen und Behandlungsinhalten sind Kindliches Stottern und Poltern.

Warum es über Nacht anfängt

Der plötzliche Beginn ist kein Zufall und kein schlechtes Zeichen. Er hat mit dem zu tun, was ein Kind in diesem Alter gerade lernt.

Zwischen zwei und fünf explodiert der Wortschatz, und die Sätze werden länger. Das Kind will auf einmal Nebensätze bauen, Erlebnisse in der richtigen Reihenfolge erzählen und dabei auch noch Aufmerksamkeit halten. Die Planung im Kopf läuft der Ausführung im Mund davon. Genau an dieser Stelle entstehen Wiederholungen und Stockungen, und weil der Entwicklungssprung selbst in Wochen passiert, wirkt der Beginn abrupt.

Was Eltern in dieser Situation regelmäßig vermuten, spielt fast nie die Rolle, die ihm zugeschrieben wird. Ein Umzug, ein Geschwisterkind oder ein Schreckmoment löst kein Stottern aus. Was solche Ereignisse tun können, ist den Zeitpunkt vorziehen oder die Symptomatik für ein paar Wochen verstärken. Die Anlage bringt ein Kind mit, und häufig findet sich in der Familie jemand, der als Kind ebenfalls gestottert hat.

Rund fünf von hundert Kindern machen diese Phase durch. Die meisten kommen ohne Behandlung wieder heraus. Bei etwa einem von hundert bleibt es bis ins Erwachsenenalter, und wie es dann aussieht, steht unter Redeflussstörung bei Erwachsenen.

Eine Beobachtung aus unseren Erstgesprächen, die Eltern oft überrascht: Die Kinder selbst stört es in dieser Phase meistens nicht. Sie sprechen weiter, erzählen weiter, quatschen dazwischen. Die Sorge sitzt am Tisch gegenüber. Das ändert sich erst, wenn das Kind anfängt zu bemerken, dass etwas hakt, und genau darauf achten wir.

Die Zeichen, auf die wir schauen

Die Frage lautet nicht, ob Ihr Kind unflüssig spricht, sondern wie. Was zur normalen Entwicklung gehört und was nach beginnendem Stottern aussieht, lässt sich an ein paar Merkmalen auseinanderhalten. Fachlich steht der Rahmen dazu unter Entwicklungsstottern.

Für unauffällige Unflüssigkeit spricht, wenn die Unterbrechungen zwischen den Wörtern liegen: Füllwörter, ganze Wörter noch einmal, ein kurzes Zögern vor dem Satz. Ein bis zwei Wiederholungen, locker, ohne sichtbare Anstrengung. Das Kind merkt nichts davon. Der Begriff für die Variante am Satzanfang lautet Initialstottern.

Aufmerksam werden wir bei Unterbrechungen innerhalb der Wörter. Wenn eine Silbe mehr als dreimal wiederholt wird, wenn ein Laut gedehnt wird, bis die Luft ausgeht, wenn das Wort in einer stummen Blockade stecken bleibt und der Mund dabei angespannt steht. Dazu Mitbewegungen wie Blinzeln, Kopfnicken oder Faustballen, ein gepresster Stimmklang, plötzlich veränderte Wortwahl, ein Satz, der abgebrochen und ausgetauscht wird.

Das schwerste Zeichen ist das leiseste. Wenn Ihr Kind sagt, dass es nicht mehr reden möchte, oder wenn es Sie bittet, für es zu antworten, dann ist Sprechangst im Spiel. Damit warten wir nicht ab, unabhängig davon, wie lange das Ganze schon läuft.

Als zeitliche Marke gilt ein halbes Jahr. Bleibt die Unflüssigkeit länger, nimmt sie zu oder kommen Anspannung und Vermeidung dazu, gehört das angesehen. Das bedeutet nicht automatisch eine Behandlung, sondern zunächst eine Einschätzung, und die endet bei uns oft mit Entwarnung.

Wenn es erst mit neun oder zwölf losgeht

Für den Beginn im Vorschulalter gibt es viele Ratgeber. Für ein Kind, das mit neun, elf oder dreizehn plötzlich anfängt zu stottern, kaum welche, und die Frage stellen uns Eltern trotzdem regelmäßig.

In diesem Alter gilt die Regel vom Abwarten nicht mehr. Der Entwicklungssprung, aus dem das Stottern im Kindergartenalter entsteht, liegt Jahre zurück. Eine Unflüssigkeit, die mit neun neu auftritt, verschwindet deutlich seltener von allein, und je länger sie läuft, desto mehr Vermeidungsverhalten baut sich um sie herum auf.

Ein später Beginn gehört außerdem ärztlich angesehen, bevor eine Behandlung startet. In seltenen Fällen steht eine neurologische Ursache dahinter, etwa nach einer Kopfverletzung, und dann sieht das Bild anders aus: Die Unterbrechungen verteilen sich gleichmäßig über den Satz statt sich am Wortanfang zu sammeln, und die typische Anspannung fehlt. Ebenfalls möglich ist ein Beginn nach starker seelischer Belastung. Beides ist selten, beides gehört abgeklärt, und beides schließt eine logopädische Behandlung danach nicht aus.

Vor allem aber brauchen Schulkinder und Jugendliche einen anderen Zugang als Fünfjährige. Sie wissen genau, was passiert, sie haben Reaktionen aus der Klasse erlebt, und sie haben oft schon Strategien entwickelt, mit denen sie sich unauffällig halten. Ein Teil der Arbeit besteht darin, diese Strategien überhaupt sichtbar zu machen. Was das für Jugendliche bedeutet, steht unter Logopädie für Jugendliche.

Wer bei uns mit Kindern am Redefluss arbeitet

Redeflussstörungen bei Kindern behandeln nicht alle Kolleginnen und Kollegen, weil die gängigen Verfahren eigene Fortbildungen voraussetzen und ein Teil der Arbeit über die Eltern läuft. Wer das bei uns übernimmt, sehen Sie gleich; ein Klick auf den Namen öffnet das Profil mit Praxis und Werdegang. Die reine Übersicht ohne Profile gibt es unter Therapeutinnen und Therapeuten für kindliches Stottern und unter Therapeuten für Poltern bei Kindern.

Das andere Bild: Poltern

Neben dem Stottern steht ein zweites Bild, das viel seltener erkannt wird, obwohl es im Alltag genauso auffällt. Ein polterndes Kind hat zu viel im Kopf und zu wenig Zeit im Mund: Es startet, bevor der Satz fertig gedacht ist, hängt Nebensätze an, verliert den Faden und beginnt von vorn. Was dabei herauskommt, ist schnell, undeutlich und für Zuhörer anstrengend.

Der Unterschied zum Stottern lässt sich an einer Beobachtung festmachen: Ein polterndes Kind spricht besser, sobald es sich auf das Sprechen konzentriert, ein stotterndes Kind schlechter. Deshalb fällt Poltern in der Untersuchungssituation oft gar nicht auf und wird erst spät bemerkt, häufig über die Rückmeldung aus der Schule. Die ausführliche Gegenüberstellung steht auf der Elternseite unter Unterschiede zwischen Stottern und Poltern, die Symptomatik unter Symptomatik und Therapie.

Beide Bilder zusammen sind kein Sonderfall. Wir sehen Kinder, die stottern und poltern, regelmäßig, und die Behandlung setzt dann in einer bestimmten Reihenfolge an. Kurz erklärt sind die Begriffe unter Redefluss, Stottern und Poltern nachzulesen.

Was Sie zu Hause ändern können

Die wirksamsten Empfehlungen sehen nicht nach Übung aus, und die verbreitetsten Ratschläge aus dem Umfeld gehören auf die Verbotsliste.

Streichen Sie „Sprich mal langsam", „Hol erst Luft" und „Nun sag es schon". Diese Sätze richten die Aufmerksamkeit des Kindes auf das Sprechen, und dort wird es schlechter. Dasselbe gilt für das Beenden angefangener Wörter, auch wenn es gut gemeint ist und Zeit spart.

Was hilft, ist Ihr eigenes Tempo. Kinder übernehmen die Sprechgeschwindigkeit ihrer Bezugspersonen, und ein ruhigeres Vorbild wirkt zuverlässiger als jede Aufforderung. Legen Sie nach der Äußerung Ihres Kindes eine Sekunde Pause ein, bevor Sie antworten. Diese eine Sekunde ist die am besten belegte Maßnahme, die Eltern selbst umsetzen können.

Halten Sie den Blickkontakt genau so, wie Sie ihn sonst halten. Wegschauen während einer Blockade meint es freundlich und kommt beim Kind als Peinlichkeit an. Und schaffen Sie Situationen, in denen niemand unterbricht: Abendessen ohne Bildschirm, ein Kind allein mit einem Erwachsenen, keine Fragerunden im Kreis.

Wenn Ihr Kind das Thema selbst anspricht, gehen Sie mit. Ein ruhiges „Ja, das Wort ist hängengeblieben, das passiert" nimmt mehr Druck als jedes Ablenken. Die Kita darf Bescheid wissen, und in der Schule sollte die Klassenleitung wissen, dass Vorlesen und Referate anders geplant werden müssen.

Welche Behandlung zu welchem Alter passt

Die Verfahren unterscheiden sich nach Alter deutlich, und die Elternseite beschreibt die Inhalte ausführlich unter Kindliches Stottern. Was dort nicht steht, ist die Aufteilung.

Bei Vorschulkindern läuft die Behandlung überwiegend indirekt, also über Sie. Wir arbeiten an der Gesprächssituation zu Hause, an Tempo, Pausen und Rückmeldung, und das Kind bekommt davon wenig mit. Verfahren mit gezielten Rückmeldungen im Spiel gehören ebenfalls in diese Altersgruppe. Der Vorteil dieses Alters ist groß: Die Aussichten auf eine dauerhafte Rückbildung sind vor der Einschulung am besten, und das ist der Hauptgrund, warum wir vom Abwarten über Jahre abraten.

Bei Schulkindern kommt direkte Arbeit am Sprechen dazu. Es geht darum, eine Blockade kontrolliert aufzulösen statt gegen sie anzukämpfen, und daneben um alles, was sich um das Stottern herum aufgebaut hat: Wörter austauschen, Fragen ausweichen, sich nicht melden. Diesen zweiten Teil halten wir für den wichtigeren, weil er entscheidet, wie sehr das Stottern das Leben bestimmt.

Beim Poltern beginnt die Arbeit mit der Wahrnehmung. Ein polterndes Kind hört das eigene Tempo nicht, deshalb laufen die ersten Stunden mit Aufnahmen. Danach kommen Pausensetzung und Satzbau.

Zur Dauer eine ehrliche Auskunft: Das lässt sich vorab nicht seriös sagen. Bei einem Vorschulkind mit kurzem Verlauf reichen manchmal wenige Monate mit Elternberatung, bei einem Schulkind mit ausgeprägter Vermeidung wird es ein längerer Weg mit mehreren Verordnungsblöcken. Wer Ihnen nach der ersten Stunde eine Zahl nennt, rät. Unter welchen Bedingungen die Kasse dafür aufkommt, führt die Seite Heilmittelrichtlinie und Heilmittelkatalog aus.

Beratung und Termin

Ein Anruf lohnt sich schon, solange Sie noch unschlüssig sind, und die Verordnung darf ruhig später kommen. Unter 0511 65580773 sitzt die Anmeldung, und wenn Ihnen der schriftliche Weg lieber ist, geht eine Mail an anmeldung@bona-lingua.de; nennen Sie dabei das Alter, seit wann es besteht und ob Ihr Kind selbst etwas dazu sagt.

Was uns im Erstgespräch am meisten hilft, ist eine kurze Handyaufnahme aus einer entspannten Situation zu Hause. Im Behandlungsraum sprechen viele Kinder auffallend flüssig, und ohne Aufnahme sehen wir manchmal genau das nicht, worum es geht. Um die Verordnung kümmern Sie sich danach in der Kinderarztpraxis. Weil die Wartezeit auf einen Nachmittagstermin je nach Haus stark schwankt, fragen Sie am besten gleich für mehrere unserer Standorte an, deren Adressen und Zeiten unter Ihre Praxen für Logopädie in Hannover stehen.

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