Logopädie für Jugendliche

Zwischen Kinderlogopädie und Erwachsenentherapie liegt ein Alter, für das kaum jemand etwas anbietet. Dabei entsteht in der Pubertät einiges neu: Die Stimme kippt und findet nicht zurück, ein Stottern, das jahrelang egal war, wird zum Problem vor der Klasse, und ein Lautfehler, den früher niemand erwähnt hat, ist plötzlich unerträglich. Diese Seite beschreibt, womit Jugendliche zwischen zwölf und achtzehn zu uns kommen und wie Therapie in diesem Alter abläuft.

Weswegen Jugendliche zu uns kommen

Die Anlässe verteilen sich bei uns auf vier Gruppen, und sie überschneiden sich selten. Am häufigsten ist die Stimme, weil der Stimmwechsel bei einem Teil der Jugendlichen nicht sauber abschließt. Dann folgt der Redefluss, also Stottern und Poltern, meist als Fortsetzung von etwas, das schon länger da ist. Die dritte Gruppe sind Ausspracheauffälligkeiten, die vorher niemanden gestört haben. Die vierte, oft übersehene Gruppe betrifft Sprache und Schriftsprache: ein schmaler Wortschatz, Schwierigkeiten mit langen Texten, eine Lese-Rechtschreibschwäche, die in der weiterführenden Schule auffliegt.

Dazu kommen die Jugendlichen, deren Therapie in der Kindheit begonnen und nie richtig geendet hat. Sie waren mit sieben bei uns, es wurde besser, das Rezept lief aus. Jetzt kommen sie wieder, und diesmal ist es ihr eigenes Anliegen. Das ist ein anderer Ausgangspunkt, und therapeutisch ein sehr viel besserer.

Wenn Sie zuerst wissen wollen, ob überhaupt etwas vorliegt, hilft unsere Übersicht zu Sprachstörungen bei Kindern und Jugendlichen beim Sortieren.

Wenn die Stimme im Stimmbruch nicht ankommt

Im Stimmwechsel wächst der Kehlkopf, die Stimmlippen werden länger und dicker, und die Stimme sinkt bei Jungen um etwa eine Oktave. Bei Mädchen passiert dasselbe in kleinerem Maßstab, meist nur um wenige Töne, weshalb es kaum auffällt. Der Vorgang dauert in der Regel einige Monate, und dass die Stimme dabei kippt, kratzt oder wegbleibt, ist normal. Der Fachbegriff dafür steht in unserem Lexikon unter Mutation.

Behandlungsbedürftig wird es, wenn der Wechsel stecken bleibt. Zwei Verläufe begegnen uns dabei regelmäßig. Beim einen bleibt die Stimme nach abgeschlossenem Wachstum hoch und dünn, obwohl der Kehlkopf eines Erwachsenen darunter sitzt; das ist die persistierende Fistelstimme. Beim anderen setzt der Wechsel gar nicht erst ein oder zieht sich über Jahre.

Für Betroffene ist das ein größeres Thema, als der Befund vermuten lässt. Eine Kinderstimme in einem erwachsenen Körper wird am Telefon falsch angesprochen und in der Klasse kommentiert, und die meisten haben lange versucht, sie künstlich tiefer zu drücken. Genau das macht es schlimmer.

Therapeutisch ist das ein dankbarer Fall. Wir suchen die Stimme, die anatomisch längst vorhanden ist, und stabilisieren sie über Atem, Körperspannung und Resonanz. Bei einer reinen Fistelstimme geht das häufig innerhalb weniger Wochen, manchmal kippt die Stimme schon in der ersten Sitzung nach unten. Vorher gehört allerdings ein Blick auf die Stimmlippen dazu, also ein Termin in der HNO-Praxis oder bei einer Phoniaterin. Den therapeutischen Teil beschreiben wir ausführlich unter Stimmtherapie.

Ein Warnzeichen unabhängig vom Alter: Heiserkeit, die länger als zwei bis drei Wochen anhält, gehört ärztlich abgeklärt und nicht abgewartet. Bei Jugendlichen, die viel schreien, im Verein anfeuern oder in einer Band singen, stecken oft Stimmlippenknötchen dahinter.

Stottern mit vierzehn ist etwas anderes als mit sechs

Bei kleinen Kindern arbeiten wir viel mit den Eltern und mit dem Umfeld. Bei Jugendlichen verschiebt sich das komplett, denn hier ist das Stottern längst bewusst, und der größere Teil des Leidens steckt nicht in den Blockaden, sondern im Ausweichen davor: Wörter tauschen, Sätze abbrechen, sich nicht melden, das Referat verschieben, Telefonate meiden.

Die Therapie läuft deshalb auf zwei Spuren. Am Sprechen selbst arbeiten wir mit Techniken, die Blockaden lösen oder weicher machen. Daneben geht es um alles, was das Stottern drumherum aufgebaut hat, also um Vermeidung, um Angst vor bestimmten Situationen und um das, was Jugendliche über sich selbst glauben. Beides zusammen wirkt, eines allein selten.

Was wir nicht versprechen, ist Heilung. Ein im Kindesalter entstandenes Stottern verschwindet im Jugendalter nur noch selten von allein, und wer etwas anderes verspricht, verkauft etwas. Erreichbar ist ein flüssigeres, weniger anstrengendes Sprechen und vor allem ein Alltag, in dem Stottern nicht mehr bestimmt, was jemand sich zutraut. Viele unserer Jugendlichen sprechen am Ende nicht makellos, aber sie melden sich wieder.

Wichtig ist uns dabei das Tempo. Wir fangen nie mit der Situation an, die am meisten Angst macht, sondern arbeiten uns dorthin. Wer als Erstes ein Referat halten soll, kommt nicht wieder. Mehr zum Störungsbild bei jüngeren Kindern steht unter Kindliches Stottern, unsere Fachleute dafür finden Sie unter Stottern-Therapeuten.

Lautfehler, die erst jetzt stören

Ein Lispeln, das in der Grundschule niemanden gestört hat, kann mit vierzehn zum täglichen Ärgernis werden. Meistens sind es Sprachnachrichten, in denen man sich selbst hört, oder eine Bemerkung im Sportunterricht. Der Befund hat sich nicht geändert, der Blick darauf schon.

Das gehört bei uns zu den schnelleren Aufgaben. Jugendliche verstehen die Zungenposition sofort, hören den Unterschied und üben gezielt, wenn sie es selbst wollen. Der langsame Teil ist der Übergang ins freie Sprechen, weil zehn Jahre Gewohnheit dahinterstehen. Wie wir dabei vorgehen, steht unter Phonetische Störung, speziell zum Lispeln unter Sigmatismus.

Häufig hängt daran auch eine Zungenruhelage, die nicht stimmt, und dann arbeiten wir mit der Kieferorthopädie zusammen. Das betrifft besonders die Jugendlichen, die gerade eine feste Spange bekommen haben.

Schule, mündliche Noten, Nachteilsausgleich

Sprechstörungen treffen in der Schule genau dort, wo es zählt. Die mündliche Note macht in vielen Fächern die Hälfte aus, und wer sich wegen einer Blockade nicht meldet, wird als unbeteiligt bewertet.

Dafür gibt es den Nachteilsausgleich. Er wird nicht von uns gewährt, sondern von der Schule, in Niedersachsen auf Grundlage der Erlasse des Kultusministeriums, und er ist keine Notenbeschönigung, sondern eine andere Form der Leistungserhebung. Üblich sind mehr Zeit bei mündlichen Prüfungen, ein Vortrag im kleinen Kreis statt vor der Klasse oder eine schriftliche Ersatzleistung. Formal setzt das einen Antrag der Eltern voraus, und die Schule entscheidet.

Unser Teil daran ist ein Bericht, der beschreibt, was vorliegt und was es im Unterricht bedeutet. Danach fragen Sie uns bitte, bevor Sie den Antrag stellen, denn ein Bericht, der nur Diagnosen aufzählt, hilft der Schule wenig. Wir schreiben lieber konkret: In welchen Situationen tritt es auf, was hilft, was macht es schlimmer.

Bei einer Lese-Rechtschreibstörung läuft das ähnlich, dort ist die Praxis an den Schulen allerdings besser eingespielt. Ob bei schwerem Stottern zusätzlich ein Grad der Behinderung in Frage kommt, entscheidet das Versorgungsamt und nicht die Schule; sprechen Sie uns an, wenn das im Raum steht.

Ohne Eltern im Raum

Ab etwa vierzehn kommen die meisten allein in die Therapie, und wir halten das für richtig. Wer über Situationen sprechen soll, die ihm peinlich sind, tut das nicht neben der Mutter.

Für Eltern heißt das eine Umstellung. Sie erfahren, woran wir arbeiten und wie es läuft, aber nicht jeden Satz. Was ein Jugendlicher uns anvertraut, bleibt bei uns, solange niemand in Gefahr ist. Diese Grenze besprechen wir zu Beginn offen, mit beiden Seiten, damit sie später nicht zum Streitpunkt wird.

Von Ihnen brauchen wir dafür nur das Unspektakuläre: Termine, Fahrten, ein Zuhause, in dem das Thema nicht ständig verhandelt wird. Das genügt.

Wenn Ihr Kind gar nicht will

Diese Frage bekommen wir oft, und die ehrliche Antwort lautet: Gegen den Willen eines Jugendlichen funktioniert Sprachtherapie nicht. Anders als bei einem Fünfjährigen können wir das nicht über ein Spiel auffangen. Ohne Übung zwischen den Terminen passiert nichts, und Übung lässt sich nicht anordnen.

Was hilft, ist ein erster Termin ohne Verpflichtung. Wir sprechen dann eine Stunde lang, ohne zu üben, und am Ende entscheidet Ihr Kind, ob es weitergeht. Erstaunlich viele entscheiden sich dafür, sobald klar ist, dass niemand sie vorführt.

Druck über das Ergebnis richtet dagegen Schaden an. Ein Satz wie „so bekommst du keinen Ausbildungsplatz" erzeugt genau die Anspannung, die das Sprechen verschlechtert. Wenn es gerade nicht geht, ist Warten die bessere Entscheidung. Wir sind auch in einem halben Jahr noch da, und dann vielleicht mit einem Jugendlichen, der von sich aus kommt.

Ihre Therapeutinnen und Therapeuten für Jugendliche

Welche Kollegin oder welcher Kollege zu Ihrem Kind passt, hängt hier stärker als sonst am Menschen und weniger am Fachgebiet. Wer wo arbeitet und womit, können Sie im jeweiligen Profil nachlesen. Die Übersicht für den Kinder- und Jugendbereich finden Sie unter Logopäden und Therapeuten für Kinder, für den Stimmbereich unter Stimmtherapeutinnen und Stimmtherapeuten.

Rezept, Kosten, Termine nach der Schule

Verordnet wird Logopädie von der Kinder- oder Hausarztpraxis, bei Stimmproblemen sinnvollerweise nach einem HNO-Befund. Bis zum achtzehnten Geburtstag fällt keine Zuzahlung an, danach gelten die üblichen zehn Prozent der Behandlungskosten plus zehn Euro je Verordnung. Grundlage dafür ist die Heilmittelrichtlinie, die zugehörigen Diagnosegruppen finden Sie im Heilmittelkatalog.

Bei den Terminen ist die Schulzeit das eigentliche Hindernis. Wir halten deshalb an allen Standorten Nachmittagstermine frei, und in der Oberstufe geht auch der späte Nachmittag. Wenn der Weg das Problem ist, etwa nach einem Umzug oder in der Prüfungsphase, lässt sich ein Teil der Sitzungen online machen, siehe Onlinetherapie und Teletherapie. Für Stimmarbeit empfehlen wir den Anfang trotzdem in der Praxis.

Unsicher, ob es sich lohnt? Eine Beratung vorab kostet nichts und braucht kein Rezept. Die Nummer der Anmeldung ist 0511 65580773, und Ihr Kind darf sich dort auch selbst melden, ebenso per Mail an anmeldung@bona-lingua.de. Wir haben sieben Praxen in Hannover und Umgebung, und Ihr Kind darf sich aussuchen, wo es hingeht.

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