Stimmstörungen bei Kindern
Ein heiseres Kind fällt weniger auf als ein Kind, das nicht spricht, und genau deshalb bleibt es oft jahrelang unbehandelt. Eltern gewöhnen sich an die raue Stimme, das Umfeld findet sie niedlich, und irgendwann heißt es: Der klingt eben so. Hinter einer Heiserkeit, die bleibt, steckt in den meisten Fällen die Art, wie das Kind seine Stimme im Alltag benutzt, und kein Infekt. Hier geht es um die Fragen, die Eltern uns dazu stellen: Wann Heiserkeit bei einem Kind noch harmlos ist, was Schreiknötchen sind und warum sie sich fast nie operieren lassen müssen, wie Stimmtherapie mit einem Sechsjährigen aussieht und was passiert, wenn die Stimme im Stimmbruch nicht mitkommt.
Wann Heiserkeit auffällig wird
Nach einem Infekt oder einem lauten Kindergeburtstag ist eine raue Stimme normal und nach ein paar Tagen vorbei. Auffällig wird sie durch ihre Dauer und dadurch, dass sie ohne Anlass wiederkommt.
Woran wir uns orientieren:
- Die Heiserkeit besteht länger als drei bis vier Wochen, ohne dass Ihr Kind erkältet ist.
- Sie kehrt in Wellen zurück, meist nach lauten Tagen, und verschwindet über die Ferien.
- Die Stimme ist morgens klar und abends weg, oder umgekehrt: nach dem Aufstehen rau und im Lauf des Tages besser.
- Ihr Kind klingt angestrengt, wird beim Erzählen leiser und bricht Sätze ab, weil die Luft nicht reicht.
- Es räuspert sich ständig oder greift sich an den Hals.
- Andere fragen häufiger nach, in der Kita, auf dem Sportplatz, am Telefon.
- Ihr Kind meidet Situationen, in denen es laut sein müsste, oder es meldet sich im Unterricht seltener.
Der letzte Punkt wiegt für uns am schwersten, weil er zeigt, dass die Stimme bereits Verhalten steuert. Eine Faustregel, die Eltern hilft: Wenn Sie Ihr Kind in einer Aufnahme aus dem Vorjahr heiser hören und heute auch, ist es keine Phase.
Ein plötzlicher, vollständiger Stimmverlust ist etwas anderes und gehört rasch angesehen. Bei Kindern kommt er selten vor, und wenn, dann manchmal nach einem belastenden Ereignis; wie das aussieht, steht unter psychogene Stimmstörung, für die vollständige Stimmlosigkeit gesondert unter Aphonie bei Kindern.
Schreiknötchen: die häufigste Ursache
Bei weitem am häufigsten finden HNO-Praxen bei heiseren Kindern kleine, symmetrische Verdickungen auf beiden Stimmlippen. Sie heißen Schreiknötchen, bei Erwachsenen auch Sängerknötchen, und sie sind gutartig.
Wie sie entstehen, lässt sich in einem Bild sagen: An der Stelle, an der die Stimmlippen beim Sprechen am heftigsten aufeinanderschlagen, bildet sich mit der Zeit eine Schwiele, so wie an der Hand beim Klettern. Weil die Stimmlippen dann nicht mehr dicht schließen, entweicht Luft, die Stimme wird rau und behaucht, und das Kind drückt kräftiger nach, um trotzdem gehört zu werden. Genau dieses Nachdrücken vergrößert die Knötchen. Der Kreis schließt sich, und ohne Eingriff von außen dreht er sich weiter.
Betroffen sind auffällig oft die kommunikativsten Kinder: die, die viel erzählen, gern führen, laut spielen und Geschwister haben. Das ist der Punkt, an dem wir Eltern regelmäßig beruhigen müssen, denn viele hören aus dem Befund eine Erziehungskritik heraus. Ein Kind, das viel redet, macht nichts falsch. Es benutzt sein Stimmorgan nur auf eine Weise, die auf Dauer teuer wird.
Operiert wird bei Kindern fast nie. Die Knötchen bilden sich zurück, wenn sich der Stimmgebrauch ändert, und viele verschwinden ohnehin in der Pubertät, wenn der Kehlkopf wächst. Ein Eingriff ohne vorherige Stimmtherapie wäre außerdem folgenlos, weil das Muster, das die Knötchen erzeugt hat, danach unverändert weiterläuft.
Nach Hausmitteln wird an dieser Stelle viel gesucht, und die Antwort fällt nüchtern aus: Tee, Halswickel, Inhalieren und Lutschtabletten tun der gereizten Schleimhaut gut und lindern das Kratzen. Auf die Knötchen selbst wirken sie nicht, denn die sind eine mechanische Folge und kein Infekt. Wer darauf wartet, dass sie mit Kamillentee weggehen, verliert Monate. Was hilft, ist Feuchtigkeit von innen, also über den Tag verteilt trinken, und die Änderung im Stimmgebrauch.
Wo die Stimme im Alltag leidet
Wenn wir mit Eltern den Tag durchgehen, kommen fast immer dieselben Stellen zusammen, und die wenigsten davon haben mit Schreien zu tun.
Der lauteste Ort im Leben der meisten Kinder ist die Kita. In einem vollen Gruppenraum liegt der Geräuschpegel so hoch, dass jedes Kind gegen die anderen anspricht, und wer gehört werden will, drückt. Ähnlich wirken Sporthallen, Schwimmbäder und das Auto während der Fahrt. Dazu kommt das Rufen über Entfernung, auf dem Spielplatz, zwischen zwei Zimmern, aus dem Garten ins Haus.
Unterschätzt werden zwei leise Gewohnheiten. Räuspern ist die eine: Es fühlt sich an, als würde es etwas wegschaffen, und reizt die Stimmlippen jedes Mal aufs Neue. Flüstern ist die andere, und das überrascht die meisten. Kräftiges Flüstern strengt den Kehlkopf mehr an als normales Sprechen, deshalb ist es als Schonung ungeeignet.
Und dann die Umgebung: trockene Heizungsluft im Winter, zu wenig Trinken über den Tag, Rauch in der Wohnung. Nichts davon verursacht allein eine Stimmstörung, aber alles davon verschiebt die Schwelle, ab der es kippt.
Der Weg über die HNO-Praxis
Bevor wir mit einem Kind arbeiten, brauchen wir den Blick auf den Kehlkopf. Von außen lässt sich nicht beurteilen, ob Knötchen, eine Entzündung, eine Zyste oder etwas Selteneres vorliegt, und die Behandlung sähe je nachdem anders aus.
Bei kleinen Kindern ist diese Untersuchung nicht überall im Angebot, weil sie Übung verlangt: Der Spiegel oder das dünne Endoskop müssen kurz an eine Stelle, die kein Kind freiwillig freigibt. Praxen mit kindlichem Schwerpunkt schaffen das meist in wenigen Sekunden. Wenn Sie in Ihrer HNO-Praxis hören, das gehe bei einem Vierjährigen nicht, lohnt der Anruf woanders, und wir sagen Ihnen gern, wo es in Hannover funktioniert hat.
Was dabei ausgeschlossen wird, ist der Grund für den Aufwand. Neben den harmlosen Knötchen gibt es seltene Befunde, die anders behandelt werden, etwa Papillome, angeborene Veränderungen oder eine Lähmung einer Stimmlippe, siehe Stimmlippenlähmungen. Grundbegriffe dazu stehen unter Kehlkopf und Heiserkeit.
Wer bei uns Kinderstimmen behandelt
Stimmarbeit mit Kindern verlangt beides, den stimmtherapeutischen Hintergrund und die Erfahrung, ein Kind eine Dreiviertelstunde bei der Sache zu halten. Wer bei uns beides mitbringt, steht in der folgenden Aufstellung, und hinter jedem Namen finden Sie die Praxis, den Werdegang und die Fortbildungen. Wenn Sie lieber nach Fachgebiet suchen, führen Stimmtherapeutinnen und Stimmtherapeuten sowie Logopäden und Therapeuten für Kinder zu denselben Personen.
Saya Ritze

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Stimmtherapie
mehr über Saya RitzeSofie Lebek

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Neurologie, Stimme
mehr über Sofie LebekFreyja Meißler

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Kinder mit Behinderungen
mehr über Freyja MeißlerHenrike Scholz

staatlich geprüfte Atem-, Sprech- & Stimmlehrerin sowie Bühnenfachdarstellerin im Bereich Musical, begrüßt Sie herzlich in unserer Praxis in der Südstadt
mehr über Henrike ScholzMilena Hagemann-Gomm

Staatlich anerkannte Logopädin (B.Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungs-, Stimm- und Redeflussstörungen, myofunktionellen Störungen & selektiven Mutismus …
mehr über Milena Hagemann-GommMarie Meyer

staatlich geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Schwerpunkte: Kindersprache, Stimmtherapie und neurologische Störungsbilder
mehr über Marie MeyerSophia-Carolin Reinert

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.). Schwerpunkte: Kindersprache, neurologische Störungsbilder, Stimmstörungen …
mehr über Sophia-Carolin ReinertJosefine Zacherl

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Störung der Spachentwicklung im Kindesalter, Dysphonie, myofunktionelle Störungen …
mehr über Josefine ZacherlVanessa Gensch

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Dysphonie, neurogene Sprach- und Sprechstörungen …
mehr über Vanessa GenschBüşra Geni

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, neurologische Störungsgebiete, Kindersprache, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle …
mehr über Büşra GeniNadja Seitz

Staatlich anerkannte Logopädin, Stimmtrainerin. Schwerpunkte: neurologische und degenerative Erkrankungen, TK-Management, Stimmtherapie, Sprachentwicklungsstörungen
mehr über Nadja SeitzMarie Schütte

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Stimmstörungen, neurologische Krankheitsbilder …
mehr über Marie SchütteWie Stimmtherapie mit Kindern abläuft
Eltern stellen sich darunter oft Übungsblätter und Wiederholungen vor. So läuft es nicht, und mit einem Fünfjährigen ginge es auch nicht.
Wir beginnen damit, dass das Kind seine eigene Stimme überhaupt bemerkt. Kinder haben dafür anfangs kein Ohr: Sie hören nicht, dass sie heiser sind, und sie merken nicht, wann sie drücken. Also arbeiten wir mit Gegensätzen, die sich anfassen lassen. Laut und leise, hoch und tief, gepresst und locker, jeweils gespielt, mit Tieren, Instrumenten und Bewegung. Erst wenn ein Kind den Unterschied hört, kann es ihn steuern.
Danach geht es um Ersatz statt Verbot. Ein Kind, dem man das Rufen verbietet, ruft trotzdem, deshalb suchen wir Wege, wie es dasselbe erreicht: pfeifen statt schreien, hingehen statt rufen, ein Zeichen mit der Hand für die Geschwister. Für zu Hause vereinbaren wir wenige Regeln, meist nur zwei oder drei, und die gelten für alle in der Familie, nicht bloß für das behandelte Kind. Das ist der Teil, an dem eine Therapie am häufigsten scheitert oder gelingt.
Rechnen Sie mit mehreren Monaten. Bei Knötchen sehen die HNO-Praxen die ersten Veränderungen selten vor der zehnten Sitzung, und der Klang bessert sich meist früher als der Befund. Ihre Aufgabe dazwischen kostet keine Übungszeit am Küchentisch, sondern Aufmerksamkeit im Alltag: einmal am Tag rückmelden, wenn die lockere Stimme da war, und nicht ständig ermahnen, wenn sie es nicht war.
Chor, Sport, Schonen
Die Frage kommt in fast jeder Erstberatung: Muss mein Kind jetzt aufhören zu singen? Die Antwort lautet in aller Regel nein, und sie überrascht Eltern.
Singen belastet die Stimme anders als Rufen. Es läuft über einen längeren, gestützten Atem, in wechselnden Tonhöhen und ohne den harten Einsatz, der die Stimmlippen aufeinanderschlagen lässt. Ein Kinderchor mit einer Leitung, die etwas von Kinderstimmen versteht, tut einer belasteten Stimme eher gut. Achten Sie darauf, in welcher Lage gesungen wird: Kinder sollen hoch und leicht singen dürfen und nicht gegen eine zu tiefe Begleitung andrücken.
Vorsichtig sind wir bei zwei Dingen. Solotitel mit Verstärkeranlage verleiten dazu, gegen die Technik anzusingen. Und ein Auftritt am Ende einer Woche mit täglichen Proben ist für eine ohnehin überlastete Stimme viel; dann lieber die Proben ausdünnen als den Auftritt streichen.
Beim Sport geht es weniger um die Bewegung als um das Anfeuern. Mannschaftssport in der Halle ist stimmlich anstrengender als Schwimmen oder Turnen, weniger wegen der Anstrengung als wegen des Rufens über den Lärm. Chlorluft im Hallenbad trocknet zusätzlich aus, was für die Stimmlippen ungünstig ist, aber niemanden vom Schwimmen abhalten sollte.
Vom Schonen halten wir wenig. Eine Stimme, die zwei Wochen geschwiegen hat, kommt nicht besser zurück, sie ist nur ungeübter, und für ein Kind ist Schweigen ohnehin keine haltbare Vorgabe. Was wirkt, ist der veränderte Gebrauch über den ganzen Tag, nicht die Pause.
Bei Jugendlichen kommt der Stimmbruch als eigener Anlass dazu. Wenn die Stimme dort nicht ankommt und im hohen Register hängen bleibt, ist das gut behandelbar; beschrieben haben wir das unter Logopädie für Jugendliche, den Begriff selbst erklärt das Lexikon unter Mutation.
Beratung und Termin
Melden Sie sich, sobald Sie unsicher sind, ob die Heiserkeit noch dazugehört: Wer bei 0511 65580773 anruft, bekommt in wenigen Minuten eine erste Einordnung, und wem eine Nachricht an anmeldung@bona-lingua.de lieber ist, schildert dort am besten gleich das Alter des Kindes, seit wann die Stimme so klingt und ob eine Erkältung am Anfang stand.
Hilfreich, und bei diesem Thema aussagekräftiger als jede Beschreibung: eine kurze Handyaufnahme, auf der Ihr Kind frei erzählt. Am besten von einem gewöhnlichen Tag und nicht aus einem ruhigen Moment. Wenn Sie eine ältere Aufnahme finden, nehmen Sie beide mit, dann hören wir den Verlauf.
Das Rezept bekommen Sie in der kinderärztlichen oder der HNO-Praxis, den Kehlkopfbefund brauchen wir in jedem Fall, und beraten dürfen wir Sie auch schon davor. Kosten entstehen minderjährigen Patientinnen und Patienten dabei nicht. Termine für Schulkinder legen wir bevorzugt in den frühen Nachmittag, weil die Stimme nach einem langen Schultag anders klingt als am Morgen und wir genau diesen Zustand sehen wollen. Welcher unserer sieben Standorte für Sie am besten erreichbar ist, sehen Sie unter Ihre Praxen für Logopädie in Hannover, und falls die Anfahrt schwierig ist, sprechen Sie uns auf Onlinetherapie und Teletherapie an.
Weiterlesen
- Stimmtherapie: wenn die Stimme krank ist
- Psychogene Stimmstörung
- Aphonie bei Kindern
- Lexikon: Heiserkeit
- Lexikon: Mutation und Stimmbruch
- Stimmstörung und Dysphonie bei Erwachsenen
- Therapien für Kinder





