Onlinetherapie und Teletherapie

Wer „Online-Therapie" sucht, landet fast überall bei Psychotherapie am Bildschirm, bei Apps und bei Anbietern mit Warteliste. Gemeint ist hier etwas anderes: logopädische Behandlung per Video, mit derselben Therapeutin wie in der Praxis, auf Rezept und über die Krankenkasse abgerechnet. Auf dieser Seite steht, für welche Störungsbilder das gut funktioniert und für welche es ausgeschlossen ist, wie eine Videostunde tatsächlich abläuft, was das mit Kindern bedeutet und warum die meisten am Ende beides mischen. Voraussetzungen, Technik und die Plattform beschreibt unsere Seite zur Video-Therapie.

Was damit gemeint ist, und was nicht

Der Begriff „Online-Therapie" ist im Netz besetzt, und zwar von der Psychotherapie. Programme gegen Depression, Selbsthilfe-Apps auf Rezept, Anbieter mit Videosprechstunde: Wer danach sucht, findet zuerst dieses Feld. Damit hat die logopädische Teletherapie nichts zu tun.

Bei uns bedeutet der Begriff: Ihre reguläre logopädische Behandlung findet statt, nur nicht im Behandlungsraum, sondern über eine gesicherte Videoverbindung. Es ist dieselbe Therapeutin, dieselbe Verordnung, dieselbe Stundenlänge und dasselbe Ziel. Im Fachgebrauch heißt es Teletherapie oder Videotherapie, im Alltag Onlinetherapie, und gemeint ist immer dasselbe.

Was es ebenfalls nicht ist: ein Selbstlernprogramm, eine App mit Übungen zum Abarbeiten oder ein Chat. Es ist eine Therapiestunde mit einem Menschen am anderen Ende, der zuhört, korrigiert und den Ablauf steuert.

Rechtlich ist das seit September 2022 wieder als Kassenleistung möglich, nachdem es während der Pandemie eingeführt worden war. Die Einzelheiten dazu, samt der Frage, was deutschlandweit und weltweit geht, stehen in unserem Beitrag Videotherapie ist seit September 2022 wieder möglich.

Wofür es gut geht und wofür nicht

Die pauschale Antwort „fast alles" hilft niemandem bei der eigenen Entscheidung. Nach unserer Erfahrung sortiert sich das so:

  • Sehr gut geeignet ist alles, was über Sprechen und Zuhören läuft: Aphasie und Wortfindung, Redeflussstörungen, Stimmarbeit im Übungsteil und Grammatikarbeit mit Kindern. Beim Stottern hat der Bildschirm sogar einen eigenen Vorteil, weil sich Telefon- und Videosituationen direkt üben lassen, statt sie nachzustellen.
  • Gut geeignet mit einer Einschränkung ist die Arbeit an einzelnen Lauten. Die Kamera muss nah genug am Mund sein, damit die Zungenlage zu sehen ist, und die Verbindung darf nicht ruckeln, weil Zischlaute sonst verfälscht ankommen.
  • Eingeschränkt sinnvoll ist alles, wofür wir sonst die Hände benutzen: Tonusarbeit im Gesicht, myofunktionelle Übungen, manuelle Hilfen bei der Stimme. Das lässt sich anleiten, aber nicht ausführen.
  • Ausgeschlossen sind Schluckstörungen im Sinne einer Dysphagie, ausführlich unter Schluckstörung und Dysphagie. Dort muss jemand im Raum sein, der eingreifen kann, wenn sich jemand verschluckt. Dasselbe gilt für die Arbeit mit Trachealkanülen und für Fütterstörungen bei Säuglingen.

Für die Diagnostik gilt eine eigene Regel: Erstbefund und Verlaufskontrollen finden in der Praxis statt. Das ist Bedingung der Kassen und aus unserer Sicht auch fachlich richtig, weil ein erster Eindruck vom Bildschirm unvollständig bleibt.

Wer bei uns per Video behandelt

Nahezu alle unsere Therapeutinnen und Therapeuten sind dafür geschult, weil wir das Verfahren seit den Lockdowns durchgehend nutzen. In der Liste unten steht, wer an welchem Standort arbeitet und welche Ausbildung dahintersteht. Fragen Sie bei der Anmeldung ausdrücklich nach Videoterminen: Sie liegen oft in Zeiten, die vor Ort schwer zu vergeben sind, und dadurch bekommen Sie manchmal deutlich schneller einen Platz.

Wie eine Videostunde wirklich abläuft

Die häufigste Vorstellung vorab ist ein Videoanruf, bei dem man sich eine Dreiviertelstunde lang gegenübersitzt und redet. So sieht es nicht aus.

Sie bekommen vor dem Termin einen Link per Mail. Ein Klick genügt, es muss nichts installiert und kein Konto angelegt werden. Auf dem Bildschirm sehen Sie Ihre Therapeutin und daneben den Arbeitsbereich, in dem Material geteilt wird: Bilder, Wortkarten, Texte, Spiele. Beide Seiten können darin arbeiten, verschieben, markieren.

Die Stunde folgt demselben Aufbau wie in der Praxis. Kurzer Einstieg, Rückblick auf die Aufgabe von letzter Woche, der Übungsteil, Absprache für die kommende Woche. Materialien für zu Hause kommen anschließend per Mail; wer einen Drucker hat, ist im Vorteil, nötig ist er nicht.

Was tatsächlich anders ist: Der Ton entscheidet über alles. Ein einfaches Headset verbessert eine Videostunde stärker als jede Kamera, weil wir feine Unterschiede in der Aussprache sonst nicht sicher hören. Und Sie brauchen einen Raum, in dem für 45 Minuten niemand hereinkommt. Der Küchentisch, an dem nebenher gekocht wird, ist die häufigste Ursache dafür, dass eine Videostunde weniger bringt als eine in der Praxis.

Mit Kindern vor dem Bildschirm

Bei Kindern hängt der Erfolg weniger an der Technik als an der Rolle der Eltern, und das ist der Punkt, den wir am häufigsten besprechen.

Ihr Kind sitzt vor dem Bildschirm, Sie sitzen daneben. Ihre Aufgabe ist nicht das Mitüben und schon gar nicht das Korrigieren. Sie sind für den Rahmen zuständig: Material bereitlegen, die Verbindung starten, gelegentlich etwas anreichen und, wenn ein Kind abdriftet, es ohne viele Worte zurückholen. Sobald Eltern anfangen mitzutherapieren, arbeitet das Kind gegen zwei Erwachsene.

Ein Mindestalter gibt es, es liegt bei vier Jahren, und zwischen vier und sechs schauen wir vorher gemeinsam, ob die Konzentration für eine Stunde reicht. Diese Voraussetzungen und was Sie technisch brauchen, stehen unter Logopädie per Video-Therapie.

Eine Beobachtung aus der Praxis, die viele überrascht: Manche Kinder arbeiten am Bildschirm besser als im Raum. Das gilt vor allem für sehr zurückhaltende Kinder und für solche, die von einer neuen Umgebung leicht abgelenkt sind. Der Bildschirm engt das Blickfeld ein, und genau das hilft. Bei sehr bewegungsfreudigen Kindern ist es umgekehrt.

Rezept, Kasse, Zuzahlung

An der Abrechnung ändert sich nichts. Es gilt dieselbe Heilmittelverordnung wie für die Behandlung vor Ort, es wird dieselbe Leistung abgerechnet, und die Zuzahlung ist unverändert: Erwachsene zahlen zehn Prozent plus zehn Euro je Verordnung, für Kinder und Jugendliche unter achtzehn fällt nichts an. Nachschlagen können Sie das bei Heilmittelrichtlinie und Heilmittelkatalog.

Auf dem Rezept muss Videotherapie nicht gesondert vermerkt sein. Ob eine Behandlung per Bildschirm stattfindet, entscheiden Therapeutin und Patient gemeinsam, und Sie stimmen dem einmal schriftlich zu. Diese Zustimmung können Sie jederzeit widerrufen; dann läuft die Behandlung in der Praxis weiter, ohne dass ein neues Rezept nötig wird.

Die Plattform, über die das läuft, kostet Sie nichts. Es fallen also keine Gebühren an, die über die übliche Zuzahlung hinausgehen. Wer sich für die technische Seite interessiert, findet die Angaben zu Verschlüsselung und Zertifizierung auf der Seite zur Video-Therapie.

Warum die meisten beides mischen

In der Beratung stellen viele die Frage als Entweder-oder. In der Praxis läuft es fast nie so.

Der häufigste Zuschnitt bei uns: Befund und Verlaufskontrollen vor Ort, die Übungsstunden dazwischen nach Bedarf per Video. Das nutzt die Vorteile beider Seiten und passt zu der Vorgabe, dass Diagnostik in Präsenz stattfindet.

Besonders lohnt sich die Mischung bei hoher Frequenz. Wer zweimal pro Woche kommt, verbringt schnell drei Stunden im Auto oder im Nahverkehr, und genau daran scheitern Behandlungen, nicht am Inhalt. Ebenso im Winter, wenn eine Erkältung sonst einen Termin kostet: Eine Videostunde geht auch mit Schnupfen.

Und für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist es oft die Alternative zum Hausbesuch, die schneller verfügbar ist. Wann ein Hausbesuch der bessere Weg ist, steht unter Hausbesuche, den Überblick über die Behandlung Erwachsener gibt Sprechtherapie für Erwachsene.

Beratung und Termin

Ob Videotherapie für Sie oder Ihr Kind infrage kommt, klären wir am schnellsten im Gespräch. Melden Sie sich unter 0511 65580773 oder unter anmeldung@bona-lingua.de und sagen Sie dazu, worum es geht und wie weit Sie von uns entfernt wohnen.

Falls Sie unsicher sind, ob die Technik bei Ihnen mitspielt: Wir machen vorab einen kurzen Testlauf, bei dem nichts weiter passiert, als dass die Verbindung einmal aufgebaut wird. Das dauert fünf Minuten und nimmt der Sache den Schrecken. Wenn Sie sich anschließend doch für die Praxis entscheiden, ist das ebenso in Ordnung; welche unserer sieben Praxen für Sie am günstigsten liegt, sehen Sie unter Ihre Praxen für Logopädie in Hannover.

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