Dysarthrie
Eine Dysarthrie klingt für Außenstehende wie undeutliches Sprechen, manchmal wie Betrunkenheit, und genau daran leiden Betroffene oft mehr als an der Verständlichkeit selbst. Fachlich ist es eine erworbene Störung der Sprechbewegung: Der Kopf weiß, was gesagt werden soll, die Muskeln setzen es nicht sauber um. Hier geht es um die Fragen, die auf der Therapieseite offen bleiben: Welche Formen es gibt und warum die Unterscheidung die Behandlung bestimmt, wie die Aussichten je nach Ursache aussehen, was das Schlucken damit zu tun hat und welche Übungen zu Hause tatsächlich etwas bringen. Ursachen, Diagnostik und die sieben Funktionskreise stehen ausführlich auf unserer Therapieseite zur Dysarthrie.
Die Formen und warum sie den Plan bestimmen
In Befunden steht selten nur „Dysarthrie". Meistens steht ein Wort davor, und dieses Wort sagt, an welcher Stelle im Nervensystem der Schaden sitzt. Für Sie ist das keine Etikette, sondern die Auskunft darüber, woran wir arbeiten werden.
- Bei der schlaffen Form sind die Nerven auf dem letzten Stück zum Muskel betroffen. Die Muskulatur ist kraftlos, die Sprache klingt näselnd, weil der Gaumensegelverschluss nicht dicht wird, und die Luft geht schnell aus.
- Die spastische Form entsteht bei einer Schädigung der Bahnen von der Hirnrinde abwärts. Der Tonus ist erhöht, das Sprechen wirkt angestrengt und gepresst, langsam, mit gestauchter Sprechmelodie.
- Die ataktische Form geht auf das Kleinhirn zurück. Hier stimmt die Kraft, aber nicht die Feinsteuerung: Lautstärke und Betonung schießen über, die Silben werden gleichmäßig abgehackt.
- Die hypokinetische Form kennen die meisten von Parkinson. Alles wird kleiner: leise Stimme, monotone Melodie, kleine Sprechbewegungen, dazu ein Tempo, das gegen Ende der Sätze anzieht.
- Die hyperkinetische Form entsteht bei überschießenden unwillkürlichen Bewegungen, etwa bei Chorea Huntington. Lautstärke, Tempo und Artikulationsschärfe schwanken unkontrolliert.
- Mischformen sind der Regelfall, nicht die Ausnahme, besonders nach Schlaganfall und bei Multipler Sklerose.
Warum das zählt: Bei der hypokinetischen Form arbeiten wir an Lautstärke und Aufwand, weil das gesamte System zu klein eingestellt ist. Bei der ataktischen Form wäre das falsch, dort geht es um Bremsen und Dosieren. Bei der schlaffen Form steht die Atemstütze vorn, bei der spastischen die Entspannung. Wer alle gleich behandelt, arbeitet in der Hälfte der Fälle gegen die Störung.
Wenn zusätzlich Stimme, Atmung und Haltung betroffen sind, heißt es in vielen Befunden Dysarthrophonie. Beide Begriffe werden meist gleichbedeutend verwendet; die Abgrenzung steht unter Unterschied zwischen Dysarthrie und Dysarthrophonie, die Therapieseite dazu unter Dysarthrophonie. Was der stimmliche Anteil im Alltag ausmacht und in welcher Reihenfolge wir Atmung, Stimme und Aussprache angehen, haben wir gesondert unter Dysarthrophonie beschrieben.
Von leicht undeutlich bis Anarthrie
Die Bandbreite ist groß, und Angehörige unterschätzen den Unterschied zwischen den Stufen regelmäßig.
Am leichten Ende steht eine Sprache, die nur bei Müdigkeit oder am Telefon auffällt. In der Mitte liegt der Bereich, in dem Fremde nachfragen, Vertraute aber alles verstehen. Weiter unten wird es auch für die Familie anstrengend, und Gespräche werden kürzer, weil beide Seiten ausweichen. Am anderen Ende steht die Anarthrie: Sprechen ist nicht mehr möglich, obwohl Sprache und Denken erhalten sind.
Genau dieser letzte Punkt wird im Umfeld am häufigsten missverstanden. Wer nicht sprechen kann, versteht trotzdem alles. Wir erleben regelmäßig, dass über Betroffene hinweg geredet wird, als wären sie nicht im Raum, und das ist der Moment, in dem Menschen aufhören, sich mitzuteilen. Wenn das Sprechen dauerhaft nicht ausreicht, arbeiten wir mit Hilfen von der Buchstabentafel bis zum sprechenden Gerät, siehe Unterstützte Kommunikation.
Von der Dysarthrie zu trennen ist die Sprechapraxie, bei der die Bewegungsplanung hakt und dasselbe Wort bei jedem Versuch anders herauskommt. Und von beiden zu trennen ist die Aphasie, bei der die Sprache selbst betroffen ist; die Gegenüberstellung dazu steht unter Unterschied zwischen Dysarthrie und Aphasie.
Was das Schlucken damit zu tun hat
Die Muskeln, mit denen Sie sprechen, sind weitgehend dieselben, mit denen Sie schlucken. Deshalb gehört bei jeder Dysarthrie die Frage nach dem Schlucken dazu, auch wenn sie niemand gestellt hat.
Worauf wir achten: Verschlucken bei dünnen Flüssigkeiten, Husten während oder kurz nach dem Essen, eine feuchte, gurgelnde Stimme nach dem Trinken, langes Kauen, Reste im Mund, Gewichtsverlust, wiederholte Lungenentzündungen. Der letzte Punkt ist der ernsteste, weil er oft der erste Hinweis auf stilles Verschlucken ist.
Wenn davon etwas zutrifft, sagen Sie es beim ersten Termin, dann sehen wir uns das Schlucken mit an. Was dann folgt, steht unter Schluckstörung und Dysphagie.
Wer bei uns Dysarthrien behandelt
Dysarthrie gehört in den neurologischen Bereich und verlangt Erfahrung mit dem jeweiligen Krankheitsbild, denn ein Verlauf nach Schlaganfall braucht etwas anderes als ein fortschreitender. Unten finden Sie unser neurologisches Team, hinter jedem Eintrag Praxis und Werdegang. Als reine Namensübersicht gibt es dieselbe Auswahl unter Dysarthrie: Logopäden und Therapeuten, für die stimmbetonte Variante unter Dysarthrophonie-Therapeuten.
Saya Ritze

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Stimmtherapie
mehr über Saya RitzeRonja Köhne

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Ronja KöhneBüsra Aygün

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Büsra AygünSofie Lebek

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Neurologie, Stimme
mehr über Sofie LebekCarina Lehnert

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Neurologie, Stimmtherapie
mehr über Carina LehnertMilena Hagemann-Gomm

Staatlich anerkannte Logopädin (B.Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungs-, Stimm- und Redeflussstörungen, myofunktionellen Störungen & selektiven Mutismus …
mehr über Milena Hagemann-GommSophia-Carolin Reinert

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.). Schwerpunkte: Kindersprache, neurologische Störungsbilder, Stimmstörungen …
mehr über Sophia-Carolin ReinertJosefine Zacherl

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Störung der Spachentwicklung im Kindesalter, Dysphonie, myofunktionelle Störungen …
mehr über Josefine ZacherlVanessa Gensch

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Dysphonie, neurogene Sprach- und Sprechstörungen …
mehr über Vanessa GenschBüşra Geni

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, neurologische Störungsgebiete, Kindersprache, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle …
mehr über Büşra GeniNadja Seitz

Staatlich anerkannte Logopädin, Stimmtrainerin. Schwerpunkte: neurologische und degenerative Erkrankungen, TK-Management, Stimmtherapie, Sprachentwicklungsstörungen
mehr über Nadja SeitzMarie Schütte

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Stimmstörungen, neurologische Krankheitsbilder …
mehr über Marie SchütteMarion Koch

Dipl.-Heilpädagogin. Schwerpunkte: Sprachanbahnung bei Kindern, LKGS, AWVS, Schluckstörungen, Kindersprache, Aphasien, Dysphagien …
mehr über Marion KochNicole Hoyer Garcia

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.), Muttersprache: Spanisch. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Mehrsprachigkeit, myofunktionelle Störungen …
mehr über Nicole Hoyer GarciaRichard Seelig

Staatlich anerkannter Logopäde B. Sc, Dysphagie-Fachtherapeut. Schwerpunkte: neurologische/degenerative Erkrankungen, Stimm- und Aussprachestörungen, MST, AAP …
mehr über Richard SeeligDaniela Behrendt

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: degenerative neurologische Erkrankungen wie ALS, MS, Chorea Huntington oder Parkinson …
mehr über Daniela BehrendtJohanna Schweiger

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, neurologische Störungsbilder, Fütterstörungen, TK-Management …
mehr über Johanna SchweigerValerija Kozmidi-Galic

Staatlich anerkannte Logopädin. Muttersprache: Russisch. Schwerpunkte: Stottersymptomatiken, VED, AVWS, Neurologie …
mehr über Valerija Kozmidi-GalicTabea Beckmann

Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, Aussprachestörungen, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle, Kindertherapie …
mehr über Tabea BeckmannJanice Herden

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.), Dysphagie-Fachtherapeutin. Schwerpunkte: neurologische Störungsbilder, Wachkoma, TK-Management, Aphasie …
mehr über Janice HerdenGeht das wieder weg?
Auf diese Frage gibt es keine Antwort für alle, weil die Ursache alles bestimmt. Redlich lässt sie sich nur getrennt beantworten.
Nach einem einmaligen Ereignis wie einem Schlaganfall oder einem Schädel-Hirn-Trauma bessert sich vieles von allein, am stärksten in den ersten Wochen und Monaten. Behandlung baut auf dieser Erholung auf, statt gegen etwas anzuarbeiten, und deshalb ist ein früher Beginn hier so viel wert. Wie weit es geht, lässt sich am Anfang nicht seriös vorhersagen; wer nach vier Wochen eine Prozentzahl nennt, rät.
Bei fortschreitenden Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multipler Sklerose oder ALS verschiebt sich das Ziel. Es geht dann darum, die Verständlichkeit so lange wie möglich zu halten, Strategien früh einzuüben, solange sie noch leicht zu lernen sind, und rechtzeitig zu klären, was danach kommt. Das klingt weniger ambitioniert und ist es nicht: Verlangsamter Abbau ist bei diesen Bildern der Erfolg.
Ein Sonderfall verdient Erwähnung, weil er gut untersucht ist. Bei Parkinson wirkt ein Programm, das ausschließlich an der Lautstärke ansetzt, nach dem Prinzip, dass Betroffene ihre eigene Stimme systematisch zu laut einschätzen. Mehr dazu unter LSVT LOUD, kurz erklärt unter LSVT, und wer bei uns dafür ausgebildet ist, steht in der LSVT-Therapeutenliste.
Und unabhängig von der Ursache gilt: Was sich zuverlässig verbessern lässt, ist die Verständlichkeit im Alltag, auch wenn die Sprechbewegung selbst gleich bleibt. Tempo, Pausen, Lautstärke und die Wahl der Situation ändern mehr, als die meisten erwarten.
Was zu Hause wirkt und was nicht
Nach Übungen für zu Hause wird viel gesucht, und ein großer Teil dessen, was man findet, ist Mundmotorik ohne Sprechen: Zunge herausstrecken, Backen aufblasen, mit einem Strohhalm hantieren.
Wir setzen das kaum ein, und der Grund ist einfach. Das Sprechen ist eine hoch koordinierte Bewegungsfolge mit einem Ziel, und Kraftübungen für einzelne Muskeln übertragen sich schlecht darauf. Was sich überträgt, ist Üben am Sprechen selbst: Silben, Wörter, Sätze, Vorlesen, Erzählen, jeweils mit der Anpassung, die zu Ihrer Form gehört.
Was Sie selbst tun müssen, kostet pro Tag wenige Minuten. Sprechen Sie täglich laut, nicht nur beim Üben, denn ein System, das den ganzen Tag flüstert, stellt sich darauf ein. Lesen Sie einen Absatz laut vor und nehmen Sie ihn einmal pro Woche auf; im Vergleich über Monate hören Sie Veränderungen, die im Alltag untergehen. Und suchen Sie sich eine Situation pro Tag, in der es zählt, ein Telefonat oder eine Bestellung, weil Übung ohne Ernstfall nicht in den Alltag durchschlägt.
Die Übungen aus der Therapieseite, geordnet nach Funktionskreis, stehen unter Welche Dysarthrie-Übungen gibt es?.
Für Angehörige: das Gespräch retten
Der größte Teil des Leidens entsteht nicht an der Aussprache, sondern an den Gesprächen, die deswegen nicht mehr stattfinden. Ein paar Gewohnheiten drehen das um, und sie kosten nichts.
Beenden Sie keine Sätze. Auch wenn Sie wissen, was kommt, und auch wenn es schneller ginge. Wer regelmäßig übernommen wird, hört auf anzufangen.
Sagen Sie ehrlich, wenn Sie etwas nicht verstanden haben, und sagen Sie welchen Teil. „Ich habe alles außer dem letzten Wort verstanden" hilft, „Wie bitte?" zum dritten Mal nicht. Nicken, obwohl Sie nichts verstanden haben, fällt fast immer auf und beschädigt mehr, als es rettet.
Sorgen Sie für die Umstände. Fernseher aus, Radio aus, gegenübersitzen statt nebeneinander, Licht auf dem Gesicht. Verständlichkeit hängt bei diesem Bild stark an der Umgebung, und ein Restaurant am Freitagabend ist die härteste Prüfung, die es gibt.
Und planen Sie die anstrengenden Gespräche in die gute Tageszeit. Bei fast allen Betroffenen gibt es eine, meistens vormittags, und bei Parkinson hängt sie zusätzlich am Medikamentenrhythmus.
Beratung und Termin
Die Verordnung kommt aus der neurologischen Praxis, ersatzweise von der Hausärztin. Der Anruf lohnt sich aber schon vor der Entlassung aus Klinik oder Reha, weil wir dann den Anschlusstermin einplanen können und die ergiebigen ersten Wochen nicht in einer Wartezeit verstreichen. Für diesen Vorlauf genügt ein kurzer Anruf bei 0511 65580773, schriftlich läuft es über anmeldung@bona-lingua.de.
Bringen Sie zum ersten Termin den Arztbrief mit, die Medikamentenliste und, falls vorhanden, eine ältere Sprachaufnahme. Wenn der Weg zu uns schwierig ist, sprechen Sie das gleich an; für einen Teil der Fälle ist eine Behandlung zu Hause verordnungsfähig, siehe Hausbesuche, und vieles lässt sich per Bildschirm machen, siehe Onlinetherapie und Teletherapie. Und falls jemand Sie fahren muss, hilft die Übersicht mit allen sieben Adressen und Öffnungszeiten unter Ihre Praxen für Logopädie in Hannover bei der Planung.






