Essstörung bei Kindern

Essstörung bei Kindern bedeutet zwei völlig verschiedene Dinge, je nachdem, wie alt das Kind ist und was hinter der Verweigerung steckt. Der eine Weg führt in die Logopädie, der andere in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, und Eltern landen mit ihrer Suche regelmäßig beim falschen Fach. Diese Seite sortiert das: Sie klärt, welche Essprobleme wir behandeln, woran Sie erkennen, ob Sie bei uns richtig sind, und wohin Sie sich sonst wenden. Wer schon weiß, dass es um einen wählerischen Esser geht, ist unter Picky Eater genauer aufgehoben, wer ein Baby oder Kleinkind mit Trink- und Essproblemen hat, unter Kindliche Fütterstörungen.

Welche Essstörung gemeint ist

Wer bei einer Suchmaschine "Essstörung Kinder" eingibt, bekommt fast ausschließlich Magersucht, Bulimie und Essanfälle angezeigt. Das sind psychische Erkrankungen, sie treten meistens ab dem Schulalter und vor allem in der Pubertät auf, und sie haben ihren Kern im Körperbild und im Umgang mit Gewicht. Behandelt werden sie von Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und spezialisierten Kliniken. Logopädie hat dort keine Aufgabe, und wir sagen das lieber deutlich, als jemanden einen Termin lang in die Irre laufen zu lassen. Wenn Sie diesen Verdacht haben, sprechen Sie mit der Kinderarztpraxis; sie kennt die Anlaufstellen vor Ort.

Der andere Weg beginnt viel früher und sieht ganz anders aus. Hier isst ein Kind zu wenig oder zu einseitig, ohne dass es um Figur oder Gewicht ginge. Es lehnt Konsistenzen ab, würgt bei Stückigem, bleibt beim Brei, verträgt bestimmte Gerüche nicht, isst dieselben fünf Lebensmittel und sonst nichts. Diese Kinder sind meistens jünger als sechs Jahre, und darum kümmern wir uns. Fachlich läuft das unter Fütterstörung und sensorischer Nahrungsverweigerung, im Katalog der Weltgesundheitsorganisation unter F98.2.

Die Sechs-Jahres-Grenze ist dabei eine Orientierung und keine Mauer. Wir sehen durchaus Schulkinder, die nie gelernt haben, feste Nahrung zu bewältigen, oder die nach einem Verschlucken das Essen meiden. Wenn die Ursache im Mund und in der Wahrnehmung liegt, sind wir zuständig, unabhängig vom Geburtsdatum. Geht es dagegen um Gewicht und Aussehen, sind wir es nicht, auch bei einem Fünfjährigen nicht.

Wann Wählerischkeit dazugehört

Fast alle Kinder werden irgendwann zwischen dem zweiten und dem sechsten Geburtstag wählerisch. Diese Phase trägt einen eigenen Namen, Nahrungsangst gegenüber Unbekanntem, und sie hat einen erkennbaren Sinn: Ein Kleinkind, das gerade laufen gelernt hat, soll eben nicht alles in den Mund stecken, was es findet. Ein Erziehungsproblem steckt dahinter jedenfalls nicht.

Diese Phase erkennen Sie daran, dass sie sich bewegt. Ein Lebensmittel fliegt raus, ein anderes kommt dazu, nach ein paar Monaten sieht die Liste anders aus. Das Kind isst bei Oma anders als zu Hause, im Kindergarten anders als am Wochenende. Es nimmt zu, wächst normal, hat Energie.

Genauer hinsehen sollten Sie, wenn mehreres davon zutrifft:

  • Die Liste der akzeptierten Lebensmittel wird immer kürzer, und es kommt nichts Neues nach.
  • Ganze Konsistenzen fallen weg, etwa alles Stückige oder alles Weiche, unabhängig vom Geschmack.
  • Ihr Kind würgt oder erbricht regelmäßig beim Essen, auch bei Dingen, die es kennt.
  • Eine Mahlzeit dauert länger als eine Dreiviertelstunde, und das ist die Regel und nicht die Ausnahme.
  • Es isst außerhalb der eigenen vier Wände praktisch gar nichts, sodass Kindergeburtstage und Kita-Essen zum Problem werden.
  • Die Gewichtskurve im U-Heft knickt ab oder flacht über Monate ab.
  • Die Mahlzeiten bestimmen die Stimmung der ganzen Familie.

Vier Wochen sind der grobe Anhaltspunkt, ab dem sich ein Blick von außen lohnt. Die ausführliche Merkmalsliste steht unter Fütterstörung, und wie sich das von einer echten Schluckstörung unterscheidet, erklärt unsere Seite zur kindlichen Dysphagie.

Was der Mund damit zu tun hat

Der Teil, den Elternratgeber fast immer auslassen, ist der handwerkliche. Essen ist eine der schwierigsten Bewegungsfolgen, die ein kleiner Mensch lernt, und sie muss geübt werden wie Laufen.

Kauen zum Beispiel entsteht nicht von allein. Es braucht eine Zunge, die Nahrung seitlich zu den Zähnen schiebt und wieder zurückholt, einen Kiefer, der mahlt statt nur auf und ab zu gehen, und Wangen, die dagegenhalten. Wenn ein Kind diesen Schritt überspringt, weil es lange bei Brei geblieben ist oder wegen einer Erkrankung nicht üben konnte, bleibt Stückiges eine Zumutung. Es spuckt dann nicht aus Trotz aus, sondern weil es nichts damit anfangen kann.

Dazu kommt die Wahrnehmung im Mund. Manche Kinder spüren dort zu viel, sodass ein Krümel wie ein Stein wirkt und der Würgereiz sehr weit vorn ausgelöst wird. Andere spüren zu wenig und merken kaum, wo das Essen liegt. Beides führt zu Vermeidung, sieht von außen gleich aus und braucht in der Behandlung genau das Gegenteil voneinander.

Und dann gibt es die Fälle, in denen etwas Konkretes passiert ist. Ein Verschlucken mit heftigem Husten, eine schmerzhafte Untersuchung, eine lange Zeit mit Sonde. Kinder verknüpfen so etwas schnell und dauerhaft. Was wir dann behandeln, ist weniger die Muskulatur als die Erwartung, dass Essen wehtut.

Diese Unterscheidung ist der eigentliche Grund für eine Befundung. Wir schauen uns an, wie Ihr Kind isst, nicht nur was es isst, und prüfen Wahrnehmung, Kaubewegung und Ablauf. Den Ablauf einer Befundung samt der Frage, welche Hilfsmittel dabei zum Einsatz kommen, beschreibt der Abschnitt zur Therapie bei wählerischen Essern.

Wer bei uns kindliche Essprobleme behandelt

Für diesen Bereich braucht es Erfahrung mit Säuglingen und Kleinkindern und die Geduld, in sehr kleinen Schritten vorzugehen. Unten stehen die Kolleginnen unserer Praxen mit diesem Schwerpunkt; die passenden Namenslisten gibt es zusätzlich unter Therapeuten für Picky Eater und unter Fachtherapeut kindliche Dysphagie.

Was am Esstisch hilft und was schadet

Bevor überhaupt eine Therapie beginnt, lässt sich zu Hause etwas ändern, und in leichten Fällen reicht das aus.

Was wir immer empfehlen: feste Zeiten mit Abstand dazwischen. Ein Kind, das alle neunzig Minuten etwas bekommt, kommt nie mit Hunger an den Tisch, und Hunger ist der beste Verbündete, den Sie haben. Zwischen zwei Mahlzeiten sollten mindestens zweieinhalb bis drei Stunden liegen, in denen es Wasser gibt und sonst nichts. Milch und Saft zählen dabei als Mahlzeit, nicht als Getränk.

Gegessen wird gemeinsam, am selben Tisch, ohne Bildschirm und ohne Spielzeug. Ihr Kind lernt Essen zu einem großen Teil durch Zuschauen, und es braucht dafür jemanden, der dasselbe isst und dabei entspannt aussieht.

Neues legen Sie dazu, ohne es anzubieten. Ein kleiner Löffel von etwas Unbekanntem auf den Tellerrand, neben das Vertraute, ohne Kommentar. Kinder mit Nahrungsangst brauchen viele Begegnungen mit einem Lebensmittel, bevor sie es probieren, und jede davon zählt: ansehen, anfassen, daran riechen, es der Katze zeigen. Der Probierbissen steht am Ende dieser Reihe und nicht am Anfang.

Was schadet, ist ebenso klar, und es ist genau das, wozu Erschöpfung verleitet. Nachdruck jeder Art, vom Zureden bis zum Löffel am Mund. Belohnungen für Bissen, weil sie das Essen zur Leistung machen und der Effekt verschwindet, sobald die Belohnung wegfällt. Die Regel, dass noch drei Bissen gehen müssen. Das Nachkochen des Lieblingsgerichts, wenn nichts gegessen wurde, weil das Kind daraus zuverlässig lernt, dass Warten sich lohnt. Und Kommentare über den Teller des Kindes, egal ob lobend oder tadelnd.

Die Aufgabenteilung, die dahintersteckt, ist ein einziger Satz und trotzdem schwer durchzuhalten: Sie entscheiden, was auf den Tisch kommt, wann und wo. Ihr Kind entscheidet, ob und wie viel davon. Wer diese Grenze hält, nimmt den Druck aus der Mahlzeit, und meistens ist das der Punkt, an dem sich zuerst etwas bewegt.

Wann etwas anderes vorgeht

Es gibt Situationen, in denen eine logopädische Befundung warten muss, weil zuerst medizinisch geklärt werden sollte, was los ist.

Gehen Sie in die Kinderarztpraxis, wenn Ihr Kind an Gewicht verliert oder über Monate nicht zunimmt, wenn es deutlich weniger trinkt und Anzeichen von Austrocknung zeigt, wenn es bei jeder Mahlzeit erbricht oder wenn es beim Essen und Trinken hustet und danach verschleimt oder feucht klingt. Der letzte Punkt ist der wichtigste, denn er weist auf Verschlucken in die Luftröhre hin, und daraus können Lungenentzündungen entstehen. Warum es dann schnell gehen muss, haben wir auf der Seite zur kindlichen Dysphagie beschrieben.

Ebenfalls ärztlich abzuklären sind wiederkehrende Bauchschmerzen, Reflux und Verstopfung. Ein Kind, dem das Essen regelmäßig wehtut, hört auf zu essen, und dagegen kommt keine Therapie an, solange die Ursache besteht.

Ein eigener Fall sind Kinder, die über eine Sonde ernährt werden. Ihnen fehlt das Hungergefühl, weil sie es nie aufbauen konnten, und der Weg zurück zum Essen läuft deshalb anders; beschrieben ist er unter PEG-Entwöhnung bei Kindern.

Und wenn ein älteres Kind anfängt, Mahlzeiten heimlich ausfallen zu lassen, sich mit dem eigenen Körper zu beschäftigen oder nach dem Essen zu verschwinden, gehört das in die Hände der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Auch hier gilt: lieber einmal zu früh gefragt.

Beratung und Termin

Wenn Sie unsicher sind, welcher der beiden Wege der Ihre ist, rufen Sie an. Unter 0511 65580773 sortieren wir das in ein paar Minuten mit Ihnen, schriftlich geht es an anmeldung@bona-lingua.de. Nennen Sie dabei das Alter Ihres Kindes, seit wann es besteht und was genau abgelehnt wird, also einzelne Lebensmittel oder ganze Konsistenzen. Aus diesen Angaben lässt sich meistens schon sagen, ob Sie bei uns richtig sind, und wenn nicht, sagen wir Ihnen das ohne Umschweife.

Wir bieten für diesen Bereich ein kostenloses Beratungsgespräch an, das keine Verordnung voraussetzt. Bringen Sie das U-Heft mit, weil die Gewichts- und Längenkurve mehr sagt als jede Erzählung, dazu vorhandene Befunde. Nützlich ist außerdem eine kurze Handyaufnahme einer gewöhnlichen Mahlzeit zu Hause, denn in der Praxis verhalten sich Kinder anders, und wir sehen darin Dinge, die beim Erzählen untergehen. Die Verordnung stellt anschließend die Kinderarztpraxis aus; für Kinder unter achtzehn fällt keine Zuzahlung an.

Termine für Kleinkinder legen wir bevorzugt in den Vormittag, weil dort die Aufnahmebereitschaft am größten ist, und bei Säuglingen behandeln wir häufig zu Hause, wo die Mahlzeit ohnehin stattfindet, siehe Hausbesuche. Falls Sie mit Kinderwagen oder Geschwisterkind unterwegs sind, lohnt vorab ein Blick in die Übersicht Ihre Praxen für Logopädie in Hannover, denn zwischen unseren sieben Standorten liegen mitunter zwanzig Minuten Fahrt, und bei einer Behandlung über Monate summiert sich das.

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