Schluckstörungen bei Kindern
Wer sich nach kindlichen Schluckstörungen umsieht, landet in einem Begriffsdickicht: Dysphagie, Fütterstörung, Essstörung, orofaziale Störung, viszerales Schluckmuster. Diese Seite hilft beim Sortieren. Sie zieht zuerst die Linie zwischen dem Verschlucken, das jedes Kind kennt, und den Zeichen, bei denen wir nicht abwarten, und führt danach zu der Seite, die zu Ihrer Beobachtung passt. Woran sich die Begriffe fachlich unterscheiden, ist auf Fütterstörung nachzulesen; die Anzeichen und Ursachen im Säuglings- und Kleinkindalter stehen unter Dysphagie: Ess-, Fütter-, Schluckstörungen.
Wie oft Verschlucken normal ist
Jedes Kind verschluckt sich. Beim Lachen mit vollem Mund, beim ersten Becher ohne Schnabel, beim Trinken im Laufen. Ein kräftiger Huster, rote Wangen, ein Schluck Luft, weiter geht es: Genau so soll es sein, denn der Hustenstoß ist die Schutzfunktion, und sie hat gerade funktioniert.
Auffällig wird es an der Wiederholung. Wir hören genauer hin, wenn es bei jeder Mahlzeit passiert, wenn es immer dieselbe Konsistenz trifft, wenn dünne Flüssigkeiten deutlich schlechter gehen als Brei, oder wenn ein Kind sich Tag für Tag bei denselben Bissen verschluckt und sonst nie.
Eine Häufigkeitsgrenze, ab der es kippt, gibt es nicht, und zwei Kinder mit gleich vielen Hustern am Tag können dafür völlig verschiedene Gründe haben. Brauchbarer ist eine andere Frage: Hat sich etwas verändert, das vorher funktioniert hat? Ein Kind, das mit sieben Monaten sauber vom Löffel isst und mit einem Jahr wieder ständig hustet, gehört angesehen, auch bei ansonsten guter Entwicklung.
Und dann gibt es den Fall, in dem gar nichts zu hören ist. Bei manchen Kindern gelangt Nahrung in die Atemwege, ohne dass ein Hustenreiz kommt, weil die Sensibilität im Kehlkopfbereich herabgesetzt ist. Der Satz "es hustet doch gar nicht" beruhigt uns deshalb weniger als Eltern erwarten. Der Fachbegriff für das Störungsbild dahinter steht unter Dysphagie.
Die Zeichen, bei denen wir nicht abwarten
Bei diesen Beobachtungen sollten Sie zeitnah einen Termin in der Kinderarztpraxis machen, unabhängig davon, wie fit Ihr Kind sonst wirkt:
- Die Stimme klingt nach dem Trinken feucht oder gurgelig und wird erst nach Räuspern wieder klar.
- Der Husten kommt verspätet, Minuten nach dem Schluck, manchmal erst beim Hinlegen.
- Mahlzeiten dauern regelmäßig länger als eine halbe Stunde oder enden im Streit.
- Es gab wiederholt eine Lungenentzündung oder unklares Fieber.
- Das Gewicht wächst nicht mit, oder Ihr Kind nimmt ab.
- Nahrung oder Speichel laufen aus dem Mund oder kommen aus der Nase zurück.
- Ihr Kind lehnt eine ganze Konsistenz ab, trinkt kaum oder verweigert das Essen zunehmend.
Sofort in die Notaufnahme oder über 112 gehören Atemnot, blaue Lippen, ein steckengebliebenes Stück und anhaltendes Würgen. Eine logopädische Praxis ist dafür der falsche Ort, und das gilt auch, wenn Sie längst bei uns in Behandlung sind.
Der Weg führt aus einem sachlichen Grund zuerst über die Kinderarztpraxis: Wir brauchen eine Verordnung, und vorher muss geklärt sein, ob etwas Organisches dahintersteckt. Reflux, eine Fehlbildung im Mund- oder Rachenraum, eine neurologische Erkrankung oder eine Erkrankung der Speiseröhre verändern die Behandlung von Grund auf. Warum das keine Zeit hat, ist unter dem Abschnitt zur Dringlichkeit erklärt.
Wer bei uns kindliches Verschlucken abklärt
Es folgen die Kolleginnen und Kollegen, denen dieses Schlagwort zugeordnet ist. Bei einem Säugling oder einem mehrfach beeinträchtigten Kind fragen Sie in der Anmeldung bitte ausdrücklich nach einer Fachtherapeutin für kindliche Dysphagie, das ist eine zusätzliche Qualifikation über die Ausbildung hinaus; wer sie hat, steht gesammelt unter Fachtherapeut Kindliche Dysphagie.
Marie Schütte

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Stimmstörungen, neurologische Krankheitsbilder …
mehr über Marie SchütteMarion Koch

Dipl.-Heilpädagogin. Schwerpunkte: Sprachanbahnung bei Kindern, LKGS, AWVS, Schluckstörungen, Kindersprache, Aphasien, Dysphagien …
mehr über Marion KochWelches Wort welches Problem meint
Hier richtig abzubiegen lohnt sich, weil Diagnostik und Behandlung je nach Bild weit auseinanderliegen.
- Ihr Kind kann nicht sicher schlucken, Nahrung nimmt den falschen Weg: Das ist die kindliche Dysphagie, und wie eine Behandlung dazu abläuft, steht unter Schlucktherapie bei Kindern.
- Ihr Kind könnte schlucken, will aber nicht, und lehnt bestimmte Konsistenzen oder Geschmäcker ab: Das ist eine Fütterstörung, ausführlich unter Kindliche Fütterstörungen.
- Die Liste akzeptierter Lebensmittel ist sehr kurz geworden, Stückiges löst Würgen aus, am Tisch geht es um Macht: Essstörung bei Kindern und, wenn es vor allem um Auswahl geht, Picky Eater.
- Es läuft eine Sonde, und Sie möchten wissen, wie Ihr Kind davon wieder wegkommt: Sondenentwöhnung bei Kindern.
Für eine Schluckstörung gehalten wird dabei regelmäßig etwas, das keine ist. Wenn ein älteres Kind aus Angst nicht mehr schluckt, meist nach einem Erstickungserlebnis, ist der Schluckvorgang selbst in Ordnung und die Behandlung eine andere: Psychogene Schluckstörung, und für die reine Angstform Phagophobie. Und wenn beim Kieferorthopäden aufgefallen ist, dass die Zunge beim Schlucken gegen die Zähne drückt, geht es nicht um Sicherheit beim Essen, sondern um ein Bewegungsmuster, siehe Viszerales Schluckmuster bei Kindern.
Bei Erwachsenen ist die Ausgangslage eine andere, weil dort meist eine Funktion verloren geht, die vorher da war. Dafür gibt es eine eigene Seite: Schluckstörung / Dysphagie.
Was vor dem ersten Termin hilft
Machen Sie ein Handyvideo von einer ganz normalen Mahlzeit, ohne etwas anders zu machen als sonst. Eine Minute davon sagt uns mehr als zwanzig Minuten Erzählen, weil wir Haltung, Tempo, Atmung und Stimme nach dem Schluck sehen und hören können. Was auf dem Video passiert, bleibt bei uns.
Notieren Sie über drei Tage, was Ihr Kind bekommen hat, wie lange es gedauert hat und was dabei aufgefallen ist. Dieses Protokoll ist unspektakulär und der nützlichste Zettel, den Sie mitbringen können, weil sich Muster darin zeigen, die im Alltag untergehen.
Zum Termin gehören außerdem das gelbe Heft mit den Vorsorgeuntersuchungen und alle Berichte, die Sie haben: Klinik, Sozialpädiatrisches Zentrum, HNO, Kinderarztpraxis. Wenn eine apparative Untersuchung des Schluckvorgangs nötig ist, läuft die in der Klinik und nicht bei uns; wir sagen Ihnen, wann wir sie für sinnvoll halten, und schreiben es der verordnenden Praxis.
Anmeldung und Beratung
Sie dürfen sich melden, solange Sie noch gar nicht wissen, ob es überhaupt eines von diesen Bildern ist, und beim Thema Essen ist das der häufigste Anlass für einen Anruf bei uns: Unter 0511 65580773 nimmt die Anmeldung ab und sortiert mit Ihnen, wonach es klingt, per Mail geht es an anmeldung@bona-lingua.de, und wenn sich daraus ergibt, dass ein anderes Fach zuerst dran ist, sagen wir Ihnen das auch.
Sagen Sie im Gespräch bitte das Alter, seit wann es auffällt, ob es sich verändert hat und wie das Gewicht sich entwickelt. Bei Säuglingen kommt dazu, ob gestillt wird oder die Flasche kommt und wie lange eine Mahlzeit dauert. Wartezeiten unterscheiden sich zwischen unseren Häusern stark, weshalb eine Anfrage für mehrere Standorte schneller zum Termin führt; die Adressen finden Sie über die Übersicht Ihre Praxen für Logopädie in Hannover.
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- Die Unterschiede zwischen Schluck-, Fütter- und orofazialer Störung
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