Schlucktherapie Kinder

Sie haben einen Termin für eine Schlucktherapie und wissen nicht, was da eigentlich passiert. Genau darum geht es hier: wie eine Stunde bei uns abläuft, was Sie mitbringen sollten, was zwischen den Terminen zu Hause zu tun ist und woran Sie merken, dass sich etwas bewegt. Woran Sie eine Schluckstörung bei Ihrem Kind überhaupt erkennen, welche Ursachen dahinterstecken und warum schnelles Handeln zählt, steht ausführlich auf unserer Seite Dysphagie bei Kindern. Wenn Sie noch gar nicht sicher sind, ob es eine Schluckstörung ist oder eher eine Fütter- oder Essstörung, sortiert Schluckstörungen bei Kindern die Begriffe und führt weiter.

Was in einer Stunde passiert

Bringen Sie bitte mit, was Ihr Kind tatsächlich isst und trinkt. Die eigene Flasche, den eigenen Becher, den Brei in der gewohnten Konsistenz, das Brot, das zu Hause auf dem Tisch steht. Wir schauen uns eine echte Mahlzeit an, nicht eine nachgestellte.

Diese Beobachtung ist der eigentliche Kern des ersten Termins, und sie dauert länger, als die meisten erwarten. Wir sehen zu, wie Ihr Kind sitzt, wie es den Kopf hält, wie viel es auf einmal nimmt, wie schnell es nachschiebt, wo es hustet, ob es sich am Ende der Mahlzeit anders verhält als am Anfang. Vorher tasten wir uns durch den Mundraum: Wie reagiert das Kind auf Berührung an Lippen, Wangen, Zunge und Gaumen, wie kräftig ist die Muskulatur, wie steht der Kiefer. Danach steht meistens fest, an welcher Stelle es hakt.

In den Stunden danach greifen wir an mehreren Stellen zugleich an, weil sie sich gegenseitig bedingen.

Die Haltung ist der Anfang. Ein Kind, das mit durchgedrücktem Nacken oder ohne festen Boden unter den Füßen isst, schluckt schlechter. Eine veränderte Sitzposition bringt bei manchen die halbe Verbesserung, bevor überhaupt geübt wurde.

Dann die Empfindlichkeit im Mund. Manche Kinder ertragen kaum eine Berührung und weichen jedem Löffel aus, andere spüren zu wenig und merken gar nicht, dass noch etwas im Mund liegt. Beides lässt sich Schritt für Schritt verändern, mit Berührung, mit Temperatur, mit Geschmack, und immer im Tempo des Kindes.

Bei der Nahrung selbst gehen wir bewusst dorthin zurück, wo es sicher klappt, und bauen von da aus wieder auf: erst die Konsistenz, die zuverlässig gelingt, dann die nächste, dann größere Portionen, dann das Tempo. Diese Reihenfolge einzuhalten, ist der Unterschied zwischen Fortschritt und ständigen Rückschlägen. Bei älteren Kindern kommen bewusste Schlucktechniken dazu, die sie selbst anwenden können, bei den Kleinen läuft alles über Spiel und über Sie.

Isolierte Kraftübungen für die Zunge, ohne dass etwas im Mund ist, setzen wir nicht ein. Der ganze Ablauf sieht anders aus, sobald tatsächlich Nahrung im Spiel ist, und darauf kommt es an.

Zwischen den Terminen

Wir sehen Ihr Kind ein- bis zweimal in der Woche für fünfundvierzig Minuten. Gegessen wird zu Hause fünfzehnmal in derselben Zeit. Wo die Behandlung tatsächlich stattfindet, ist damit klar.

Deshalb geben wir Ihnen nach den ersten Terminen selten Übungsblätter mit, sondern verändern etwas an der Mahlzeit selbst: die Sitzposition, die Größe des Löffels, wie viel Zeit zwischen zwei Bissen liegt, wie ruhig es am Tisch ist, ob nebenbei ein Bildschirm läuft. Solche Änderungen kosten keine zusätzliche Zeit im Tagesablauf, und genau deshalb halten Familien sie durch.

Nützlich ist außerdem eine kurze Videoaufnahme vom Essen zu Hause, aufgenommen an einem gewöhnlichen Tag. In der Praxis verhalten sich Kinder anders, und ein Handyvideo zeigt uns in zwei Minuten, was in einer Beschreibung untergeht. Viele Eltern führen zusätzlich eine kleine Liste mit, was in der Woche gut lief und was nicht; daraus wird beim nächsten Termin die Reihenfolge für die kommenden Wochen.

Ein Punkt, der Familien oft entlastet: Sie müssen nicht bei jeder Mahlzeit Therapeutin sein. Eine geübte Mahlzeit am Tag reicht, der Rest darf einfach Essen sein.

Das größere Kind

Die meisten Texte zu diesem Thema handeln von Säuglingen. Bei uns sitzen aber auch Achtjährige, Zehnjährige und Jugendliche, und ihre Geschichte klingt anders.

Meistens erzählen die Eltern, dass sich das Kind ständig verschluckt, beim Trinken, beim Lachen, bei allem, was krümelt. Dass es sich beim Essen dauernd räuspert. Dass eine Mahlzeit ewig dauert und der Teller trotzdem halb voll bleibt. Manchmal geht es auch andersherum los: Nach einem einzigen heftigen Verschlucken traut sich ein Kind an bestimmte Speisen nicht mehr heran, und die Liste des Vermiedenen wächst über Monate.

Die Ursachen sind in diesem Alter andere als beim Baby. Häufig steckt eine Zungenlage dahinter, die beim Schlucken nach vorn gegen die Zähne drückt, nachzulesen unter viszerales Schluckmuster; oft fällt das zuerst in der kieferorthopädischen Praxis auf. Auch ein dauerhaft offener Mund durch behinderte Nasenatmung gehört dazu, siehe Näseln bei Kindern. Bei Kindern mit einer neurologischen Grunderkrankung ist das Schlucken ohnehin Teil des Gesamtbildes. Und wenn nach gründlicher Untersuchung körperlich alles in Ordnung ist, die Angst vor dem Schlucken aber bleibt, geht es in eine andere Richtung, beschrieben unter Phagophobie und Schluckangst.

Was in diesem Alter hilft, ist, dass das Kind selbst versteht, was passiert. Wir erklären den Schluckvorgang mit Bildern, lassen es an der eigenen Kehle fühlen, wie sich der Kehlkopf hebt, und geben ihm etwas an die Hand, das es im Klassenzimmer anwenden kann, ohne dass jemand etwas merkt.

Wer bei uns Kinder mit Schluckstörungen behandelt

Für dieses Feld braucht es eine besondere Zusatzqualifikation, und nicht jede Praxis hat sie im Haus. Unsere Fachtherapeutinnen und Fachtherapeuten für kindliche Dysphagie finden Sie in der Übersicht Fachtherapeut Kindliche Dysphagie, die Namen mit ihren Standorten stehen direkt hier darunter.

Dauer und erste Zeichen

Auf die Frage nach der Dauer gibt es keine ehrliche Antwort in Wochen. Sie hängt daran, was die Störung verursacht hat, wie alt Ihr Kind ist und wie viel sich im Alltag umstellen lässt. Bei einer Umstellung, die vor allem Gewohnheit betrifft, reden wir über Monate. Bei einer neurologischen Grunderkrankung begleiten wir Kinder oft über Jahre, mit Pausen dazwischen.

Woran Sie früh merken, dass es läuft, sind kleine Dinge, und keines davon steht auf dem Rezept: Die Mahlzeit wird kürzer. Das Kind hustet seltener. Es probiert von sich aus etwas, das vorher nicht in Frage kam. Es setzt sich wieder mit an den Tisch, statt die Situation zu meiden. Solche Beobachtungen sind uns wichtiger als jede Übung, die sauber gelingt, weil sie zeigen, dass das Gelernte den Weg aus dem Therapieraum gefunden hat.

Und ja, es gibt Kinder, bei denen wir nicht zu einem normalen Schlucken kommen. Dann geht es darum, dass Essen sicher bleibt und trotzdem etwas von seiner Freude behält, und auch das ist ein Ergebnis.

Wer sonst mitredet

Kindliche Schluckstörungen bleiben selten in einer Hand.

Die Verordnung kommt aus der kinderärztlichen oder einer fachärztlichen Praxis, und dort läuft auch alles zusammen, was Gewicht und Wachstum betrifft. Steht der Verdacht im Raum, dass etwas in die Luftwege gerät, gehört eine Untersuchung mit der Kamera dazu, entweder in der HNO-Praxis oder in einer Klinik; das können wir nicht ersetzen und sagen es deutlich, wenn wir es für nötig halten. Bei Kindern mit Sondenernährung stimmen wir uns eng mit dem Team ab, das die Ernährung steuert.

Daneben arbeiten wir häufig mit der Ergotherapie zusammen, wenn es um Sitzen, Haltung und Wahrnehmung geht, und mit der Kieferorthopädie, wenn Zahnstellung und Zungenlage sich gegenseitig im Weg stehen. Für Erwachsene, bei denen dasselbe Muster fortbesteht, gibt es einen eigenen Weg, siehe viszerales Schluckmuster therapieren.

Rezept und erster Termin

Verordnet wird in der kinderärztlichen Praxis, bei bestimmten Vorgeschichten auch in der HNO oder in der Neuropädiatrie. Auf welcher Grundlage das geschieht, erklärt unsere Übersicht zu Heilmittelrichtlinien und Heilmittelkatalog; das Wort selbst erklärt kurz das Lexikon unter Heilmittelrichtlinie.

Melden dürfen Sie sich auch schon vorher. Unter 0511 65580773 klären wir mit Ihnen, ob eine Schlucktherapie überhaupt das Richtige ist oder ob zuerst eine Untersuchung fehlt, und wer die Vorgeschichte lieber am Stück aufschreibt, erreicht unsere Anmeldung unter anmeldung@bona-lingua.de.

Zum ersten Mal mitbringen sollten Sie neben Essen und Trinken die vorhandenen Arztbriefe, das gelbe Untersuchungsheft mit den Gewichtskurven und, falls vorhanden, das kurze Video vom Essen zu Hause. Ein Kuscheltier oder ein Lieblingsbuch schadet nie: Wir fangen mit Kennenlernen an, nicht mit Untersuchen.

Behandelt wird an sieben Standorten in Hannover und im Umland. Weil bei Schluckthemen zu Beginn oft zwei Termine pro Woche anstehen, lohnt es sich, die Praxis nach dem Weg auszusuchen und nicht nach dem ersten freien Platz; die Übersicht dazu finden Sie unter Praxen für Logopädie in Hannover. Kommt Ihr Kind schlecht aus dem Haus, sprechen Sie uns auf Hausbesuche an.

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