Psychogene Schluckstörung
Wenn der Hals dichtmacht und sämtliche Untersuchungen nichts finden, lautet die nächste Frage selten noch "was ist das", sondern "wer macht jetzt was". Hier steht, wie die logopädische Behandlung einer psychogenen Schluckstörung abläuft, warum sie fast das Gegenteil von dem verlangt, was nach einem Schlaganfall richtig wäre, was Sie weiterhin essen dürfen und wer bei uns damit arbeitet. Was eine psychogene Dysphagie überhaupt ist, woran Sie sie erkennen und welche Untersuchungen vorher gehören, haben wir im Beitrag zur psychogenen Dysphagie ausführlich beschrieben.
Warum diese Behandlung anders läuft
Die meisten Menschen, die wegen einer Schluckstörung zu uns kommen, haben einen Schaden am Nervensystem. Nach einem Schlaganfall, bei Parkinson, bei einer fortschreitenden Erkrankung. Dort ist etwas kaputt, das wieder aufgebaut oder umgangen werden muss, und die Behandlung besteht folgerichtig aus Kräftigung, aus Haltungsänderungen und aus einer Kost, die das Verschlucken erschwert. Nachzulesen ist dieser Weg unter neurogene Dysphagie.
Bei Ihnen ist nichts kaputt. Der Schluckapparat arbeitet, der Hustenreflex sitzt, im Schlaf schlucken Sie mehrere hundert Mal, ohne dass es je hakt. Genau deshalb wäre dasselbe Vorgehen hier ein Fehler.
Denn jede Sicherungsmaßnahme sagt zugleich etwas aus. Wer andickt, püriert, in kleinen Löffeln füttert und beim Schlucken das Kinn zur Brust nimmt, bekommt bei jeder Mahlzeit die Botschaft: Das hier ist gefährlich, du brauchst Schutz. Bei einer neurogenen Dysphagie stimmt diese Botschaft und rettet im Zweifel das Leben. Bei einer psychogenen füttert sie die Befürchtung, aus der die Blockade überhaupt entstanden ist. Wir haben Patientinnen erlebt, die nach einem halben Jahr gut gemeinter Schonkost weniger schlucken konnten als zu Beginn, obwohl sich an ihrem Hals nie etwas verändert hatte.
Unsere Arbeit geht deshalb in die andere Richtung. Wir bauen die Sicherungen wieder ab, in einer Reihenfolge und einem Tempo, das Sie mitbestimmen. Das klingt riskanter, als es ist: Voraussetzung dafür bleibt, dass eine Ärztin oder ein Arzt körperliche Ursachen tatsächlich ausgeschlossen hat, und wie das abläuft, steht im Beitrag unter Was zuerst ärztlich abgeklärt wird. Solange dieser Schritt aussteht, halten wir uns an die Vorsicht und warten ab.
Was Sie essen dürfen
Die Frage kommt in fast jeder Erstberatung, oft schon am Telefon: Was darf ich denn jetzt noch essen? Die Antwort fällt kürzer aus, als die meisten erwarten. Alles.
Es gibt bei dieser Form keine Konsistenz, die für Sie gefährlich wäre. Die bekannten Listen mit Nüssen, Reis, faserigem Fleisch, Blattsalat und allem, was Flüssiges und Festes mischt, gelten für Menschen, deren Schluckreflex nicht mehr zuverlässig auslöst. Sie stehen bei uns unter Was darf man bei einer Dysphagie essen, und wer sie ohne diesen Befund befolgt, macht seinen Speiseplan kleiner, ohne etwas zu gewinnen.
Wichtiger ist uns die umgekehrte Liste. Wir bitten Sie deshalb, vor dem ersten Termin aufzuschreiben, was in den vergangenen Monaten weggefallen ist. Meistens beginnt so eine Aufstellung bei Fleisch und Brot, geht über Tabletten, die seither zerteilt oder in Joghurt versenkt werden, und endet bei Gelegenheiten statt Speisen: das Mittagessen in der Kantine, das Familienfest, der Kaffee mit Kuchen bei Bekannten. Aus dieser Liste bauen wir die Reihenfolge für die kommenden Wochen, und sie läuft rückwärts, das zuletzt Aufgegebene kommt zuerst zurück.
Für den Körper macht es allerdings keinen Unterschied, warum zu wenig ankommt. Wer über Wochen kaum feste Nahrung zu sich nimmt, wer abnimmt oder zu wenig trinkt, braucht deshalb zusätzlich eine ärztliche Kontrolle des Gewichts und der Blutwerte, während wir am Schlucken arbeiten. Wie schnell daraus ein eigenes Krankheitsbild wird, ist unter Wie gefährlich ist eine Dysphagie beschrieben.
Was in den Stunden geübt wird
Sie werden bei uns keine Kraftübungen für die Schluckmuskulatur machen. Die Verfahren, die dafür bekannt sind, bauen Muskeln auf, die bei Ihnen nicht geschwächt sind, und kosten nur Zeit und Aufmerksamkeit an einer Stelle, an der beides ohnehin knapp ist.
Erklären steht am Anfang, und es dauert länger, als Sie vermuten. Wir gehen mit Ihnen durch, was beim Schlucken tatsächlich passiert, an welcher Stelle es sich willentlich steuern lässt und ab wann nicht mehr. Woran die meisten hängen bleiben, ist die Rolle der eigenen Aufmerksamkeit, und dazu gehört auch die unbequeme Auskunft, dass willentliche Anstrengung das Schlucken schlechter macht statt besser. Warum das so ist, steht im Beitrag unter Plötzliche Schluckblockade.
Danach arbeiten wir an der Anspannung, die sich im Hals festgesetzt hat. Kiefer, Zungengrund, Mundboden und Schultern hängen zusammen, und bei den meisten sitzt die Atmung zu hoch im Brustkorb. Was über die Atmung erreichbar ist, beschreiben wir unter Atemtherapie; in der Schluckbehandlung geht es uns vor allem darum, dass Sie den Unterschied zwischen angespanntem und lockerem Hals selbst bemerken, ohne in den Spiegel zu sehen.
Geübt wird dann mit echter Nahrung. Wir beginnen mit dem, was noch geht, halten dabei bewusst ein Gespräch am Laufen, damit das Schlucken nebenbei passiert, und steigern erst danach die Anforderung. Für einen guten Tag heißt das vielleicht ein Stück Brot, für einen schlechten ein Schluck Wasser im Sitzen. Beides zählt gleich viel, weil Wiederholung hier mehr bringt als Menge. Dazu üben wir das Verhalten für den Fall, dass doch einmal etwas hakt, bis es sitzt: aufhören, ausspucken, ausatmen, neu ansetzen. Diesen Ablauf abrufbar zu haben, verändert erfahrungsgemäß mehr als jede Übung am Schluckvorgang selbst.
Übungen für zu Hause bekommen Sie von uns bewusst sparsam. Ein Übungsblatt, das dreimal täglich zum Schlucken auffordert, richtet bei diesem Bild mehr Schaden an als gar keines, weil es die Aufmerksamkeit genau dorthin lenkt, wo sie stört.
Wer bei uns psychogene Schluckstörungen behandelt
Gefragt ist hier eine ungewöhnliche Kombination: Dysphagiediagnostik auf der einen Seite, damit die Grenze zur organischen Ursache sicher steht, und auf der anderen die Geduld, Vermeidung schrittweise abzubauen, ohne zu drängen. Unsere Kolleginnen und Kollegen mit diesem Schwerpunkt stehen unten aufgelistet, jeweils mit Standort, Ausbildung und Fortbildungen. Über Therapeutinnen und Therapeuten bei Schluckstörungen und Dysphagie Therapeuten kommen Sie zu weiteren Namen aus demselben Bereich.
Henrike Scholz

staatlich geprüfte Atem-, Sprech- & Stimmlehrerin sowie Bühnenfachdarstellerin im Bereich Musical, begrüßt Sie herzlich in unserer Praxis in der Südstadt
mehr über Henrike ScholzVanessa Gensch

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Dysphonie, neurogene Sprach- und Sprechstörungen …
mehr über Vanessa GenschMarie Schütte

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Stimmstörungen, neurologische Krankheitsbilder …
mehr über Marie SchütteNicole Hoyer Garcia

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.), Muttersprache: Spanisch. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Mehrsprachigkeit, myofunktionelle Störungen …
mehr über Nicole Hoyer GarciaRichard Seelig

Staatlich anerkannter Logopäde B. Sc, Dysphagie-Fachtherapeut. Schwerpunkte: neurologische/degenerative Erkrankungen, Stimm- und Aussprachestörungen, MST, AAP …
mehr über Richard SeeligDaniela Behrendt

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: degenerative neurologische Erkrankungen wie ALS, MS, Chorea Huntington oder Parkinson …
mehr über Daniela BehrendtWas Angehörige merken
Häufig ruft nicht die betroffene Person bei uns an, sondern jemand aus der Familie. Das hat einen Grund: Von außen fällt früher auf, was von innen lange erklärbar bleibt.
Am Tisch sieht das so aus. Die Mahlzeit dauert doppelt so lang wie früher. Es wird auffällig oft nachgetrunken, jeder Bissen bekommt einen Schluck hinterher. Der Teller wird kleiner bestückt, bestimmte Speisen tauchen nicht mehr auf, und für jede gibt es eine Begründung, die für sich genommen plausibel klingt. Einladungen werden abgesagt oder auf einen Kaffee danach verschoben. Manchmal verschwindet jemand während des Essens kurz, um in Ruhe herunterzubekommen, was im Hals steht.
Was davon auf eine Schluckstörung hindeutet und was ärztlich abgeklärt gehört, unterscheidet sich deutlich, und die Unterscheidung ist im Beitrag unter Woran Sie psychisch bedingte Schluckbeschwerden erkennen beschrieben. Ungewollter Gewichtsverlust gehört in beiden Fällen zeitnah in eine Arztpraxis.
Am Tisch bewährt sich eine Haltung, die widersprüchlich klingt: hinsehen, ohne zuzuschauen. Beobachtetes Schlucken misslingt fast immer, deshalb hilft es, das Gespräch weiterlaufen zu lassen und den Blick woanders zu haben. Ansprechen sollten Sie es trotzdem, wenn seit Monaten Mahlzeiten ausfallen; nur eben abends auf dem Sofa und nicht mit dem Teller vor der Nase. Was verlässlich schadet, sind Aufforderungen. "Iss doch mal wieder richtig" und "das ist doch nur der Kopf" erzeugen genau die Anspannung, die den Hals zumacht, und das gilt auch für die freundliche Variante, bei der jemand ungefragt anfängt, alles weich zu kochen.
Gefühle im Hals
Etwas erst einmal schlucken müssen. Einen Kloß im Hals haben. Die Wut hinunterschlucken. Es bleibt einem im Halse stecken. Vor Freude die Kehle eng bekommen. Kaum eine andere Körperstelle hat so viele Redewendungen abbekommen, und das ist kein Zufall der Sprache.
Rachen und Kehlkopf gehören zu den Bereichen, die am unmittelbarsten auf den Zustand des Nervensystems reagieren. Sie teilen sich Muskulatur und Steuerung mit dem Atmen und dem Sprechen, und beides verändert sich messbar, sobald jemand angespannt, traurig oder erschrocken ist. Der Hals meldet also mit, was sonst nirgends sichtbar wird, und Menschen haben das lange vor jeder Diagnostik bemerkt und in Sprache gefasst. Der Fachbegriff für das Enge- oder Kloßgefühl steht im Lexikon unter Globusgefühl, wie die Anspannung anatomisch zustande kommt, im Beitrag unter Wie Stress im Hals ankommt.
Wir erzählen das nicht als Nebenbemerkung. Für viele ist es der Moment, in dem sich etwas löst, weil die eigene Erfahrung plötzlich einen Platz hat, der weder "eingebildet" noch "krank" heißt. Dieselbe Verbindung sehen wir übrigens eine Etage höher: Wenn unter Belastung die Stimme wegbleibt, obwohl der Kehlkopf unauffällig ist, sprechen wir von einer psychogenen Stimmstörung, und beides tritt gelegentlich zusammen auf.
Verordnung und erster Termin
Verordnet wird die Behandlung in der Hausarztpraxis oder in einer Facharztpraxis, meistens HNO, Neurologie oder Gastroenterologie. Was Kassen dabei erstatten und wie viele Einheiten üblicherweise auf einer Verordnung stehen, ist unter Heilmittelrichtlinien und Heilmittelkatalog zusammengefasst, den Begriff selbst erklärt das Lexikon unter Heilmittelrichtlinie.
Rufen Sie ruhig vorher an, auch ohne Rezept in der Hand. Unter 0511 65580773 lässt sich in wenigen Minuten klären, ob das Muster überhaupt zu unserem Fach gehört und welche Untersuchung gegebenenfalls noch fehlt; schriftlich erreichen Sie unsere Anmeldung unter anmeldung@bona-lingua.de, und das ist der bequemere Weg, wenn Sie lieber in Ruhe aufschreiben, was los ist.
Mitbringen sollten Sie zum ersten Termin die vorhandenen Befunde, besonders den HNO-Bericht und alles zur Speiseröhre, dazu die Liste der weggefallenen Speisen und, falls vorhanden, Ihre Gewichtsverläufe der letzten Monate. Nützlich ist außerdem eine Angabe dazu, wann es zuletzt gut ging, denn diese Momente sind der Ansatzpunkt für alles Weitere.
Behandelt wird an sieben Standorten in Hannover und dem Umland, und weil bei diesem Bild die Häufigkeit der Termine mehr bringt als deren Länge, lohnt sich vorab ein Blick auf Ihre Praxen für Logopädie in Hannover, um den kürzesten Weg herauszufinden. Für Zwischentermine und für die Zeit nach der intensiven Phase reicht oft der Bildschirm, siehe Onlinetherapie und Teletherapie. Wo jemand die Wohnung kaum verlässt, weil das Essen in Gesellschaft nicht mehr geht, kommen wir auch zu Ihnen nach Hause, siehe Hausbesuche.




