Phagophobie Schluckangst

Was ist Phagophobie/Schluckangst und wie entsteht sie?

Unter Phagophobie (Schluckangst) wird die Angst vor dem Schlucken bzw. die Angst vor dem Verschlucken von Nahrung oder gar dem Ersticken daran bezeichnet. Ein weiteres Synonym für den Begriff der Phagophobie ist die psychogene Schluckstörung. In Abgrenzung zur neurologischen oder tumorbedingten Dysphagie (Schluckstörung) können bei den Betroffenen keine organischen oder funktionellen Einschränkungen des Schluckakts im Rahmen der Diagnostik durch den Hals-Nasen-Ohren-Arzt durch Bildgebung (Fiberendoskopische Evaluation des Schluckakts oder Videofluoroskopie) diagnostiziert werden. Die schluckrelevanten Strukturen sind also klinisch unauffällig. Häufig kommt es zur Entstehung der Phagophobie, wenn Betroffene sich selbst heftig verschlucken und diese Situation als sehr bedrohlich bzw. sogar lebensbedrohlich erleben. Eine weitere Ursache kann aber auch das Beobachten einer derartigen Situation bei anderen sein. Ähnliche Situationen der Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme werden nachfolgend als ebenso bedrohlich empfunden und es kommt zur Manifestation der Schluckangst.

Wie äußert sich die Phagophobie/Schluckangst im Alltag? Welche Symptome zeigen die Betroffenen?

Häufig beschreiben Betroffene, dass sie das Gefühl haben, ihnen bleibe die Nahrung im Hals stecken. Darüber hinaus werden Situationen und Nahrungsmittel, die als Auslöser der Angst identifiziert wurden, von den Betroffenen vermieden. Nicht selten kommt es in dieser Phase auch zu einem Gewichtsverlust der Patienten, da insgesamt weniger Nahrung/Flüssigkeit aufgenommen wird. Weitere Symptome der Phagophobie können sozialer Rückzug, erhöhte Atemfrequenz, Herzrasen, Engegefühl im Hals und ein Hypertonus (Anspannung) der Hals-, Kiefer- und Gesichtsmuskulatur sein.

Wie kann Logopädie bei Phagophobie helfen?

Über die logopädische Therapie bei Phagophobie ist bislang noch wenig bekannt. Da man jedoch davon ausgeht, dass die veränderte Atmung bei Phagophobie-Patienten in Verbindung mit einem gestörten Ablauf des Schluckens eine zentrale Rolle spielt und Logopäden schwerpunktmäßig im Bereich Atmung und Schlucken tätig sind, ist die logopädische Therapie begleitend zur Psychotherapie sinnvoll.

Wie läuft die logopädische Therapie bei Phagophobie ab? Welche Übungen können helfen?

Bevor die logopädische Therapie begonnen werden kann, muss durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder einen Phoniater eine ausführliche Diagnostik erfolgen. Hier wird abgeklärt, ob ggf. doch funktionelle oder organische Befunde für die Schluckbeschwerden verantwortlich sind. Wurde dies durch die Ärzte ausgeschlossen, kann der Arzt ein Rezept für die Logopädie verordnen. Im Rahmen der Erstbefundung wird dann eine Anamnese durchgeführt, d.h. der Betroffene schildert seine Beschwerden, den Krankheitsbeginn, Symptome, Einschränkungen im Alltag, Ziele etc. Darüber hinaus führt auch der Logopäde selbst eine Diagnostik durch. Neben der Beobachtung von ganzkörperlichen Spannungszuständen werden auch die Atmung und das Schlucken an sich vom Therapeuten untersucht. Auf Basis der Befunde wird dann gemeinsam mit den Betroffenen die Behandlung geplant.

Mögliche Therapieinhalte der Phagophobie-Therapie können dabei folgende sein:

Aufklärung und Beratung, Atemvertiefung, Atemwahrnehmung, Aromatherapie, Entspannungsverfahren, Detonisierung angespannter Muskelkomplexe, orofaciales Training, gezielte Kräftigung schluckrelevanter Strukturen, kompensatorische Schluckstrategien und im Verlauf Schluckexpositionstraining. Die Behandlung der Phagophobie ist dabei eine interdisziplinäre Aufgabe. Neben der Logopädie sind häufig noch andere Berufsgruppen wie Physiotherapie, Psychotherapie und behandelnde Ärzte in die Therapie involviert. Ein Austausch untereinander ist daher für den Therapieerfolg meistens förderlich.