Fazialisparese (Gesichtslähmung)
Eine Gesichtshälfte hängt, das Auge schließt nicht mehr richtig, und beim Trinken läuft der Kaffee aus dem Mundwinkel. So beschreiben es fast alle, die deswegen bei uns anrufen. Die medizinische Seite klärt bis dahin schon jemand anders ab, meist die HNO- oder die neurologische Praxis. Auf dieser Seite geht es um den Teil danach: was eine logopädische Behandlung bei einer Gesichtslähmung leistet, warum zu ehrgeiziges Üben in den ersten Wochen schadet, und wie Sie essen und sprechen, solange die Muskulatur nicht mitmacht. Was der Nerv anatomisch macht, steht kurz im Lexikoneintrag zum Fazialisnerv, die Begriffsklärung unter Fazialisparese.
Der Test, der über den Notruf entscheidet
Bevor irgendetwas anderes zählt: Eine Gesichtslähmung, die plötzlich auftritt, gehört noch am selben Tag ärztlich untersucht. Bei jedem Verdacht auf einen Schlaganfall zählen Minuten, dann bitte 112 und nicht der Versuch, morgen einen Termin zu bekommen.
Ein Merkmal hilft beim Einordnen, und Sie können es im Spiegel prüfen. Heben Sie die Augenbrauen und legen Sie die Stirn in Falten. Runzelt sich beide Seiten gleich, während Mundwinkel und Wange hängen, spricht das für eine Schädigung im Gehirn, also für eine zentrale Fazialisparese, wie sie nach einem Schlaganfall auftritt. Bleibt die Stirn auf der betroffenen Seite glatt und das Auge lässt sich nicht zukneifen, liegt die Schädigung am Nerv selbst.
Der Grund dafür ist anatomisch: Der obere Gesichtsbereich bekommt seine Steuerung aus beiden Hirnhälften, der untere nur aus einer. Fällt eine Hirnhälfte aus, springt für die Stirn die andere ein. Fällt der Nerv aus, gibt es keinen Ersatz.
Verlassen Sie sich trotzdem nicht auf diesen Test allein. Er ersetzt keine Untersuchung, und wenn zusätzlich ein Arm schwach wird, die Sprache verwaschen klingt oder Ihnen schwindelig ist, ist die Frage ohnehin entschieden. Bei Kindern schauen Ärztinnen und Ärzte außerdem nach durchgemachten Infekten und nach Zeckenstichen, weil eine Borreliose in dieser Altersgruppe eine ernstzunehmende Ursache ist.
Was Logopädie hier übernimmt
Wir behandeln nicht den Nerv. Ob er sich erholt, entscheidet sich in den ersten Wochen und hängt an der Ursache, am Ausmaß der Schädigung und an der ärztlichen Behandlung, die bei der häufigen idiopathischen Form meist mit Kortison beginnt.
Unsere Arbeit setzt an dem an, was die gelähmte Muskulatur im Alltag blockiert: an der Aussprache, am Essen und Trinken, am Speichel, der aus dem Mundwinkel läuft, und an der Mimik als Ausdrucksmittel. Das Letzte wird gern übergangen, obwohl es die Leute am meisten beschäftigt. Ein Gesicht, das nicht lächeln kann, wird von anderen falsch gelesen, und viele ziehen sich deshalb zurück, lange bevor die Lähmung selbst sie einschränken würde.
Dazu kommt eine Aufgabe, die nach außen unspektakulär aussieht: Wir schauen jede Woche genau hin und dokumentieren, was zurückkommt. Ein Muskel, der sich nach vier Wochen zum ersten Mal wieder minimal bewegt, verändert das Übungsprogramm sofort. Ohne diese Kontrolle üben Menschen monatelang dasselbe.
Was wir nicht anbieten, ist Elektrostimulation. Der Nutzen ist bei dieser Diagnose nicht belegt, und das Verfahren steht im Verdacht, Fehlverschaltungen zu begünstigen. Wenn Sie darüber gelesen haben und es Ihnen wichtig ist, sprechen Sie es bitte an, dann ordnen wir es gemeinsam ein.
Warum kräftiges Üben am Anfang schadet
Im Netz kursieren Übungsblätter mit der Anweisung, dreimal täglich Grimassen vor dem Spiegel zu schneiden. Bei einer frischen peripheren Lähmung ist das der Rat, der bei uns die meiste Nacharbeit erzeugt.
Der Nerv wächst beim Heilen nach, und er trifft dabei nicht immer den Muskel, den er vorher versorgt hat. Wer in dieser Phase mit maximaler Kraft arbeitet und die ganze Gesichtshälfte gleichzeitig anspannt, bahnt genau die groben Bewegungsmuster, die später als Mitbewegungen zurückbleiben. Kräftiger üben heißt hier nicht schneller gesund.
Wir arbeiten deshalb klein, langsam und einseitig. Eine Bewegung, wenig Kraft, viel Aufmerksamkeit darauf, dass die gesunde Seite nicht mitzieht. Der Spiegel ist dabei Kontrollinstrument und nicht Ansporn. Solange sich gar nichts rührt, üben wir die Bewegung im Kopf mit und halten das Gewebe geschmeidig, statt es zu trainieren.
Und die Zahl der Wiederholungen legen wir individuell fest. Was auf einem Merkblatt aus der Klinik steht, passt auf die Phase, in der es ausgegeben wurde. Zwei Monate später gilt oft etwas anderes.
Wenn die Aussprache verrutscht
Es trifft immer dieselben Laute zuerst. P, b und m brauchen einen dichten Lippenschluss, f und w brauchen eine Unterlippe, die an die Schneidezähne kommt. Fehlt die Spannung auf einer Seite, klingen diese Laute matt und die Luft entweicht seitlich.
Betroffene merken das an einer bestimmten Sorte Rückfragen. Am Telefon wird häufiger nachgefragt als von Angesicht zu Angesicht, weil dort das Ablesen wegfällt. In lauter Umgebung wird es schlechter. Und gegen Abend, wenn die Anstrengung sich summiert, deutlich schlechter als morgens.
Gearbeitet wird in solchen Fällen mit dem, was noch trägt: mehr Bewegung im Kiefer, deutlichere Vokale, ein etwas langsameres Tempo. Das gleicht einen fehlenden Lippenschluss nicht aus, macht Sie aber verständlich, und zwar sofort und nicht erst nach Wochen. Klingt die Sprache dagegen insgesamt verwaschen und ist auch die Zunge betroffen, geht es um ein anderes Bild, nämlich um Dysarthrie. Beides kommt nach einem Schlaganfall zusammen vor.
Essen, Trinken und was in der Wange liegen bleibt
Der Mund wird auf der gelähmten Seite zur Sackgasse. Die Wange hat keine Spannung, also sammelt sich dort, was beim Kauen hineingerät, und Sie merken es nicht, weil auch die Empfindung verändert sein kann. Nach dem Essen mit dem Finger nachfühlen und die Wangentasche leeren gehört deshalb dazu, gerade wenn Sie Prothesenträgerin oder Prothesenträger sind.
Beim Trinken fehlt der dichte Lippenschluss. Ein Strohhalm hilft manchen, anderen nicht, weil auch das Ansaugen Lippenkraft braucht. Probieren Sie es aus. Zuverlässiger ist es, den Kopf leicht zur gesunden Seite zu neigen und von dieser Seite aus zu trinken.
Weichere Speisen, kleinere Bissen und keine Gespräche zwischendurch nehmen viel Druck aus der Situation. Krümeliges wie trockener Keks oder Reis verteilt sich am schlechtesten. Wenn Sie sich dagegen regelmäßig verschlucken, husten oder nach dem Essen heiser sind, ist mehr im Spiel als die Mimik, und wir prüfen das Schlucken gezielt; dazu gibt es eine eigene Seite zu Schluckstörungen.
Der Speichel ist ein Thema für sich. Er läuft aus dem hängenden Mundwinkel, meistens unbemerkt, und das ist für viele der peinlichste Teil der ganzen Sache. Ein Tuch griffbereit, bewusstes Schlucken in Sprechpausen und, wo möglich, Lagerung des Kopfes leicht nach vorn statt zur Seite: Mehr Werkzeug gibt es nicht, aber es reicht meistens.
Das Auge gehört nicht uns, aber wir sprechen es an
Ein Auge, das nachts nicht zugeht, trocknet aus, und die Hornhaut nimmt dabei Schaden, ohne dass es anfangs weh tut. Das ist die einzige wirklich gefährliche Komplikation dieser Erkrankung, und sie ist gut vermeidbar.
Zuständig sind Augenheilkunde und die behandelnde Praxis, nicht wir. Was dort verordnet wird, sind befeuchtende Tropfen für den Tag, eine Salbe für die Nacht und häufig ein Uhrglasverband. Wir fragen im Erstgespräch trotzdem jedes Mal danach, weil dieser Punkt beim Entlassungsgespräch in der Klinik oft untergeht und wir Menschen sehen, die seit drei Wochen ohne Schutz schlafen.
Dass der Nerv mehr kann als Mimik, merken viele erst nach und nach. Er trägt den Geschmack der vorderen Zungenhälfte, er beeinflusst Tränen- und Speichelfluss, und er dämpft über einen winzigen Muskel im Mittelohr laute Geräusche. Deshalb schmeckt bei einer Fazialisparese manchmal das Essen anders, und deshalb klingt Geschirrklappern auf der betroffenen Seite unangenehm laut. Beides bildet sich in der Regel mit der Lähmung zurück.
Wer bei uns neurologisch arbeitet
Eine Fazialisparese ist kein eigenes Spezialgebiet mit Zusatzurkunde. Es zählt Erfahrung mit neurologischen Verläufen, mit der Mundmotorik und mit dem Schlucken, denn diese Fäden laufen hier zusammen. Welche Kollegin oder welcher Kollege damit arbeitet, wo sie oder er sitzt und was dahintersteht, lesen Sie im jeweiligen Profil nach. Alles nebeneinander finden Sie unter Neurologie-Logopäden, speziell für die Zeit nach einem Schlaganfall unter Schlaganfall-Therapeutinnen und -Therapeuten.
Saya Ritze

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Stimmtherapie
mehr über Saya RitzeRonja Köhne

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Ronja KöhneBüsra Aygün

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Büsra AygünSofie Lebek

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Neurologie, Stimme
mehr über Sofie LebekCarina Lehnert

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Neurologie, Stimmtherapie
mehr über Carina LehnertLea Voss

Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen bei einsprachig und mehrsprachig aufwachsenden Kindern, myofunktionelle Störungen …
mehr über Lea VossMilena Hagemann-Gomm

Staatlich anerkannte Logopädin (B.Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungs-, Stimm- und Redeflussstörungen, myofunktionellen Störungen & selektiven Mutismus …
mehr über Milena Hagemann-GommJosefine Zacherl

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Störung der Spachentwicklung im Kindesalter, Dysphonie, myofunktionelle Störungen …
mehr über Josefine ZacherlVanessa Gensch

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Dysphonie, neurogene Sprach- und Sprechstörungen …
mehr über Vanessa GenschBüşra Geni

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, neurologische Störungsgebiete, Kindersprache, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle …
mehr über Büşra GeniNadja Seitz

Staatlich anerkannte Logopädin, Stimmtrainerin. Schwerpunkte: neurologische und degenerative Erkrankungen, TK-Management, Stimmtherapie, Sprachentwicklungsstörungen
mehr über Nadja SeitzMarie Schütte

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Stimmstörungen, neurologische Krankheitsbilder …
mehr über Marie SchütteJulia Pohl

Logopädin. Schwerpunkte: Aussprachestörungen und Sprachentwicklungsstörungen …
mehr über Julia PohlMarion Koch

Dipl.-Heilpädagogin. Schwerpunkte: Sprachanbahnung bei Kindern, LKGS, AWVS, Schluckstörungen, Kindersprache, Aphasien, Dysphagien …
mehr über Marion KochNicole Hoyer Garcia

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.), Muttersprache: Spanisch. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Mehrsprachigkeit, myofunktionelle Störungen …
mehr über Nicole Hoyer GarciaRichard Seelig

Staatlich anerkannter Logopäde B. Sc, Dysphagie-Fachtherapeut. Schwerpunkte: neurologische/degenerative Erkrankungen, Stimm- und Aussprachestörungen, MST, AAP …
mehr über Richard SeeligDaniela Behrendt

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: degenerative neurologische Erkrankungen wie ALS, MS, Chorea Huntington oder Parkinson …
mehr über Daniela BehrendtJohanna Schweiger

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, neurologische Störungsbilder, Fütterstörungen, TK-Management …
mehr über Johanna SchweigerValerija Kozmidi-Galic

Staatlich anerkannte Logopädin. Muttersprache: Russisch. Schwerpunkte: Stottersymptomatiken, VED, AVWS, Neurologie …
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Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, Aussprachestörungen, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle, Kindertherapie …
mehr über Tabea BeckmannJanice Herden

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.), Dysphagie-Fachtherapeutin. Schwerpunkte: neurologische Störungsbilder, Wachkoma, TK-Management, Aphasie …
mehr über Janice HerdenAylin Hill

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Sprachentwicklungsstörungen, neurologische Störungsgebiete, Dysphagie, Ess- und Fütterstörungen …
mehr über Aylin HillWie lange das dauert
Die häufigste Frage, und die ehrlichste Antwort lautet: Es kommt darauf an, wie stark der Nerv geschädigt ist, und das sieht man ihm am ersten Tag nicht an.
Bei der idiopathischen Form, also der ohne erkennbare Ursache, setzt die Besserung bei den meisten Menschen innerhalb der ersten zwei bis drei Wochen ein, und ein großer Teil erholt sich in den folgenden Wochen und Monaten weitgehend. Tut sich nach etwa drei Wochen gar nichts, dauert es länger, und es bleibt häufiger etwas zurück. Genau in dieser Konstellation ist eine begleitende Behandlung am wertvollsten, weil dann die Weichen für die Mitbewegungen gestellt werden.
Zur Krankschreibung können wir Ihnen nichts sagen, das entscheidet die behandelnde Praxis. Was wir aus der Erfahrung sagen können: Wer beruflich viel spricht, unterschätzt die Erschöpfung. Sprechen mit halber Muskulatur kostet Kraft, und viele merken das erst in der zweiten Woche zurück im Büro.
Wenn Mitbewegungen zurückbleiben
Manchmal heilt der Nerv, aber falsch. Fasern, die vorher den Mund versorgt haben, erreichen jetzt das Augenlid. Das Ergebnis heißt Synkinesie: Das Auge kneift sich beim Lächeln zusammen, oder der Mundwinkel zuckt beim Blinzeln. In derselben Logik entstehen die sogenannten Krokodilstränen, bei denen das Auge beim Essen tränt statt der Speichel zu fließen.
Vor diesem Bild haben Betroffene mehr Respekt als vor der Lähmung selbst, und das zu Recht: Es entwickelt sich Monate nach dem eigentlichen Ereignis und bleibt ohne Behandlung bestehen. Trainieren lässt es sich nicht weg. Was hilft, ist das Gegenteil von Training, nämlich Entkoppeln: sehr kleine Bewegungen, viel Rückmeldung über Spiegel und Tastsinn, und gezieltes Lösen der überaktiven Anteile. Bei ausgeprägten Formen arbeiten wir mit der behandelnden Praxis zusammen, weil dort zusätzlich mit Botulinumtoxin gearbeitet werden kann.
Auch eine dauerhaft schlaffe Wange lässt sich begleiten. Über die Zungen- und Wangenspannung führt der Weg zur myofunktionellen Therapie, deren Übungsprinzipien wir bei Erwachsenen ebenso einsetzen.
Rezept, Kosten und der erste Termin
Verordnet wird die Behandlung von der Praxis, die auch die Lähmung behandelt: Neurologie, HNO, oder die Hausarztpraxis. Welche Diagnose zu welcher Therapie gehört, ordnet der Heilmittelkatalog zu, den Rahmen dafür setzt die Heilmittelrichtlinie. Erwachsene zahlen den gesetzlichen Eigenanteil dazu.
Rufen Sie ruhig an, bevor das Rezept da ist. Unter 0511 65580773 oder per Mail an anmeldung@bona-lingua.de klären wir vorab, ob eine Behandlung in Ihrem Fall überhaupt etwas bringt. Nennen Sie dabei das Datum, an dem die Lähmung angefangen hat. Danach richtet sich alles Weitere: Ist sie frisch, suchen wir einen Termin in den nächsten Tagen, besteht sie seit Jahren, können wir in Ruhe planen. Für Patientinnen und Patienten, die noch nicht selbst unterwegs sein können, gibt es Hausbesuche.
Ein praktischer Hinweis zur Anfahrt: Nach einer frischen Parese ist das Auge lichtempfindlich und tränt, und viele merken erst hinter dem Steuer, wie anstrengend das ist. Sprechen Sie das am Telefon an. Wir suchen dann gemeinsam aus den Standorten unter Ihre Praxen für Logopädie in Hannover den mit dem kürzesten Weg heraus, und wenn Ihnen jemand die Fahrt abnehmen kann, legen wir den Termin auf dessen Feierabend.





