Nasale Stimme und Näseln bei Erwachsenen
Die eigene Stimme klingt verstopft, obwohl die Nase frei ist. Oder umgekehrt: Sie klingt, als spräche jemand dauernd durch die Nase, und Bekannte fragen, ob Sie erkältet sind. Hier steht, woran Sie erkennen, ob das überhaupt in die Logopädie gehört, was zuerst der HNO-Arzt klären muss, wie eine Behandlung bei Erwachsenen tatsächlich abläuft und wer bei uns damit arbeitet. Die Begriffe selbst, offene und geschlossene Rhinophonie, Rhinolalie und Nasalität, erklärt kurz und sortiert unser Lexikon unter Rhinophonie.
Seit wann klingt es so
Diese Frage stellen wir am Telefon als Erstes. Von der Antwort hängt ab, ob wir überhaupt die Richtigen sind.
Hat sich der Klang in den letzten Wochen oder Monaten verändert, gehört zuerst eine ärztliche Untersuchung dazu. Eine Nasenscheidewand, die sich verschoben hat, Polypen, eine chronisch entzündete Schleimhaut, eine Allergie, die niemand auf dem Schirm hatte: Das alles verstopft den Weg durch die Nase, und dagegen hilft keine Übung, sondern eine Behandlung an der Ursache. Verändert sich die Stimme dagegen kurz nach einer Operation im Rachen oder am Gaumen, ist der Zusammenhang meist offensichtlich, und auch dann schaut zuerst die Ärztin, was sich am Gewebe getan hat.
War es dagegen schon immer so, und Sie kennen es nur nicht anders, dann sind wir häufig die richtige Adresse. Viele Erwachsene, die deswegen zu uns kommen, haben den Klang jahrzehntelang mitgeschleppt und sind erst über einen Umweg darauf gestoßen: eine Sprachnachricht, die man sich selbst anhört, eine Videokonferenz, eine Rückmeldung aus dem Beruf. Wer den ganzen Tag spricht, unterrichtet, verkauft oder berät, merkt außerdem als Erster, dass die Stimme abends nicht mehr trägt.
Ein Muster rutscht auch Fachleuten gelegentlich durch. Manchmal wechselt der Klang, mal deutlich, mal kaum, und wird im Tagesverlauf schlechter. Das ist der Hinweis, der in eine neurologische Abklärung gehört und nicht auf die Warteliste einer Praxis. Steht so etwas im Raum, sagen wir das deutlich und schicken Sie zurück zur Ärztin, bevor wir anfangen.
Nase frei, Stimme nasal
Kaum eine Formulierung hören wir so oft, und sie beschreibt genau das, was den meisten keine Ruhe lässt: Die Nase ist durchgängig, geschnupft wird nicht, und trotzdem klingt es dumpf und verstopft.
Dahinter steckt häufig eine Verwechslung, die sich leicht auflösen lässt. Was viele als nasal bezeichnen, ist oft das Gegenteil: zu wenig Nasenklang, nicht zu viel. Halten Sie sich beim Sprechen kurz die Nase zu: Ändert sich fast nichts, war ohnehin kaum Luft im Spiel, und der Klang gehört ins geschlossene Fach. Wird es dagegen deutlich anders, spricht das für den offenen Typ. Fachleute nennen den kleinen Test nach seinem Erfinder Gutzmann-Probe, und er ersetzt keine Untersuchung, sortiert aber in dreißig Sekunden die Richtung.
Ebenso häufig ist es überhaupt keine Sache der Nase. Ein hoch stehender Zungenrücken, ein Kiefer, der beim Sprechen kaum aufgeht, eine Stimme, die im Hals eng geführt wird: Das erzeugt einen gepressten, verhangenen Klang, den Laien fast immer nasal nennen. Im Erstgespräch hören wir deshalb nie nur einzelne Laute ab. Wir lassen Sie erzählen, vorlesen und über etwas sprechen, das Ihnen wichtig ist. Erst dann steht fest, ob die Behandlung an der Nasenresonanz ansetzt oder an ganz anderer Stelle, nämlich bei Artikulation und Stimmgebung, siehe Stimmtherapie.
Und dann gibt es noch die Wahrnehmung selbst. Über die Knochen des Schädels hört sich jeder Mensch anders, als er für andere klingt. Manche kommen mit einer Aufnahme zu uns, die sie stört, während die Menschen um sie herum nie etwas bemerkt haben. Auch das ist ein Befund, und es ist ein guter: Er nimmt Druck raus, und die Arbeit besteht dann eher darin, das Ohr für den tatsächlichen Unterschied zu schulen, als den Klang zu verändern.
Was geübt wird
Pusten, Ballons aufblasen, Kerzen ausblasen. Diese Bilder haben sich gehalten, und wir setzen sie bewusst nicht ein. Kraft am Gaumensegel entsteht beim Blasen anders als beim Sprechen, und was dabei besser wird, ist das Blasen. Für die Stimme bringt es nach allem, was wir sehen, nichts.
Gearbeitet wird stattdessen an der Sprache selbst, und zwar an den Lauten, bei denen sich der Unterschied am deutlichsten zeigt. Druckstarke Konsonanten wie /p/, /t/, /k/ und /s/ brauchen einen dichten Abschluss nach oben; entweicht dort Luft, hört man es genau bei ihnen zuerst. Wir bauen von der einzelnen Silbe über das Wort bis zum freien Sprechen auf, und der Sprung von der Übungsstunde in den Alltag ist der Teil, der die meiste Zeit kostet.
Die Rückmeldung trägt dabei die ganze Behandlung. Wer den eigenen Klang nicht sicher unterscheidet, kann ihn auch nicht steuern. Wir arbeiten deshalb viel mit Aufnahmen, mit dem Wechsel zwischen zugehaltener und offener Nase und mit einem kleinen Spiegel unter der Nase, an dem Sie sehen, ob und wann Luft entweicht. Das klingt schlicht und ist der Punkt, an dem es bei den meisten kippt: In dem Moment, in dem jemand den Unterschied selbst hört, geht es plötzlich schnell.
Beim geschlossenen Typ läuft es umgekehrt. Dort ist häufig zu wenig Nasenklang da, und wir üben ihn ein, mit /m/, /n/ und /ng/ als Ankerlauten, bis der Wechsel zwischen nasalen und nicht nasalen Lauten wieder sauber sitzt. Welche Laute im Deutschen überhaupt nasal gebildet werden, steht kurz im Lexikon unter Nasalität, das Gaumensegel selbst unter Velum.
Dazu kommt bei fast allen die Atmung. Sitzt sie hoch im Brustkorb und wird der Ton mit Druck erzeugt, bekommt das Gaumensegel keine Chance, seine Arbeit fein zu dosieren. An dieser Stelle setzt bei uns oft zuerst die Atemtherapie an, noch bevor am Klang selbst gearbeitet wird.
Wer bei uns nasalen Stimmklang behandelt
Gefragt ist hier ein Doppelblick: Gehör für Resonanz auf der einen Seite, damit die Grenze zwischen offenem und geschlossenem Näseln sicher steht, und auf der anderen die Erfahrung, wann eine Behandlung sinnvoll erst nach einem Eingriff beginnt. Wen Sie danach fragen können, steht unten: mit Praxisadresse und mit den Fortbildungen, die bei nasalem Klang tatsächlich etwas hergeben. Wer denselben Klang bei seinem Kind bemerkt hat, ist unter Näseln bei Kindern besser aufgehoben, dort ist der Weg ein anderer.
Ronja Köhne

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Ronja KöhneHenrike Scholz

staatlich geprüfte Atem-, Sprech- & Stimmlehrerin sowie Bühnenfachdarstellerin im Bereich Musical, begrüßt Sie herzlich in unserer Praxis in der Südstadt
mehr über Henrike ScholzVanessa Gensch

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Dysphonie, neurogene Sprach- und Sprechstörungen …
mehr über Vanessa GenschBüşra Geni

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, neurologische Störungsgebiete, Kindersprache, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle …
mehr über Büşra GeniNadja Seitz

Staatlich anerkannte Logopädin, Stimmtrainerin. Schwerpunkte: neurologische und degenerative Erkrankungen, TK-Management, Stimmtherapie, Sprachentwicklungsstörungen
mehr über Nadja SeitzMarion Koch

Dipl.-Heilpädagogin. Schwerpunkte: Sprachanbahnung bei Kindern, LKGS, AWVS, Schluckstörungen, Kindersprache, Aphasien, Dysphagien …
mehr über Marion KochRichard Seelig

Staatlich anerkannter Logopäde B. Sc, Dysphagie-Fachtherapeut. Schwerpunkte: neurologische/degenerative Erkrankungen, Stimm- und Aussprachestörungen, MST, AAP …
mehr über Richard SeeligDaniela Behrendt

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: degenerative neurologische Erkrankungen wie ALS, MS, Chorea Huntington oder Parkinson …
mehr über Daniela BehrendtAuslöser bei Erwachsenen
Bei Kindern führen fast immer vergrößerte Rachenmandeln zum Näseln. Im Erwachsenenalter sieht die Liste anders aus, und sie erklärt, warum bei uns so oft ein Operationsbericht auf dem Tisch liegt.
Eingriffe im Rachenraum stehen ganz oben. Nach dem Entfernen der Gaumenmandeln, nach Operationen wegen Schnarchens und nach Eingriffen an einem Tumor kann das Gaumensegel den Abschluss zum Nasenraum nicht mehr vollständig herstellen. Fachlich heißt das velopharyngeale Insuffizienz, und der Klang wird dabei offener statt verstopfter. Häufig bessert sich das in den ersten Wochen von selbst; bleibt es, ist es unsere Aufgabe.
Wer mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zur Welt gekommen ist, kennt das Thema oft aus der Kindheit und begegnet ihm im Erwachsenenalter wieder, etwa wenn nach vielen Jahren erneut operiert wird oder eine Prothese angepasst werden muss.
Neurologische Erkrankungen wirken auf demselben Weg. Wird die Steuerung des Gaumensegels geschwächt, entweicht Luft, und zwar meist zusammen mit anderen Auffälligkeiten beim Sprechen. Das kommt nach einem Schlaganfall vor, bei Multipler Sklerose, bei Myasthenia gravis mit ihrer typischen Verschlechterung im Tagesverlauf und bei fortschreitenden Erkrankungen. In diesen Fällen ist der nasale Klang selten das einzige Thema, und wir behandeln ihn eingebettet in die Arbeit an der Sprechbewegung insgesamt, siehe Dysarthrie und Sprechapraxie. Wie das Gaumensegel reflektorisch reagiert, steht im Lexikon unter Gaumensegelreflex.
Auf der geschlossenen Seite sind die Auslöser handfester und fast immer ärztlich zu beheben: Polypen in der Nase, eine schiefe Nasenscheidewand, eine dauerhaft geschwollene Schleimhaut, in seltenen Fällen auch bei Erwachsenen noch Adenoide. Was danach an Klangveränderung übrig bleibt, ist meistens Gewohnheit, und Gewohnheiten lassen sich umlernen.
Wo die Therapie an Grenzen stößt
Wir sagen das gerne früh, weil es Enttäuschungen erspart. Ist der Abschluss zum Nasenraum anatomisch nicht herstellbar, weil zu wenig Gewebe da ist oder der Weg zu weit, dann bringt Üben keinen dichten Verschluss zustande. Dann ist die Reihenfolge umgekehrt: erst der chirurgische Eingriff oder eine Gaumenplatte, danach wir. Diese Unterscheidung trifft nicht die Logopädie allein, dafür braucht es die Untersuchung mit dem Endoskop in einer HNO-Praxis oder einer Klinik.
Umgekehrt lohnt sich der Versuch fast immer, wenn die Funktion grundsätzlich vorhanden ist und nur nicht zuverlässig abgerufen wird. Genau dieser Fall ist der häufigste bei Erwachsenen, und er ist der dankbarste.
Wie lange es dauert, hängt weniger vom Ausgangsklang ab als davon, wie fest die Sprechgewohnheit sitzt. Ein Muster, das seit dreißig Jahren läuft, gibt in zehn Stunden nicht auf. Wir rechnen in solchen Fällen mit mehreren Verordnungen und mit Pausen dazwischen, in denen sich das Neue im Alltag setzt. Fünf Minuten täglich setzen sich fest, zwei Stunden am Sonntag nicht.
Verordnung und erster Termin
Ausgestellt wird das Rezept in der Hausarztpraxis oder in einer HNO-Praxis, bei neurologischen Ursachen auch in der Neurologie. Welche Positionen dabei zum Tragen kommen und wie viele Einheiten üblich sind, haben wir unter Heilmittelrichtlinien und Heilmittelkatalog zusammengestellt.
Bringen Sie zum ersten Termin mit, was an Befunden vorhanden ist, besonders den HNO-Bericht und, falls operiert wurde, den Operationsbericht. Nützlich ist außerdem eine Sprachaufnahme aus einer alltäglichen Situation, ein Telefonat oder eine Sprachnachricht: Was in einer Praxis unter Beobachtung entsteht, klingt oft besser als das, worum es eigentlich geht.
Sie erreichen unsere Anmeldung telefonisch unter 0511 65580773, und wer lieber schreibt, weil sich die Vorgeschichte am Stück besser erzählen lässt, nutzt anmeldung@bona-lingua.de. Ein kurzer Anruf lohnt sich auch dann, wenn noch kein Rezept vorliegt und Sie nur wissen wollen, ob das Ganze überhaupt zu unserem Fach gehört.
Termine gibt es an sieben Standorten zwischen Innenstadt, Umland und Region, und weil eine solche Behandlung über Monate läuft und Sie in dieser Zeit oft dort sein werden, lohnt sich vorab ein Blick auf die Lage der einzelnen Praxen für Logopädie in Hannover. Steht das neue Muster erst einmal und geht es nur noch ums Dranbleiben, lässt sich der Rest gut über den Bildschirm machen, siehe Onlinetherapie und Teletherapie.
Weiterlesen
- Näseln und nasale Aussprache bei Kindern
- Die Formen der Rhinophonie kurz sortiert
- Lexikon: Rhinophonie
- Lexikon: Velum
- Lexikon: Nasalität
- Lexikon: Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
- Stimmtherapie bei Bona Lingua
- Dysarthrie
- Therapien für Erwachsene




