Nasale Aussprache und Näseln bei Kindern
Ihr Kind klingt seit Wochen, als hätte es einen Schnupfen, und Schnupfen hat es keinen. Vielleicht steht der Mund tagsüber offen, vielleicht schnarcht es nachts. Hier steht, woran Sie das einordnen können, warum bei Kindern fast immer zuerst die HNO-Praxis dran ist und nicht die Logopädie, was danach noch zu tun bleibt und wann Sie einfach abwarten dürfen. Was offene und geschlossene Rhinophonie im Fachjargon bedeuten, steht kurz im Lexikon unter Rhinophonie.
Woran Sie es merken
Auffallen tut es meistens nicht beim Sprechen. Es fällt beim Schlafen auf.
Das Kind schnarcht, atmet hörbar durch den Mund, wacht mit trockenen Lippen auf. Tagsüber steht der Mund oft offen, auch beim Spielen, beim Fernsehen, beim Malen. Und wenn es dann erzählt, klingt die Stimme gedämpft, als spräche es in ein Kissen. Genau in dieser Reihenfolge berichten Eltern es uns, und der Klang steht selten an erster Stelle.
Dazu kommen Dinge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: häufige Mittelohrentzündungen, ein Kind, das im Kindergarten öfter nachfragt, ein Kind, das beim Essen den Mund nicht zubekommt, weil es sonst keine Luft hat. Ein blockierter Nasenrachen erklärt all das auf einmal, und deshalb lohnt es sich, diese Beobachtungen zu sammeln, bevor Sie irgendwo anrufen.
Einordnen lässt sich das zu Hause mit einem kleinen Test, der zehn Sekunden dauert; beschrieben haben wir ihn auf der Seite für Erwachsene unter Nase frei, Stimme nasal. Bei Kindern verpacken Sie ihn am besten als Quatschspiel, sonst macht niemand mit. Er zeigt Ihnen, ob im Nasenrachen zu wenig Platz ist oder ob umgekehrt zu viel Luft entweicht, und diese beiden Fälle führen zu ganz verschiedenen Wegen.
Meistens die Rachenmandeln
Bei Kindern steckt in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle keine Sprachstörung dahinter, sondern schlicht zu wenig Platz. Die Rachenmandel sitzt hinter der Nase, wächst in den ersten Lebensjahren mit und bildet sich später von selbst zurück. Bei manchen Kindern wird sie in dieser Zeit so groß, dass der Weg durch die Nase praktisch dicht ist. Der Fachbegriff steht im Lexikon unter Adenoide, umgangssprachlich heißt es "Polypen", und das hat mit Nasenpolypen bei Erwachsenen nichts zu tun.
Was das für Sie bedeutet, ist unbequem und gleichzeitig eine Entlastung: Die erste Adresse ist die HNO-Praxis, nicht wir. Dort wird nachgesehen, wie viel Platz tatsächlich noch da ist, häufig auch das Gehör geprüft, weil sich hinter demselben Befund oft ein Paukenerguss verbirgt. Solange die Nase mechanisch zu ist, kann keine logopädische Übung daran etwas ändern. Wir sagen das Eltern regelmäßig am Telefon und schicken sie erst einmal wieder weg. Das ist kein Abwimmeln, es spart Ihnen Monate.
Ob operiert wird, entscheidet die HNO-Praxis anhand von Befund, Gehör, Schlaf und Häufigkeit der Infekte. Viele Kinder brauchen keinen Eingriff, weil sich die Mandel von allein zurückbildet. Bei anderen ist der Eingriff klein und die Wirkung sofort hörbar: Es gibt Familien, die uns danach sagen, das Kind klinge wie ausgewechselt.
Was danach zu tun bleibt
Manche Kinder klingen auch dann noch so, wenn die Nase längst frei ist. Das ist der Punkt, an dem wir ins Spiel kommen, und es ist der eigentliche logopädische Anteil an diesem Thema.
Wer jahrelang durch den Mund geatmet hat, hat sich dabei etwas angewöhnt, das nach dem Eingriff nicht von selbst verschwindet. Die Zunge liegt zu tief im Mund statt am Gaumen. Die Lippen bekommen keine Spannung mehr, weil sie nie gebraucht wurden. Das Schlucken läuft mit der Zunge nach vorn gegen die Zähne. Und die Aussprache hat sich an den engen Verhältnissen orientiert, die es jetzt gar nicht mehr gibt. Dieses Bündel heißt bei uns myofunktionelle Störung und ist unter Myofunktionelle Störung und orofaziale Dysfunktionen ausführlich beschrieben.
In der Behandlung arbeiten wir deshalb selten am Klang direkt. Wir arbeiten an der Nasenatmung, am Lippenschluss, an der Ruhelage der Zunge, und der Klang kommt hinterher. Bei jüngeren Kindern verpacken wir das in Spiele, bei Schulkindern läuft es über eine feste kleine Übungsroutine für zu Hause, die keine zehn Minuten am Tag kostet. Ob das gelingt, entscheidet sich zwischen den Terminen, denn das Erinnern liegt bei Ihnen zu Hause.
Sind zusätzlich einzelne Laute verrutscht, kommt die Ausspracharbeit dazu; wie die aussieht, steht unter Artikulationsstörungen bei Kindern.
Wer bei uns mit Kindern daran arbeitet
Bei Kindern zählt hier vor allem der lange Atem, weil eine Umgewöhnung über Monate läuft und die Fortschritte lange unscheinbar bleiben, dazu die Erfahrung, zu erkennen, wann noch eine ärztliche Abklärung fehlt. Wer von uns dafür infrage kommt, sehen Sie gleich unten, jeweils mit der Praxis, in der er oder sie arbeitet. Erwachsene mit demselben Klangproblem gehen einen anderen Weg, der ist unter nasaler Stimme bei Erwachsenen beschrieben.
Saya Ritze

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Stimmtherapie
mehr über Saya RitzeRonja Köhne

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Ronja KöhneSofie Lebek

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Neurologie, Stimme
mehr über Sofie LebekFreyja Meißler

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Kinder mit Behinderungen
mehr über Freyja MeißlerCarina Lehnert

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Neurologie, Stimmtherapie
mehr über Carina LehnertHenrike Scholz

staatlich geprüfte Atem-, Sprech- & Stimmlehrerin sowie Bühnenfachdarstellerin im Bereich Musical, begrüßt Sie herzlich in unserer Praxis in der Südstadt
mehr über Henrike ScholzMilena Hagemann-Gomm

Staatlich anerkannte Logopädin (B.Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungs-, Stimm- und Redeflussstörungen, myofunktionellen Störungen & selektiven Mutismus …
mehr über Milena Hagemann-GommSophia-Carolin Reinert

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.). Schwerpunkte: Kindersprache, neurologische Störungsbilder, Stimmstörungen …
mehr über Sophia-Carolin ReinertVanessa Gensch

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Dysphonie, neurogene Sprach- und Sprechstörungen …
mehr über Vanessa GenschBüşra Geni

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, neurologische Störungsgebiete, Kindersprache, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle …
mehr über Büşra GeniMarion Koch

Dipl.-Heilpädagogin. Schwerpunkte: Sprachanbahnung bei Kindern, LKGS, AWVS, Schluckstörungen, Kindersprache, Aphasien, Dysphagien …
mehr über Marion KochWann Sie abwarten können
Nicht jeder nasale Klang ist ein Fall für irgendjemanden.
Bei einem Infekt gehört er dazu und geht mit ihm. Auch nach einem hartnäckigen Schnupfen kann es zwei, drei Wochen dauern, bis sich die Schleimhaut beruhigt hat. Kritisch wird es, wenn ein Kind gefühlt das ganze Jahr über verschnupft ist: Dann hält selten der Infekt an. Meistens steckt der blockierte Nasenrachen von oben dahinter, der jeden neuen Schnupfen in die Länge zieht.
Auch bei sehr kleinen Kindern lohnt sich Geduld. Vor dem dritten Geburtstag verändert sich beim Sprechen so viel, dass ein leicht nasaler Klang nichts heißen muss. Was Sie in dieser Zeit im Blick behalten sollten, ist das Atmen im Schlaf. Setzt die Atmung nachts sichtbar aus, ringt Ihr Kind nach Luft oder schläft es unruhig und ist tagsüber erschöpft, dann gehört das zeitnah angeschaut.
Zu viel Luft durch die Nase
Der umgekehrte Fall ist seltener und klingt auch anders: eher breit und verhaucht als dumpf, oft zusammen mit Lauten, die schwer verständlich bleiben. Hier entweicht beim Sprechen zu viel Luft nach oben, weil das Gaumensegel den Abschluss zum Nasenraum nicht dicht bekommt. Wie dieses Segel überhaupt arbeitet, erklärt das Lexikon unter Velum.
Bei Kindern hat das meistens einen anatomischen Grund. Nach einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte ist der Zusammenhang bekannt und die Behandlung ohnehin geplant. Es gibt aber auch Spalten unter der Schleimhaut, die von außen niemand sieht und die manchmal erst auffallen, wenn nach einer Mandeloperation plötzlich Luft entweicht, wo vorher genug Gewebe im Weg war. Das ist selten und sollte trotzdem im Kopf sein, wenn ein Kind nach einem Eingriff auf einmal ganz anders klingt.
Was in dieser Lage geübt werden kann und wo die Grenze zur Chirurgie verläuft, haben wir auf der Seite für Erwachsene ausführlicher aufgeschrieben, weil sich die Vorgehensweise kaum unterscheidet: Wo die Therapie an Grenzen stößt.
Der Weg zum Termin
Der übliche Ablauf sieht so aus: erst Kinderarztpraxis oder HNO, dort Befund und gegebenenfalls Eingriff, danach das Rezept für die Logopädie. Ausgestellt wird es in derselben Praxis. Wie viele Einheiten dabei üblicherweise auf einem Kinderrezept stehen und wann verlängert wird, haben wir unter Heilmittelrichtlinien und Heilmittelkatalog aufgeschrieben.
Sie dürfen aber auch vorher anrufen. Wenn Sie unsicher sind, ob das Ganze überhaupt in unser Fach gehört, klären wir das unter 0511 65580773 in ein paar Minuten, oder Sie schreiben in Ruhe an anmeldung@bona-lingua.de. Was uns dabei am meisten hilft, sind Ihre Beobachtungen aus dem Alltag: seit wann, wie beim Schlafen, wie beim Essen, wie oft Ohrenschmerzen.
Zum ersten Termin bringen Sie bitte den HNO-Befund mit, dazu das Ergebnis der Hörprüfung, falls eine gemacht wurde, und das gelbe Untersuchungsheft. Kinder dürfen mitbringen, was sie beruhigt; wir fangen ohnehin mit Spielen an und nicht mit Übungen.
Wir behandeln an sieben Standorten in Hannover und im Umland, und weil Kinder besser zur Therapie gehen, wenn der Weg dorthin kurz ist und nicht quer durch die Stadt führt, hilft die Übersicht der einzelnen Praxen für Logopädie in Hannover bei der Wahl.





