Schulungen für Pflegepersonal
Wenn auf einem Wohnbereich drei Bewohner mit Schluckstörung liegen und im Winter reihenweise Lungenentzündungen auftreten, ist das selten Zufall. Wir schulen Pflegeteams in Heimen, Kliniken und ambulanten Diensten zu Dysphagie und Trachealkanülen, im Haus des Auftraggebers und mit den eigenen Bewohnern im Kopf. Diese Seite beschreibt, was in so einer Schulung steht, wie lange sie dauert und was Ihr Team danach anders macht.
Was in einer Dysphagie-Schulung steht
Der erste Teil ist immer Erkennen. Eine Dysphagie zeigt sich selten so deutlich wie im Lehrbuch, und die auffälligen Fälle sind ohnehin bekannt. Wir arbeiten deshalb an den leisen Zeichen: eine gurgelnde Stimme nach dem Schlucken, ständiges Räuspern, eine Mahlzeit, die vierzig Minuten dauert, Essensreste in den Wangentaschen, Gewichtsverlust über Monate, wiederkehrendes Fieber ohne erkennbare Quelle.
Der gefährlichste Fall ist der, bei dem nichts zu hören ist. Bei der stillen Aspiration fehlt der Hustenreflex, es gelangt also Material in die Atemwege, ohne dass jemand hustet. Genau diese Bewohner gelten auf der Station oft als unproblematisch, bis die erste Aspirationspneumonie kommt. Wir zeigen, woran man sie trotzdem erkennt und wann ein logopädischer Befund angefordert werden sollte.
Danach geht es um Konsistenzen. Welche Kostform bei welchem Befund, wie angedickt wird und warum die Stufen nach dem IDDSI-Schema benannt sein sollten und nicht als „passiert" oder „weich" auf einem Zettel in der Küche. Wir gehen dabei mit Ihrer tatsächlichen Speisekarte durch, was geht und was nicht. Anregungen für die Küche stehen auch in unserem Beitrag zu Dysphagie-Rezepten.
Der letzte Block betrifft die Zuständigkeiten: Wer meldet was an wen, wann wird ärztlich abgeklärt, was gehört in die Dokumentation, ab wann ist eine PEG ein Thema und wer entscheidet darüber. Diese Fragen kosten im Alltag mehr Zeit als alles andere.
Was am Bett sofort hilft
Ein Teil der Schulung besteht aus Handgriffen, die kein Material brauchen und trotzdem das Aspirationsrisiko senken:
- Aufrecht sitzen, so nah wie möglich an neunzig Grad, und nach der Mahlzeit noch zwanzig bis dreißig Minuten aufrecht bleiben
- Das Kinn beim Schlucken leicht zur Brust, niemals den Kopf in den Nacken
- Kleine Portionen auf dem Löffel, und erst der nächste Bissen, wenn der Mund leer ist
- Keine Gespräche während des Essens, auch keine gut gemeinten
- Mundpflege vor und nach jeder Mahlzeit, weil ein besiedelter Mundraum das Pneumonierisiko deutlich erhöht
Die Mundpflege ist der Punkt, den Teams am meisten unterschätzen und am schnellsten umsetzen können. Wer verschlucktes Material nicht verhindern kann, kann wenigstens dafür sorgen, dass es möglichst keimarm ist.
Die Fehler, die wir am häufigsten sehen
Am häufigsten begegnet uns der Schnabelbecher. Er wirkt sicher, zwingt aber beim Leertrinken den Kopf in den Nacken, und damit öffnet sich der Weg in die Luftröhre. Ein normales Glas oder ein Becher mit Nasenausschnitt ist fast immer die bessere Wahl.
Ähnlich verbreitet ist der Schluck Wasser zum Nachspülen. Er sitzt tief und ist bei einer Schluckstörung oft genau falsch, weil dünne Flüssigkeit sich am schwersten kontrollieren lässt. Ebenso schwierig sind gemischte Konsistenzen in einem Löffel, also Suppe mit Einlage oder Joghurt mit Fruchtstücken.
Bei Medikamenten wird es heikel. Nicht jede Tablette darf gemörsert werden; bei Retardformen und magensaftresistenten Überzügen verändert das die Wirkung. Was in Ihrem Haus mit welchem Präparat gemacht wird, klären Sie mit Apotheke und behandelnder Ärztin, wir bringen in der Schulung nur die Frage auf den Tisch. Sie wird erstaunlich selten gestellt.
Am schwersten wiegt die Zeit. Eine Mahlzeit, die unter Druck verabreicht wird, ist gefährlicher als jede falsche Konsistenz. Hier fehlt kein Wissen, hier fehlt Personal im Dienstplan, und wir sprechen das in der Schulung offen an, weil Ihre Leitung meist mit im Raum sitzt.
Schluckstörungen bei Demenz
Bei fortgeschrittener Demenz kommt zur mechanischen Störung ein zweites Problem: Der Ablauf des Essens selbst geht verloren. Der Mund öffnet sich nicht, der Bissen bleibt darin liegen, das Besteck wird nicht mehr erkannt.
Hier wirken andere Dinge als Konsistenzanpassung. Essen in Gemeinschaft, gleiche Uhrzeit und gleicher Platz, Fingerfood statt Besteck, taktile Hinweise am Arm, das Vormachen durch die Pflegekraft. Und die Erlaubnis, eine Mahlzeit ausfallen zu lassen, wenn ein Bewohner am Nachmittag wacher ist als um zwölf.
Am Lebensende verschiebt sich die Frage noch einmal grundlegend, weg vom Vermeiden jedes Risikos hin zu Lebensqualität. Wir sprechen das in der Schulung an, weil Pflegekräfte dabei oft allein gelassen werden. Wie wir logopädisch mit dieser Patientengruppe arbeiten, steht unter logopädische Therapie bei Demenz und Alzheimer.
Trachealkanüle: was in der Pflege ankommt
Für Häuser mit beatmeten oder tracheotomierten Bewohnern bieten wir einen eigenen Block an. Er behandelt den Unterschied zwischen geblockter und entblockter Kanüle, den Cuffdruck und seine Kontrolle, Absaugen, Sprechventile und die Frage, warum ein Bewohner mit geblockter Trachealkanüle nicht sprechen kann.
Was den Wechsel der Kanüle angeht, halten wir uns an das, was Ihr Haus geregelt hat. Das ist eine ärztliche Maßnahme, die an entsprechend qualifiziertes Pflegepersonal delegiert werden kann, und die Verfahrensanweisung dazu schreiben wir nicht. Wir klären in der Schulung, was logopädisch dazugehört: Entblockungszeiten, Schluckversuche mit entblockter Kanüle, der Weg zur Dekanülierung.
Die fachlichen Grundlagen dazu stehen ausführlich auf unserer Seite zum Trachealkanülenmanagement, die Kolleginnen und Kollegen mit diesem Schwerpunkt finden Sie unter Trachealkanülenmanagement: unsere Expertinnen und Experten.
Wer bei uns schult
Unsere Schulungen halten Therapeutinnen und Therapeuten aus der laufenden Behandlung, keine hauptberuflichen Dozenten. Wer vormittags am Bett stand, bringt am Nachmittag andere Beispiele mit. Wer welchen Schwerpunkt hat, steht im Profil hinter dem Namen: die Fachtherapeutinnen und Fachtherapeuten für Dysphagie unter Dysphagie-Fachtherapeut, die Fachleute für Schlucktherapie unter Schlucktherapie-Experten.
Lea Voss

Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen bei einsprachig und mehrsprachig aufwachsenden Kindern, myofunktionelle Störungen …
mehr über Lea VossMarie Schütte

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Stimmstörungen, neurologische Krankheitsbilder …
mehr über Marie SchütteRichard Seelig

Staatlich anerkannter Logopäde B. Sc, Dysphagie-Fachtherapeut. Schwerpunkte: neurologische/degenerative Erkrankungen, Stimm- und Aussprachestörungen, MST, AAP …
mehr über Richard SeeligJanice Herden

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.), Dysphagie-Fachtherapeutin. Schwerpunkte: neurologische Störungsbilder, Wachkoma, TK-Management, Aphasie …
mehr über Janice HerdenAblauf, Dauer, Teilnehmerzahl
Wir kommen zu Ihnen. Ein Grundlagenblock zu Dysphagie dauert etwa drei Stunden, was sich in eine Frühdienstübergabe hineinlegen lässt, wenn zwei Termine an verschiedenen Tagen angeboten werden. Für Trachealkanülen rechnen wir mit einem halben Tag, weil dort praktisch geübt wird.
Sinnvoll sind zwölf bis achtzehn Teilnehmende. Darunter lohnt der Aufwand kaum, darüber kommt niemand mehr zum Fragen, und die Fragen sind der wertvollste Teil. Gemischte Gruppen aus Pflegefachkräften, Hilfskräften und Küche funktionieren gut, weil die Küche sonst nie erfährt, warum eine Kostform bestellt wurde.
Am nützlichsten wird es, wenn wir vorher zwei oder drei anonymisierte Fälle aus Ihrem Haus bekommen. Dann sprechen wir über Frau M. aus Zimmer 14 und nicht über ein Fallbeispiel aus einem Buch. Erfahrungsgemäß bleibt davon deutlich mehr hängen.
Zu Konditionen und Terminen sprechen Sie uns direkt an, das hängt an Umfang, Anfahrt und Teilnehmerzahl. Was wir sonst für Einrichtungen und Kliniken tun, von der kurzfristigen Terminvergabe bis zu mobilen Therapeuten, steht unter Informationen für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser.
Was wir nicht anbieten
Wir bilden kein Pflegepersonal aus. Basiskurse für Pflegehelfer, Lehrgänge zur Pflegedienstleitung, Weiterbildungen zur Praxisanleitung oder Pflichtfortbildungen zur Behandlungspflege gehören zu anderen Anbietern. Wenn Sie danach suchen, sind Sie hier falsch, und wir sagen das lieber vorher.
Unser Feld ist der schmale Ausschnitt, den Logopädie tatsächlich verantwortet: Schlucken, Trachealkanüle, Kommunikation mit Menschen nach Schlaganfall oder mit Aphasie. Fortbildungen für Kolleginnen und Kollegen aus therapeutischen Berufen laufen getrennt davon über die Akademie by Bona Lingua.
Informationsabende für Angehörige
Neben den Teamschulungen halten wir Abende für Angehörige, häufig in Kliniken und häufig zum Thema Kehlkopfentfernung, Trachealkanüle oder Schluckstörung nach Schlaganfall. Eine Stunde Vortrag, danach so lange Fragen, wie welche kommen.
Für Angehörige ist meist die praktische Seite das Dringlichste: Wie helfe ich beim Essen, ohne Schaden anzurichten, was ist normal, wann rufe ich an. Solche Abende organisieren wir gemeinsam mit Ihrem Haus, sprechen Sie uns dafür an.
Anfrage und Kontakt
Schreiben Sie uns, was für ein Haus Sie sind, wie viele Menschen geschult werden sollen und wo der Schuh drückt. Wir melden uns dann mit einem Vorschlag zu Umfang und Terminen zurück. Am schnellsten geht das über eine Mail an anmeldung@bona-lingua.de, telefonisch sind wir unter 0511 65580773 zu erreichen.
Geht es um einen bestimmten Bewohner statt um eine Schulung, ist der schnellere Weg eine Verordnung über die behandelnde Ärztin. Für Akutfälle nach einem Schlaganfall vergeben wir Termine innerhalb von achtundvierzig Stunden, und zu Bewohnern, die nicht in die Praxis kommen können, fahren wir hinaus, siehe Hausbesuche.


