Dyslalie bei Erwachsenen
„Dyslalie" steht in Arztbriefen, in alten Therapieberichten und manchmal auf dem Rezept. Wer den Begriff nachschlägt, landet bei Vierjährigen, und das verwirrt zu Recht, wenn man vierzig ist. Hier geht es um die Erwachsenenseite dieses Wortes: was ein Befund mit dieser Bezeichnung heute meint, warum eine Aussprache dreißig Jahre lang bleiben kann, und wo die Grenze zu etwas ganz anderem verläuft, das nur ähnlich klingt. Ursachen und Behandlungswege bei Erwachsenen stehen ausführlich auf unserer Therapieseite zur Artikulationsstörung bei Erwachsenen.
Warum kaum noch jemand Dyslalie sagt
Der Begriff ist alt und war einmal ein Sammelbecken. Früher fiel darunter fast alles, was beim Sprechen auffiel, teilweise sogar das Stottern. Heute arbeiten wir mit einer feineren Einteilung, und die hat einen praktischen Grund: Sie sagt, wo man ansetzt.
Die erste Frage lautet, ob ein Laut motorisch nicht gelingt oder ob er zwar gelingt, aber am falschen Platz landet. Im ersten Fall findet die Zunge die Position nicht, das Geräusch klingt schief, und zwar jedes Mal gleich. Das ist die Seite, die früher „phonetisch" hieß, und sie ist der weitaus häufigere Fall bei Erwachsenen. Im zweiten Fall stimmt das Regelsystem im Kopf nicht, ein Laut wird durch einen anderen ersetzt, obwohl er einzeln gebildet werden kann. Wie das bei Kindern aussieht, steht unter Störung des Lauterwerbs.
Bei Erwachsenen ist die zweite Variante selten geworden, weil sie sich mit dem Schriftspracherwerb meistens auflöst. Übrig bleibt der motorische Teil: ein einzelner Laut, seltener zwei oder drei, die seit der Grundschule nicht sitzen. Am häufigsten trifft es das /s/, dann heißt es Sigmatismus und umgangssprachlich Lispeln; ausführlich dazu unter Sigmatismus. Danach kommt das /sch/, fachlich Schetismus, und mit Abstand das /r/ und das /k/.
Steht in Ihrem Bericht schlicht „Dyslalie" ohne Zusatz, ist damit fast immer diese Lautbildung gemeint. Eine kurze Begriffserklärung gibt es unter Dyslalie, den Fachhintergrund unter Artikulation und Phonetik.
Warum es nie weggegangen ist
Die Frage kommt in fast jedem Erstgespräch, und sie klingt oft nach Vorwurf gegen die eigenen Eltern. Meistens zu Unrecht.
Ein Teil unserer erwachsenen Patientinnen und Patienten war als Kind nie in Behandlung, weil die Sache damals als Marotte durchging oder weil das Umfeld sie schlicht verstanden hat. Ein anderer Teil war in Therapie, und zwar erfolgreich, im Therapieraum. Was fehlte, war die letzte Phase: das Übertragen ins freie Sprechen, wo niemand mehr auf die Zunge achtet. Ohne diesen Schritt kippt ein Laut nach ein paar Monaten zurück, und dann gilt er als austherapiert, obwohl er es nicht ist.
Dazu kommt die Mechanik. Was Sie beim Sprechen tun, läuft nach etwa zwanzig Jahren so automatisch ab wie das Kuppeln beim Autofahren. Ein Bewegungsmuster, das so tief liegt, verschwindet nicht durch Einsicht. Es lässt sich aber überschreiben, und genau das ist der Inhalt einer Behandlung im Erwachsenenalter.
Was die Bewegung zusätzlich festhält, sind die Verhältnisse im Mund. Eine zu niedrige Zungenspannung, dauerhafte Mundatmung, ein Zungenstoß beim Schlucken oder ein sehr kurzes Zungenbändchen ziehen die Zunge immer wieder in dieselbe ungünstige Lage. Solange das so bleibt, arbeitet jede Lautübung gegen den Rest des Tages. Deshalb schauen wir am Anfang auf das Schlucken und auf die Ruhelage der Zunge, bevor wir am Laut selbst anfangen; das Verfahren dazu steht unter Myofunktionelle Therapie.
Wenn sich die Aussprache erst kürzlich verändert hat
Hier trennen sich die Wege, und diese Trennung ist der Grund, warum diese Seite existiert.
Alles bisher Beschriebene betrifft eine Aussprache, die seit der Kindheit so ist. Wenn Sie dagegen sagen würden: „Das war letztes Jahr noch anders", dann suchen Sie am falschen Ort. Eine Sprechweise, die verwaschen wird, undeutlich, langsamer oder mühsam, und die vorher jahrzehntelang unauffällig war, hat andere Ursachen und braucht eine ärztliche Abklärung, bevor jemand mit Übungen beginnt.
Die häufigsten Gründe dafür sind eine Störung der Sprechmuskulatur und ihrer Steuerung, fachlich Dysarthrie, oder eine Störung der Bewegungsplanung, die Sprechapraxie. Beide haben ihren Ursprung im Gehirn. Dahinter stecken oft ein Schlaganfall, eine neurologische Erkrankung wie Multiple Sklerose oder Parkinson, seltener ein Tumor oder eine Kopfverletzung. Auch Medikamente, die stark dämpfen, und der Zahnersatz nach einer größeren Sanierung verändern die Aussprache hörbar.
Ein Merksatz für den Notfall: Setzt die Veränderung innerhalb von Minuten oder Stunden ein, womöglich zusammen mit einem hängenden Mundwinkel, einem kraftlosen Arm oder Wortfindungsproblemen, dann rufen Sie bitte den Notruf, bevor Sie an einen Termin bei uns denken. Bei einem langsamen Verlauf über Wochen führt der Weg in die neurologische Praxis. Kommen Sie mit dem Befund danach gern zu uns, wir behandeln beides: Dysarthrie und Sprechapraxie bei Erwachsenen.
Um etwas ganz anderes geht es, wenn nicht die Aussprache leidet, sondern das Wort selbst ausbleibt: Wer mitten im Satz nach Begriffen sucht, findet die Einordnung unter Wortfindungsstörung bei Erwachsenen.
Eine weitere Möglichkeit wird oft übersehen, weil sie so banal ist. Wer sehr schnell und ohne Pausen spricht, klingt ebenfalls verwaschen, ohne dass ein einzelner Laut falsch gebildet wird. Das ist dann keine Frage der Artikulation, sondern des Tempos, und Sie finden es unter Redeflussstörungen bei Erwachsenen.
Wer bei uns mit Erwachsenen an der Aussprache arbeitet
Die folgenden Kolleginnen und Kollegen behandeln Aussprachestörungen; über den Namen kommen Sie zum Profil mit Standort und Ausbildung. Bei diesem Bild dürfen Sie ruhig nach der Praxis mit dem kürzesten Weg gehen, denn hier zählt die Regelmäßigkeit über mehrere Monate mehr als ein bestimmter Schwerpunkt. Die reine Namensliste finden Sie unter Therapeutinnen und Therapeuten für Artikulationsstörung, das gesamte Fachgebiet unter Aussprache-Therapeuten.
Saya Ritze

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Stimmtherapie
mehr über Saya RitzeRonja Köhne

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Ronja KöhneBüsra Aygün

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmtherapie, Kindersprache, Neurologie
mehr über Büsra AygünSofie Lebek

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Neurologie, Stimme
mehr über Sofie LebekFreyja Meißler

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Kindersprache, Kinder mit Behinderungen
mehr über Freyja MeißlerMilena Hagemann-Gomm

Staatlich anerkannte Logopädin (B.Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungs-, Stimm- und Redeflussstörungen, myofunktionellen Störungen & selektiven Mutismus …
mehr über Milena Hagemann-GommMarie Meyer

staatlich geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Schwerpunkte: Kindersprache, Stimmtherapie und neurologische Störungsbilder
mehr über Marie MeyerSophia-Carolin Reinert

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.). Schwerpunkte: Kindersprache, neurologische Störungsbilder, Stimmstörungen …
mehr über Sophia-Carolin ReinertJosefine Zacherl

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Störung der Spachentwicklung im Kindesalter, Dysphonie, myofunktionelle Störungen …
mehr über Josefine ZacherlVanessa Gensch

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Dysphonie, neurogene Sprach- und Sprechstörungen …
mehr über Vanessa GenschBüşra Geni

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, neurologische Störungsgebiete, Kindersprache, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle …
mehr über Büşra GeniNadja Seitz

Staatlich anerkannte Logopädin, Stimmtrainerin. Schwerpunkte: neurologische und degenerative Erkrankungen, TK-Management, Stimmtherapie, Sprachentwicklungsstörungen
mehr über Nadja SeitzMarie Schütte

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Stimmstörungen, neurologische Krankheitsbilder …
mehr über Marie SchütteMarion Koch

Dipl.-Heilpädagogin. Schwerpunkte: Sprachanbahnung bei Kindern, LKGS, AWVS, Schluckstörungen, Kindersprache, Aphasien, Dysphagien …
mehr über Marion KochNicole Hoyer Garcia

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.), Muttersprache: Spanisch. Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, Mehrsprachigkeit, myofunktionelle Störungen …
mehr über Nicole Hoyer GarciaRichard Seelig

Staatlich anerkannter Logopäde B. Sc, Dysphagie-Fachtherapeut. Schwerpunkte: neurologische/degenerative Erkrankungen, Stimm- und Aussprachestörungen, MST, AAP …
mehr über Richard SeeligDaniela Behrendt

Staatlich anerkannte Logopädin. Schwerpunkte: degenerative neurologische Erkrankungen wie ALS, MS, Chorea Huntington oder Parkinson …
mehr über Daniela BehrendtJohanna Schweiger

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.). Schwerpunkte: Sprachentwicklungsstörungen, neurologische Störungsbilder, Fütterstörungen, TK-Management …
mehr über Johanna SchweigerValerija Kozmidi-Galic

Staatlich anerkannte Logopädin. Muttersprache: Russisch. Schwerpunkte: Stottersymptomatiken, VED, AVWS, Neurologie …
mehr über Valerija Kozmidi-GalicTabea Beckmann

Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, Aussprachestörungen, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle, Kindertherapie …
mehr über Tabea BeckmannJanice Herden

Staatlich anerkannte Logopädin (B. Sc.), Dysphagie-Fachtherapeutin. Schwerpunkte: neurologische Störungsbilder, Wachkoma, TK-Management, Aphasie …
mehr über Janice HerdenWas bei Erwachsenen anders läuft als bei Kindern
Der Ablauf folgt denselben Stufen wie in der Kinderbehandlung, aber die Gewichte verschieben sich deutlich.
Erwachsene bekommen die erste Stufe geschenkt. Wo ein Kind über Wochen spielerisch an die richtige Zungenlage herangeführt wird, genügt Ihnen häufig eine Erklärung mit Spiegel und die Rückmeldung, wann es stimmt. Viele bilden den Ziellaut in der ersten Stunde. Das fühlt sich nach Durchbruch an und ist trotzdem der leichte Teil.
Der schwere Teil heißt Transfer und nimmt den größten Anteil der Behandlung ein. Zwischen „ich kann das /s/ im Einzelwort" und „ich spreche so, wenn ich mich über etwas ärgere" liegen Wochen. Wir arbeiten uns dabei über Silbe, Wort, Satz und Vorlesen bis zum freien Gespräch vor, und wir bauen absichtlich Situationen ein, in denen Ihre Aufmerksamkeit woanders liegt: telefonieren, gleichzeitig etwas suchen, schnell antworten.
Dabei kommt Ihnen etwas zugute, worauf wir bei Kindern verzichten müssen: Sie hören sich selbst zu, sobald man Ihnen zeigt, worauf zu achten ist, und Sie üben zu Hause auch ohne Aufsicht. Fünf Minuten täglich bringen bei diesem Bild mehr als eine Stunde am Wochenende, weil es um das Einschleifen einer Bewegung geht. Wer das nicht schafft, sollte den Beginn lieber verschieben, statt eine Verordnung ohne Wirkung zu verbrauchen.
Und ein Hinweis, den wir gern früh geben: In den ersten Wochen klingt die neue Aussprache für Sie selbst falsch und übertrieben. Das ist normal und legt sich, sobald das Gehör sich umgestellt hat. Wer in dieser Phase abbricht, hört mitten in der Umstellung auf.
Wie lange das dauert und wer es bezahlt
Die Verordnung stellt die hausärztliche Praxis aus, bei Bedarf auch die HNO-Praxis. Logopädie ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, es fällt die übliche Zuzahlung an, und wer davon befreit ist, zahlt nichts. Welche Regeln dahinterstehen, steht unter Heilmittelrichtlinie und Heilmittelkatalog.
Ein Verordnungsblock umfasst je nach Ausstellung mehrere Termine, üblich sind ein bis zwei Einheiten pro Woche. Für einen einzelnen Laut ohne Begleitbaustelle brauchen wir erfahrungsgemäß zwei bis drei Blöcke, das sind grob vier bis sechs Monate. Kommen mehrere Laute zusammen oder muss die Zungenlage zuerst umgebaut werden, wird es länger.
Was die Dauer stärker beeinflusst als alles andere, ist nicht die Schwere des Befunds, sondern wie lückenlos die Termine liegen. Vier Wochen Pause im Sommer kosten Sie ungefähr die Hälfte des Fortschritts aus den vier Wochen davor. Planen Sie den Beginn deshalb eher in eine ruhige Phase, und sagen Sie uns Urlaube früh, dann verteilen wir die Einheiten anders.
Lohnt sich das mit vierzig noch?
Auf die Frage, ob sich so etwas noch ändern lässt, ist die fachliche Antwort unspektakulär: ja, und das Alter spielt dabei kaum eine Rolle. Wir haben Menschen jenseits der sechzig ein /s/ umgestellt. Über den Ausgang entscheidet die Übungszeit, das Geburtsjahr spielt dabei eine Nebenrolle.
Die ehrlichere Frage ist eine andere, und wir stellen sie im Erstgespräch immer: Was soll danach anders sein? Manche kommen mit einem beruflichen Anlass, weil sie ab jetzt präsentieren, unterrichten oder telefonieren müssen. Andere haben ein Bewerbungsgespräch vor sich. Wieder andere ärgern sich einfach seit dreißig Jahren über sich selbst, wenn sie eine Sprachnachricht abhören. Jeder dieser Anlässe reicht völlig aus, sie führen aber zu unterschiedlichen Schwerpunkten in der Behandlung.
Selten, aber es kommt vor: Wir raten ab. Wenn ein Laut nur minimal abweicht, niemandem auffällt und Sie ihn selbst kaum stört, ist eine Verordnung über Monate der falsche Aufwand. Dann sagen wir das, und Sie haben eine Stunde gebraucht statt eines halben Jahres.
Geht es um mehr als die Aussprache, von der Stimme bis zum Schlucken, gibt der Überblick unter Logopädie für Erwachsene die Richtung vor; die Abgrenzung der Störungsbilder untereinander steht unter Sprechstörungen bei Erwachsenen.
Beratung und Termin
Für eine erste Einschätzung brauchen Sie kein Rezept und keinen Befund. Unter 0511 65580773 klären wir das in ein paar Minuten vor, und wenn Ihnen ein paar Zeilen an anmeldung@bona-lingua.de lieber sind, geht es genauso; sagen Sie dabei, welcher Laut Sie stört und ob das schon immer so war oder erst seit Kurzem. Diese eine Angabe entscheidet, wo Sie richtig sind.
Termine für Erwachsene liegen bei uns häufig am frühen Vormittag oder in der späten Nachmittagsschiene, und die Wartezeiten unterscheiden sich zwischen den Häusern erheblich, weshalb sich der Blick auf mehrere Standorte lohnt: Adressen und Öffnungszeiten aller sieben Praxen stehen unter Ihre Praxen für Logopädie in Hannover.







