Dysphonie: was der Befund bedeutet
Dysphonie ist ein Wort, das man selten sucht und oft gereicht bekommt: auf einem Arztbrief, in einer Verordnung, im Entlassungspapier nach einer Operation. Hier steht, was es aussagt und was es ausdrücklich offenlässt, wie es sich zur Aphonie verhält und welche Ursachen dahinterstecken können. Wie eine Stimmtherapie abläuft und was sie bringt, ist ausführlich auf der Seite Stimmstörung / Dysphonie beschrieben.
Eine Beschreibung, noch keine Diagnose
Dysphonie kommt aus dem Griechischen und heißt wörtlich gestörte Stimme. Das Wort beschreibt, was zu hören ist: Der Klang hat sich verändert, die Stimme trägt nicht mehr wie gewohnt, sie wird rau, behaucht, zu leise, zu hoch, zu tief oder sie kippt weg. Warum das so ist, sagt der Begriff nicht.
Im ICD-10 steht dafür der Schlüssel R49.0, und schon die Gruppe R verrät die Machart: Dort sammelt die Klassifikation Symptome und Befunde, keine Krankheiten. Ein Rezept mit dieser Angabe hält also eine Beobachtung fest, für die die Erklärung noch aussteht.
Das ist der Punkt, an dem viele Gespräche bei uns beginnen. Wer diese Zeile liest, sucht nach der Ursache und findet im Netz alles zwischen harmlos und bedrohlich, weil hinter derselben Beschreibung eine überlastete Lehrerinnenstimme, ein Stimmlippenknötchen, eine Lähmung nach einer Schilddrüsenoperation und eine neurologische Erkrankung stehen können. Sortieren lässt sich das nur über zwei Fragen: seit wann besteht es, und was ist damals passiert. Genau diese zwei Fragen stellen wir am Telefon zuerst, und sie führen fast immer schon in eine der Richtungen weiter unten.
Der Unterschied zur Aphonie
Beide Wörter meinen dieselbe Baustelle und unterscheiden sich im Ausmaß. Bei einer Dysphonie ist Stimme da, sie klingt nur anders oder hält nicht durch. Bei einer Aphonie ist keine Stimme mehr da, übrig bleibt Flüstern oder ein tonloses Hauchen.
Dazwischen liegt kein fester Schnitt, und viele erleben beides nacheinander: erst wochenlange Heiserkeit, dann ein Tag, an dem gar nichts mehr geht. Ebenso häufig ist der umgekehrte Verlauf, bei dem die Stimme nach einem vollständigen Ausfall zurückkommt und rau bleibt.
Für die Behandlung zählt weniger die Lautstärke des Rests als die Frage, ob der Ausfall plötzlich kam oder sich über Wochen aufgebaut hat. Ein Stimmverlust von einem Tag auf den anderen, ohne Infekt und ohne Eingriff, ist ein eigenes Bild mit eigenem Weg. Die Begriffe kurz erklärt stehen unter Aphonie und Heiserkeit, das dazugehörige Archiv unter Aphonie und Stimmverlust.
An wen Sie sich damit wenden können
Es folgt die Aufstellung derer, die bei uns mit Stimmen arbeiten, mit Praxis, Ausbildungsweg und Schwerpunkt. Wählen Sie danach aus, wessen Vorgeschichte zu Ihrer passt: Eine Kollegin, die viel mit Lehrkräften und Vielsprechern zu tun hat, geht anders vor als jemand mit neurologischem Schwerpunkt. Nach Standorten sortiert stehen dieselben Personen über Dysphonie: Therapeuten und Logopäden.
Richard Seelig

Staatlich anerkannter Logopäde B. Sc, Dysphagie-Fachtherapeut. Schwerpunkte: neurologische/degenerative Erkrankungen, Stimm- und Aussprachestörungen, MST, AAP …
mehr über Richard SeeligTabea Beckmann

Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin. Schwerpunkte: Stimmstörungen, Aussprachestörungen, Stimmtherapie für Transgender und Transsexuelle, Kindertherapie …
mehr über Tabea BeckmannWohin es von hier aus weitergeht
Sortiert wird nach der Ursache, und davon hängt alles Weitere ab: wer behandelt, in welcher Reihenfolge und mit welcher Aussicht.
Am häufigsten ist der funktionelle Weg. Am Kehlkopf ist nichts zu sehen, trotzdem trägt die Stimme nicht. Typisch ist der Verlauf über den Tag, morgens brauchbar und nachmittags weg, dazu Räusperzwang und ein Kloßgefühl im Hals. Betroffen sind überwiegend Menschen, die beruflich sprechen. Weiter geht es unter Funktionelle Dysphonie.
Organisch heißt: Am Gewebe hat sich etwas verändert, und man sieht es. Knötchen, Polypen, eine Entzündung, Narben nach einer Beatmung, eine gelähmte Stimmlippe nach einem Eingriff an der Schilddrüse. Hier steht die ärztliche Behandlung neben unserer, manchmal davor. Weiter geht es unter Organische Stimmstörungen.
Beim psychogenen Bild setzt die Stimme aus, während Husten, Lachen und Räuspern völlig normal klingen. Dieser Widerspruch ist das Erkennungszeichen, und er ist ein gutes: Er zeigt, dass der Kehlkopf kann, was er soll. Weiter geht es unter Psychogene Stimmstörungen.
Neurogen wird es, wenn die Steuerung gestört ist, etwa nach einem Schlaganfall, bei Parkinson oder bei Multipler Sklerose. Dann verändert sich meist das Sprechen insgesamt und die Stimme ist ein Teil davon. Weiter geht es unter Neurologisch bedingte Stimmstörungen.
Ein Sonderfall ist die spasmodische Dysphonie, bei der die Stimme beim Sprechen abgehackt herausgepresst wird, beim Singen aber makellos klingt. Sie wird über Jahre falsch einsortiert und hat deshalb eine eigene Seite bekommen: die Merkmale im Überblick.
Ebenso häufig wie eindeutige Fälle sind Mischungen. Wer wegen eines Knötchens die Stimme schont und dabei eine ungünstige Sprechweise einschleift, hat am Ende beides, und dann wird auch beides behandelt.
Wann zuerst der Kehlkopf angesehen wird
Eine Regel, die den meisten Ärger erspart: Heiserkeit, die länger als drei Wochen bleibt, gehört in eine HNO-Praxis, und zwar unabhängig davon, wie harmlos sie sich anfühlt. Angesehen wird dabei der Kehlkopf selbst, das dauert wenige Minuten.
Dahinter steckt mehr als die Verordnung, die wir ohnehin brauchen. Wir können die Stimme hören und beurteilen, das Gewebe darunter sehen wir nicht. Eine Bewegungseinschränkung der Stimmlippen und eine Veränderung an der Schleimhaut verlangen einen Blick, den nur eine ärztliche Untersuchung liefert.
Zügiger als drei Wochen sollte es gehen, wenn zur Heiserkeit Atemnot, Schluckbeschwerden, Schmerzen beim Sprechen, ein Knoten am Hals oder Blut im Auswurf kommen, und ebenso bei starken Rauchern. Eine erste Selbsteinschätzung, noch vor jedem Termin, erlaubt die Fragenliste unter Habe ich eine Stimmstörung?.
Der Weg zu einem Termin
Ausgestellt wird die Verordnung in der HNO-Praxis, in der Phoniatrie oder in der Hausarztpraxis, bei neurologischer Ursache auch dort. Was auf dem Rezept stehen muss, damit es für die Stimme gilt, schlüsselt die Seite Heilmittelrichtlinien und Heilmittelkatalog auf.
Bringen Sie den HNO-Befund mit, auch wenn darauf nur ein unauffälliger Kehlkopf vermerkt ist, denn genau das ist eine Information. Nützlich sind außerdem eine Sprachnachricht aus einem gewöhnlichen Telefonat und, wer beruflich spricht, eine ehrliche Schätzung der täglichen Sprechzeit. Für die Anmeldung wählen Sie 0511 65580773 oder schreiben an anmeldung@bona-lingua.de, und weil die Wartezeiten zwischen unseren Häusern deutlich auseinandergehen, kommt schneller zum Termin, wer bei der Anfrage gleich mehrere der Praxen für Logopädie in Hannover zulässt.

