Wortfindungsstörung bei Kindern

„Das Dings da." „Na, das Ding zum Aufmachen." „Ach, egal." Wenn ein Kind mitten im Erzählen hängenbleibt, obwohl es weiß, was es sagen will, geht es um den Abruf und nicht um fehlende Wörter. Der Unterschied ist im Alltag kaum zu hören und bestimmt trotzdem die ganze Behandlung. Auf dieser Seite steht, woran Sie beides auseinanderhalten, was in welchem Alter erwartbar ist, warum es in der Schule so viel schwerer wiegt als zu Hause und was gezielt hilft. Wie sich dasselbe Bild bei Erwachsenen zeigt, steht unter Wortfindungsstörung bei Erwachsenen.

Woran Sie es im Alltag hören

Ein Kind mit einer Wortfindungsstörung wirkt selten sprachauffällig. Es redet gern und viel, die Sätze sind gebaut wie bei anderen Kindern, die Aussprache stimmt. Auffällig ist etwas anderes, und man muss darauf achten, um es zu bemerken.

  • Platzhalter statt Begriffen: „Dings", „das Ding da", „so ein Teil", oft mit einer Geste dazu.
  • Umschreibungen, die zeigen, dass die Bedeutung da ist: „das, womit man Brot schneidet" für Messer.
  • Pausen mitten im Satz, an einer Stelle, an der niemand sonst zögert, dazu „ähm" und Wiederholungen des letzten Wortes, während gesucht wird.
  • Wörter aus derselben Gruppe: Gabel für Löffel, Hund für Katze, gestern für morgen. Das Kind ist nah dran und trifft nicht.
  • Der Satz wird abgebrochen und neu begonnen, oder das Kind endet mit „egal" und wechselt das Thema.
  • Zeigen statt Benennen, gerade bei Dingen, die eben noch besprochen wurden.

Am deutlichsten wird es beim Erzählen von etwas, das der Zuhörer nicht kennt. Ein Kind kann jede Frage im Ratespiel beantworten und trotzdem den Kindergartentag nicht schildern, weil es dabei selbst nach den Wörtern greifen muss. Deshalb fragen wir Eltern immer nach dieser Situation und nicht nach Vokabeltests.

Fehlt das Wort oder der Weg dorthin?

Diese Unterscheidung ist der Kern, und Sie können sie zu Hause vornehmen.

Bieten Sie dem Kind das gesuchte Wort an. Reagiert es sofort erleichtert, sagt „ja, genau, Schraubenzieher" und redet weiter, dann kannte es das Wort. Der Eintrag ist vorhanden, nur der Zugriff hakt, und das ist eine Abrufstörung.

Schaut Ihr Kind Sie dagegen fragend an, weil ihm das Wort auch angeboten nichts sagt, dann fehlt der Begriff selbst. Dann geht es um den Wortschatz, und die Arbeit sieht anders aus.

Zwei Hilfen unterscheiden die Fälle noch feiner, und wir setzen sie in der Diagnostik ein. Wenn der Anfangslaut hilft, „es fängt mit Sch an", liegt es am Zugriff über den Klang. Wenn ein Satzanfang hilft, „Damit schneidet man …", liegt es an der Bedeutungsseite, der Semantik. Beides zusammen kommt oft vor.

In der Praxis stehen die beiden Bilder selten allein nebeneinander. Kinder, deren Wortschatz insgesamt schmal ist, haben auch schwächere Verknüpfungen und damit einen schlechteren Abruf. Deshalb gehört bei jedem Verdacht die Frage nach der gesamten Sprachentwicklung dazu, siehe Sprachentwicklungsstörung (SES/SEV).

Was in welchem Alter erwartbar ist

Suchen nach Wörtern gehört zum Spracherwerb, und zwar über Jahre. Ein Dreijähriger, der „Dings" sagt und zeigt, tut genau das, was Dreijährige tun. Interessant wird die Frage, wie lange das Muster bleibt und wie sehr es das Erzählen behindert.

Bei einem Kind um drei fällt es kaum auf, weil der ganze Wortschatz noch im Aufbau ist. Zwischen vier und fünf sollte ein Kind Alltagsgegenstände sicher benennen und einen Ablauf in der richtigen Reihenfolge erzählen können. Mit sechs, also zum Schulanfang, ist der Punkt erreicht, an dem sich der Unterschied zu Gleichaltrigen zeigt: Andere Kinder erzählen flüssig, Ihres bleibt hängen. Ab acht oder zehn wird es selten von allein besser, und dann wiegt es in der Schule schwer, während es zu Hause weiter harmlos wirkt.

Nach einem plötzlichen Beginn wird oft gesucht, und bei Kindern ist der fast immer kein plötzlicher. Meistens war das Muster vorher da und ist im Kindergarten nicht aufgefallen, weil dort niemand einen Vortrag halten muss. Anders liegt es, wenn ein Kind Wörter verliert, die es sicher hatte, oder wenn die Veränderung nach einem Sturz auf den Kopf, einer Erkrankung mit Fieberkrämpfen oder einem Krampfanfall auftritt. Das gehört kinderärztlich abgeklärt, bevor eine logopädische Behandlung anfängt.

Wer daran mit Ihrem Kind arbeitet

Bei Kindern zählt die Wortfindung zur Sprachentwicklung, behandelt wird sie also von unserem Kinderteam. Die Namen stehen unten, ein Klick öffnet Praxis und Werdegang. Ein Rat zur Auswahl: Nehmen Sie das Haus, das Sie ein Jahr lang zuverlässig erreichen, denn Wortschatzarbeit braucht Ausdauer und verträgt keine langen Pausen. Alphabetisch und ohne Profile steht dieselbe Auswahl auf Therapeuten bei Sprachentwicklungsstörung.

Warum es in der Schule schwerer wiegt

Zu Hause fällt eine Wortfindungsstörung kaum ins Gewicht. Sie kennen den Zusammenhang, Sie warten, und wenn nichts kommt, hilft ein Blick. In der Schule fällt genau das weg, und dort entscheidet Sprache über Noten.

Der Erzählkreis am Montag ist die erste Hürde. Danach kommen mündliche Beiträge, bei denen Kinder mit dieser Baustelle sich seltener melden, obwohl sie den Stoff können. Referate sind gefürchtet, weil freies Sprechen genau das verlangt, was hakt. Und in Klassenarbeiten kostet es Zeit: Wer bei jeder zweiten Antwort nach dem Fachwort sucht, kommt nicht durch.

Daraus entsteht regelmäßig ein falscher Eindruck. Ein Kind, das im Unterricht wenig sagt und beim Aufrufen lange braucht, gilt schnell als unaufmerksam oder als schwach im Fach. Wir schreiben deshalb auf Wunsch eine kurze Einschätzung für die Schule, in der steht, worum es tatsächlich geht.

Praktisch hilft der Schule wenig Aufwand mit großer Wirkung: mehr Wartezeit nach einer Frage, Ankündigung statt Überraschung beim Aufrufen, die Möglichkeit, Fachbegriffe vorab zu bekommen, und bei Referaten Stichwortkarten. Für förmliche Regelungen ist der Nachteilsausgleich der richtige Weg; wie das im Jugendalter aussieht, steht unter Logopädie für Jugendliche.

Was zu Hause hilft, und was nicht

Die verbreitetste Reaktion ist Abfragen, und sie ist die einzige, von der wir ausdrücklich abraten. „Wie heißt das noch mal?" setzt ein Kind genau dort unter Druck, wo es ohnehin klemmt, und das Ergebnis ist, dass es weniger erzählt.

Warten Sie stattdessen. Fünf Sekunden fühlen sich lang an und sind oft genau die Zeit, die gebraucht wird. Kommt nichts, geben Sie eine Hilfe statt der Lösung: den Anfangslaut, einen Satzanfang, den Oberbegriff. „Es ist etwas aus der Küche" bringt das Kind selbst ans Ziel, und der selbst gefundene Weg festigt sich, während das vorgesagte Wort verpufft.

Was den Abruf langfristig verbessert, ist ein dichteres Netz um jedes Wort. Sortierspiele nach Kategorien, Gegensätze suchen, Rätsel, in denen etwas umschrieben wird, „Ich sehe was, was du nicht siehst" mit Eigenschaften statt Farben, Einkaufslisten aus dem Gedächtnis. Alles, was ein Wort mit anderen verknüpft, legt zusätzliche Wege zu ihm an.

Und wenn nichts geht, geben Sie Ihrem Kind einen Satz an die Hand, der die Situation rettet: „Mir fällt das Wort gerade nicht ein, ich beschreibe es." Kinder, die das können, hören auf zu verstummen, und das ist im Alltag mehr wert als zwanzig zusätzliche Wörter.

Wie wir daran arbeiten

Am Anfang steht eine Diagnostik, die länger dauert als das Benennen von Bildern. Wir schauen uns an, welche Wörter fehlen, welche Fehlerart auftritt und ob Hilfen wirken, und wir hören eine freie Erzählung mit, weil dort auffällt, was im Einzelbild verschwindet. Dazu kommt eine Prüfung des Verstehens, denn ein Kind kann nur abrufen, was es sicher verstanden hat, siehe Sprachverständnis.

Die Behandlung arbeitet danach auf zwei Ebenen gleichzeitig. Die eine baut die Wörter selbst aus, und zwar in die Tiefe: Zu einem Begriff sammeln wir, wie er aussieht, wozu er dient, wohin er gehört, womit er anfängt, was das Gegenteil ist. Ein so verankertes Wort ist über mehrere Wege erreichbar, und genau darum geht es.

Die andere Ebene sind Notausgänge für den Moment, in dem es klemmt. Ein Kind lernt bei uns, das Wort zu beschreiben statt zu verstummen, es zu zeigen, oder einfach zu sagen, dass es gerade sucht. Das klingt nach wenig und wirkt sofort im Unterricht, weil es die Peinlichkeit aus der Pause nimmt.

Geübt wird an einem begrenzten Wortschatz, der zum Leben des Kindes gehört: die Sachen aus dem Sportverein, die Tiere aus dem Lieblingsbuch, die Fachwörter aus dem Sachunterricht. Wie lange es dauert, hängt davon ab, ob nur der Abruf betroffen ist oder der Wortschatz insgesamt; im zweiten Fall rechnen Sie mit mehreren Verordnungsblöcken über ein Jahr oder länger. Den Rahmen dafür beschreibt Heilmittelrichtlinie und Heilmittelkatalog, den Weg zum Termin die Übersicht unter Sprechtherapie für Kinder.

Beratung und Termin

Wenn Sie unsicher sind, ob das Suchen Ihres Kindes noch zum Alter passt, klären wir das vorab. Anrufen können Sie unter 0511 65580773, schreiben unter anmeldung@bona-lingua.de, und beides geht auch ohne Rezept.

Am hilfreichsten ist eine Handyaufnahme, in der Ihr Kind etwas erzählt, das Sie nicht miterlebt haben, etwa den Tag in der Kita. Zwei Minuten reichen, und wir hören darin mehr als in jeder Beschreibung. Um das Rezept kümmern Sie sich danach beim Kinderarzt, am einfachsten gleich bei der nächsten Vorsorge. Weil ein Nachmittagsplatz bei uns je nach Haus in zwei Wochen oder erst in zwei Monaten frei wird, fragen Sie ruhig gleich für mehrere Standorte an, die Sie mit Adressen und Zeiten unter Ihre Praxen für Logopädie in Hannover finden.

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