Aktuelles \\ 31. August 2026

Logopädie ist mehr als Spiel am Tisch: ein Blick in die Praxis

„Und was macht ihr da so? Spielen?“ Diesen Satz hört Henrike Scholz in unserer Praxis in der Südstadt öfter, als ihr lieb ist. Er ist freundlich gemeint, und er trifft einen sehr kleinen Ausschnitt.

Warum dieser Eindruck entsteht

Wer an Logopädie denkt, sieht ein Kind, einen niedrigen Tisch, Bildkarten und eine Therapeutin gegenüber. Dieses Bild stimmt. Bei Kindern ist Spiel die Form, in der geübt wird, weil ein Vierjähriger sich zwanzig Minuten lang nicht für Lautbildung begeistert, für eine Schatzsuche mit genau diesem Laut aber schon. Das Spiel ist der Weg, nicht der Inhalt. Dahinter steht ein Befund, ein Ziel für die Stunde und danach eine Notiz, was davon erreicht wurde.

Der Tisch ist dabei eine Möglichkeit von vielen. In Henrikes Schwerpunkten ist er sogar eher die Ausnahme.

Stimme lässt sich im Sitzen schlecht üben

Henrike Scholz ist staatlich geprüfte Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin, ausgebildet an der CJD Schule Schlaffhorst-Andersen, dazu staatlich anerkannte Bühnenfachdarstellerin für Musical. Seit Mai 2024 ist sie bei uns. Diese Ausbildung erklärt schon einen großen Teil davon, wie eine Stunde bei ihr abläuft. Atem, Stimme und Bewegung werden dort in einem Stück gelernt, drei Jahre lang, jeden Tag am eigenen Körper.

In der Stimmtherapie heißt das schlicht: aufstehen. Die Stimme hängt an der Atmung, die Atmung an der Haltung, und die Haltung ändert sich in dem Moment, in dem jemand steht statt sitzt. Wer heiser ist, presst fast immer irgendwo. Am Schultergürtel, im Kiefer, im Bauch. Im Sitzen fällt das selten auf, im Gehen sofort. Also wird bei uns gedehnt, geschwungen, gegangen und getönt, und manchmal endet eine Stunde damit, dass jemand den Praxisflur auf und ab läuft und dabei laut zählt.

Für die Atemtherapie gilt dasselbe. Wer nach einem Infekt oder unter Dauerstress flach in den oberen Brustkorb atmet, bekommt das über eine Erklärung nicht wieder weg. Nur über Wiederholung, und die geht in Bewegung leichter.

Myofunktionelle Therapie: Zunge, Kiefer, Alltag

Ihr zweiter Schwerpunkt ist die myofunktionelle Therapie, also das Zusammenspiel von Zunge, Lippen und Kiefer beim Schlucken und beim Sprechen. Ein Mensch schluckt am Tag ungefähr tausendmal. Drückt die Zunge dabei jedes Mal gegen die Schneidezähne, arbeitet sie gegen die Kieferorthopädie, und gegen tausend Wiederholungen kommt keine Spange an.

Geübt wird das nicht mit Bildkarten. Es wird gekaut, getrunken, im Spiegel kontrolliert, und der größere Teil der Arbeit passiert zwischen den Terminen zu Hause. Was dahintersteckt und woran Eltern es erkennen, steht auf unserer Seite zu myofunktionellen Störungen.

Was daraus in der Praxis wird

Unsere Termine sehen deshalb sehr unterschiedlich aus, und das hängt weniger am Alter als am Ziel. Ein Spaziergang um den Block kann eine Stimmübung sein. Ein Kind, das auf einem Wackelkissen sitzt, hält den Rumpf stabiler und spricht dabei deutlicher. Für eine Schluckstunde reichen ein Apfel, ein Glas Wasser und ein Löffel Joghurt. Bei einer Schluckstörung ist echtes Essen ohnehin durch keine Übung zu ersetzen.

Und wann sitzen wir doch am Tisch?

Oft. Wir wären unglaubwürdig, wenn wir das jetzt verschweigen würden. Nach einer Kehlkopfoperation, bei starker Erschöpfung, beim Schreibtraining nach einer Aphasie oder wenn jemand nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt, ist Bewegung nicht die erste Frage. Auch Diagnostik läuft am Tisch. Kein Programmpunkt zwingt uns dazu, jede Stunde in Bewegung zu bringen. Bei Stimme, Atmung und Muskelfunktion bringt sie allerdings mehr als jede Erklärung im Sitzen, und deshalb steht sie bei Henrike so oft auf dem Plan.

Wie das bei Ihnen aussähe

Das lässt sich am Telefon in ein paar Minuten klären: ob Sie eine Verordnung brauchen, welcher unserer sieben Standorte am nächsten liegt und wer dort Ihr Thema behandelt. Schreiben Sie uns über das Kontaktformular oder rufen Sie in der Praxis an, die zu Ihnen passt. Henrike Scholz stellt sich auf ihrer Profilseite vor, das gesamte Team finden Sie unter Ein Team, sieben Standorte.

Henrike Scholz, Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin in der Bona-Lingua-Praxis Südstadt, in der Videoreihe Frag eine Logopädin zur Frage: Was ist der häufigste Irrtum über Logopädie?