Mutismus

Was ist Mutismus?

Als Mutismus (lat. mutus = stumm) bezeichnet man die Sprechhemmung oder das Schweigen nach abgeschlossener Sprachentwicklung und somit eine Beeinträchtigung der Sprach- und Sprechfähigkeit. Man unterscheidet dabei zwischen selektivem und totalem Mutismus.

Bei einem selektiven Mutismus kann die betroffene Person nur in einem unterbewusst ausgewählten Personenkreis verbal kommunizieren. Im engsten familiären Kreis (Eltern und Geschwister) ist das Sprechen möglich – wird häufig aber schon bei Großeltern unüberwindbar.

Die stärkste Form des Schweigens ermöglicht keine sprachliche Kommunikation – weder innerhalb noch außerhalb der Familie und gilt somit als totaler Mutismus. Oft sind auch Lautäußerungen wie Husten, Niesen und Räuspern betroffen. Jeder lautsprachliche Kontaktversuch schlägt praktisch fehl.

Diagnostik

Wichtig für die Diagnose des selektiven oder totalen Mutismus ist der Nachweis, dass die betroffene Person in bestimmten definierbaren Situationen spricht, keine neurologische Erkrankung oder Verletzung vorliegt, nötiges Sprachverständnis vorhanden ist und eine Sprachentwicklung im Voraus zu beobachten war. Zu den Untersuchungen gehören außerdem eine neurologische und HNO-ärztliche Untersuchung, um hirnorganische Erkrankungen sowie Hörstörungen auszuschließen. Eine ausführliche Patienten- und Familienanamnese, die die Grundlage zur mutismusspezifischen Diagnostik darstellt, eine psychologische Untersuchung sowie eine logopädische Diagnostik vervollständigen die Diagnosefindung.

Welche Rolle spielen genetische Faktoren?

Oftmals ist schon auf der Ebene der Mutter oder des Vaters ein introvertierter, sozial zurückgezogener, sprachlich gehemmter Elternteil vorzufinden. In der Regel liegt eine genetisch/dispositionelle Vorbelastung vor, auf die dann seelisch belastende Umweltfaktoren treffen.

Ursachen

Es ist keine hundertprozentige Ursachenklärung möglich. Es gibt allerdings bestimmte Einflüsse, die beim Schweigen grundlegend sind. Dazu gehören kommunikativ gehemmte und sozial zurückhaltende Familienmitglieder, eine erhöhte Verbindung von Mutismus und weiteren sprachliches Problemfeldern sowie die Aufrechterhaltung des Schweigens.


Was ist Mutismus bei Kindern und was kann man beobachten?

Bei Kindern mit Mutismus lässt sich beobachten, dass sie zu Hause und mit speziellen vertrauten Personen verbal kommunizieren. Außerhalb dieses Kreises wird das Nicht-Sprechen zu einer Strategie der Regulation der zwischenmenschlichen Kommunikation. Das Kind hat Schwierigkeiten, soziale Kontakte zu anderen Menschen aufzubauen und scheint seine Umwelt sehr sorgfältig zu beobachten und wahrzunehmen. Wenn sie schweigen, wird dieses unter anderem von einem starren Gesichtsausdruck, fehlendem Lächeln und starrem Blick begleitet. Diese Anspannung überträgt sich auch auf den Rest des Körpers. Aufgrund steifer Arme, verkrampften Händen und fehlender Mimik wirkt das Kind wie eingefroren.


Ist Mutismus eine Form von Autismus?

Es handelt sich um zwei unterschiedliche Störungsbilder, die nicht gleichzustellen sind. Während Kinder mit Mutismus besondere Kommunikationsformen abhängig von Personen und Situationen zeigen, findet man bei Autisten keine spezifischen Unterschiede innerhalb oder außerhalb der Familie. Auch emotionale Kontaktaufnahmen innerhalb der Familie treten bei mutistischen Kindern in der Regel auf, während Kinder mit Autismus diese nur bedingt entwickeln, da es sich um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung handelt.


Wie können Kinder mit Mutismus behandelt werden?

Eine übergreifende, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Therapeuten, Erziehern, Lehrkräften, Ärzten, Familie etc. muss die Grundlage jeder Mutismustherapie sein. Je früher die Therapie beginnt, desto weniger verankert sich das Schweigen in die Persönlichkeitsentwicklung und umso höher ist die Chance, korrelative Schwierigkeiten zu minimieren. Darüber hinaus ist jeder Betroffene als Individuum zu berücksichtigen und somit muss sowohl die Therapiemethode als auch das Tempo an die Persönlichkeit jedes Kindes angepasst werden. Ziel einer jeden Methode ist es, eine verbale Kommunikation unabhängig von Personen und Situationen zu ermöglichen, die eine soziale und kognitive Entwicklung positiv beeinflusst. Die Fachbereiche, die in der Therapie abgedeckt sein sollten, sind neben der sprachtherapeutischen Behandlung eine psychologische und, wenn nötig, eine psychiatrische Behandlung.

Wie sieht eine Therapie bei Mutismus aus?

Methodisch kann man unterschiedlich vorgehen (z. B.: Dortmunder-Mutismus-Therapie, Systematische-Mutismus-Therapie u.a.). Inhaltlich sollten die Schwerpunkte auf gezieltem Sprechtraining und Kommunikationsübungen liegen. Auch das Training innerhalb und außerhalb der Praxis sowie Beratung und Anleitung der Bezugspersonen spielen hierbei eine wichtige Rolle.

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