Late Talker

Als „Late Talker" bezeichnet man Kinder, die verspätet zu sprechen beginnen. Diese Einschränkung kann auch bei einer Hörstörung oder geistigen Behinderung vorliegen, jedoch spricht man in diesem Fall nicht von "Late Talkern".

Aus fachlich-logopädischer Sicht ist "Late Talker" die Bezeichnung für eine eigenständige Symptomatik: In der Regel weisen die Kinder dabei mit zwei Jahren nur einen aktiven Wortschatz von weniger als 50 Wörtern auf.
Des Weiteren werden meist keine Wortkombinationen (z.B.: „Mama komm!") gebildet. Umgekehrt reagieren die betroffenen Kinder nicht oder unangemessen auf altersgemäße sprachliche Aufforderungen.
Etwa die Hälfte der Late Talker entwickelt in der Folge eine spezifische und ausgeprägte Sprachentwicklungsstörung. Deshalb sollte man so früh wie möglich mit einer Sprachtherapie beginnen!
Zusammenfassung der typischen Anzeichen:

  • Der Wortschatz Ihres Kindes beträgt weniger als 50 Wörter.
  • Ihr Kind hält selten Blickkontakt.
  • Es spielt meistens alleine.
  • Ihr Kind hat Schwierigkeiten Aufforderungen zu verstehen.
  • Ihr Kind begleitet das Spiel nicht sprachlich.
  • Es kommuniziert hauptsächlich über Gestik und Mimik.
  • Es ist häufig traurig oder wütend, weil es nicht verstanden wird.
  • Die altersübliche Wortschatzexplosion (Wortschatzerweiterung auf 150-200 Wörter) ist bislang ausgeblieben.

Die Früherkennung erfolgt normalerweise bei der Vorsorge-Untersuchung U7 (21. – 24. Monat) durch den Kinderarzt. Wenn Sie unsicher sind, ob die Sprachentwicklung Ihres Kindes normal ist, kommen Sie gerne zu uns für einen Präventionsgespräch.

Late Talker – Therapeuten

Wir haben eine aktuelle Übersicht mit allen Therapeuten, die Experten in der Therapie von Late Talkern sind, zusammengestellt.

Ab wann spricht man von Late Talkern?

Mit 24 Monaten sollten Kinder ungefähr 50 verschiedene Wörter sprechen. Spricht das Kind in diesem Alter deutlich weniger und verständigt sich hauptsächlich über Gestik und Mimik, so könnte es ein Late Talker Kind sein.

Was sind die Symptome von Late Talkern?

Voran natürlich ein später Sprechbeginn. Sollte dieser erst weit nach den ersten 12 Lebensmonaten stattfinden, ohne dass ein neurologischer oder physiologischer Grund vorliegt, sollte von einem Experten Rat eingeholt werden.
Auch ein langsamer Wortschatzaufbau gehört zu den Symptomen. Dazu zählen Kinder, die im zweiten Lebensjahr weniger als 50 Wörter aktiv sprechen.
Zudem kann es zu einer schwer verständlichen Aussprache kommen. Typisch hierfür sind Kinder, die mit drei Jahren hauptsächlich nur von engen Bezugspersonen verstanden werden.
Ebenso dazu gehört das Weglassen von Wörtern sowie das Austauschen von Lauten im Alter von mehr als 4 Jahren, welches sich wiederum auf einen falschen Satzbau und auf eine eingeschränkte Erzählfähigkeit ausübt.
Doch nicht nur der expressive Gebrauch von Sprache ist betroffen, auch das Sprachverständnis kann beeinträchtigt sein. Somit treten Schwierigkeiten in der Ausführung von kurzen Befehlen oder Aufforderungen auf, Wörter werden zum Teil gar nicht verstanden und es können Begleitsymptome auftreten, die sich in Verhaltensauffälligkeiten widerspiegeln.

Was sind die möglichen Spätfolgen?

Da nicht alle Late Talker die genannten Symptome gleichzeitig aufweisen müssen, sind auch die Spätfolgen unterschiedlich. Durch einen geringen Wortschatz, einen fehlerhaften Satzbau sowie Einschränkungen in der Lautverwendung können im Vorschul- und Schulalter Sprachentwicklungsstörungen auftreten. Diese können zu einer eingeschränkten Erzählfähigkeit, Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens (sehr langsames Lesen, viele Rechtschreibfehler) sowie zusätzlich zu Schwierigkeiten bei dem Erwerb von Fremdsprachen führen, da die Grammatik und Vokabeln nicht ausreichen.
Zu den Folgen gehört auch eine eingeschränkte, teilweise gestörte, soziale Entwicklung, welche bei Kindern, die Sprachstörungen aufweisen, zusätzlich gefährdet ist. Besonders in den ersten Jahren, in denen soziale Begegnungen die Entwicklung prägen und auch das Selbstbewusstsein beeinflussen, können Angst, Unverständlichkeit gegenüber Anderen, Frust und Scham zu sehr ernsten sozialen Problemen führen.

Was sind die Ursachen von Late Talkern?

Aktuell sind keine genauen Ursachen bekannt, da diese für den späten Spracherwerb noch unklar sind. Die sprachliche Kompetenz jedoch ist individuell veranlagt und wird stark durch die äußeren Einflüsse geprägt, eine kindgerechte Sprachförderung ist daher dringend erforderlich.

Wie therapiert man Late Talker?

Die Methoden, mit denen man therapieren kann, sind unterschiedlich und werden individuell auf das Kind angepasst.
Vorab wird das kindliche Kommunikationsverhalten überprüft. Dazu gehört nicht nur Sprache, sondern auch jegliche Verhaltensweisen, die zur Verständigung dienen. Auch die symbolischen Fähigkeiten werden überprüft, um einzuordnen, wie das Kind seine Umgebung wahrnimmt. Zudem wird überprüft, ob das Kind einen altersgerechten passiven Wortschatz (was versteht das Kind) besitzt, wie der Wortschatzumfang ist und über welche lautlichen Fähigkeiten das Kind verfügt.
Gemeinsam mit dem Therapeuten wird dann entschieden, welche Form der Frühintervention die Richtige ist. Wichtig zu verstehen ist, dass die Therapien Spielstunden sind, in denen der Therapeut/Logopäde Situationen schafft, in denen das Kind, dem Entwicklungsstand entsprechend, spielen und sich „flüssig sprechend“ erleben darf.

Wie läuft eine Late Talker Therapie nach Zollinger ab?

Zollingers Therapieansatz richtet sich nach einem ganzheitlichen Modell, welches auch andere Entwicklungsbereiche als Sprache mit einbezieht. Im Vordergrund der Therapie steht natürlich immer das Kind und dessen Bezug zur Umwelt. Es soll entdecken, erforschen und Freude entwickeln an dem, was es umgibt und einen Bezug dazu herstellen können. Hierzu gehört das Entfalten und Lernen von symbolischem Spielen. Das „so tun als ob“ ist ein enorm wichtiger Meilenstein in der kindlichen Entwicklung und hat einen direkten Bezug zur Sprache, bei der es sich ebenfalls um ein Symbolsystem handelt. Das Kind leitet durch seine Interessen das Spiel, auf das der Therapeut durch gezielte Strategien eingehen kann, um wiederum die Sprachentwicklung angemessen zu fördern.

Wie kann man Late Talker fördern?

Es gibt viele Möglichkeiten und Ansätze die Sprachentwicklung Ihres Kindes zu fördern. Viele Eltern folgen da bereits ihrem guten Gefühl und wenden meist unbewusst die richtigen Strategien an. Man schnappt “falsche Wörter” auf und spricht sie richtig nach, man greift Teile der kindlichen Äußerungen auf und baut sie in einen korrekten Satz. All diese nützlichen Hilfen leisten Eltern meistens schon ganz von alleine.
Durch indirekte Methoden, wie korrektives Feedback, das Erweitern von Äußerungen, aber auch das Anschauen von Bilderbüchern oder Singen von Liedern, können die Sprachentwicklung positiv beeinflussen.

Late Talker – was können Eltern tun?

Zuallererst sollten Eltern versuchen, den Druck von sich zu nehmen. Denn auch die Kinder merken schon früh, wenn die Ansprüche und Erwartungen nicht erfüllt werden oder wenn aus Kommunikation regelrechte Prüfungen entstehen. Im Vordergrund sollte immer die Freude zum Sprechen stehen, die Aufgabe als Eltern ist es diese anzuregen und auszuweiten. Wichtig ist aber auch, dass Kinder den Sinn erkennen, den das Sprechen mit sich bringt. Das bedeutet, wenn man den Kindern jeden Wunsch und jedes Bedürfnis, welches nur durch zeigen oder hinführen ausgedrückt wird, erfüllt, zeigt man ihnen, dass Sprache kein nützliches Hilfsmittel ist. Es müssen demnach erstmal die Sprechfreude und der Nutzen unterstützt werden, Sprache ist ein Weg zum Ziel.
Man kann als Eltern jedoch gezielt positiven Einfluss auf die Sprachentwicklung des Kindes nehmen. Durch das Anwenden bestimmter Strategien kann Sprache aktiv gefördert werden.
Zwei grundlegende Strategien, die wunderbar in jeden Alltag integriert werden können, sind „gemeinsame Aufmerksamkeit“ und „fokussierte Benennung“. Mit gemeinsamer Aufmerksamkeit ist gemeint, dass Kinder über Blickkontakt zu der Bezugsperson sowie Blickkontakt zu einem Objekt, lernen. Ein Wort muss demnach mit einem bestimmten Gegenstand, einer Person oder einer Handlung verbunden werden. Diese Verbindung ist grundlegend für jeden Lernprozess. Je mehr Informationsaufnahmemöglichkeiten geboten werden, also gucken, anfassen, riechen etc., desto mehr neuronale Verknüpfungen können entstehen und umso effektiver ist das Lernen.
Fokussierte Benennung in diesem Fall bedeutet, dass man als Bezugsperson in dem Moment einen Gegenstand, eine Person oder eine Handlung benennt, indem man eine gemeinsame Aufmerksamkeit hergestellt hat. Nachdem ein Kind ein Wort in seiner Bedeutung verstanden hat, muss es dieses durch viele Wiederholungen integrieren, bevor es das Wort aktiv nutzt.

Wo finde ich Hilfe für Late Talker?

Die kinderärztliche Vorsorgeuntersuchung U7a, die im Regelfall zwischen dem 34. und dem 36. Lebensmonat stattfindet, dient u.a. der Vorsorge und frühzeitigen Erkennung von Sprachentwicklungsstörungen.
Bei Late Talkern kann es jedoch sein, dass eine frühere Sprachtherapie sinnvoll ist, damit eine Sprachentwicklungsstörung abgewandt werden kann.
Sollte der Verdacht bestehen, wird ein Beratungsgespräch empfohlen oder direkt eine logopädische Verordnung von Ihrem Arzt mitgegeben, um eine entsprechende Therapie zu starten.
Sollten Sie Hilfe benötigen oder sich beraten lassen wollen, rufen Sie uns gerne an!

Ihr Expertenteam zum Thema

Ihr Expertenteam zum Thema Late Talker

Ihr Expertenteam in Sachen Therapie

Unsere Therapeuten sind bei allen Fragen rund um die verschiedenen Therapiemöglichkeiten der Logopädie für Sie da. Wir freuen uns auf Ihren Anruf!

Lernen Sie uns kennen