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Systemische Hörtherapie

Die systemische Hörtherapie ist eine Weiterentwicklung der von Dr. Alfred Tomatis entwickelten Tomatis-Methode. Im Mittelpunkt steht in erster Linie die Wahrnehmung des Hörens.

Das Hören ist ein wesentlicher Bestandteil für die Entwicklung von Kommunikation. Mittel- und Innenohr sind schon in der 21. Schwangerschaftswoche vollkommen ausgereift und wachsen danach nie wieder im Leben. Der Hörnerv sendet ab dem 7. Monat nachweislich Signale zum Gehirn. In vielen Studien ist bewiesen, dass das Kind direkt nach der Geburt, die Stimme der Mutter von anderen unterscheiden kann. Selbst unterschiedliche Sprachen können differenziert werden. Dies ist ein wesentlicher Punkt auf dem die Arbeit der systemischen Hörtherapie aufbaut.

Ablauf der systemischen Hörtherapie

Als erstes wird ein Hörtest gemacht, dieser ist dem des HNO-Arztes sehr ähnlich. Allerdings wird er anders diagnostiziert. Bei Kindern folgen noch verschiedene Maltests, diese geben Auskunft über Motorik, Raumwahrnehmung, Selbst- und Fremdwahrnehmung. Danach wird mit dem Klienten oder den Eltern ein ausführliches Anamnesegespräch durchgeführt. Anhand der Testverfahren und der Anamnese wird entschieden, ob die Therapie für den jeweiligen Patienten sinnvoll ist. Die Hörtherapie wird bei Kindern immer von einem Elternteil begleitet, jedoch hören Kinder und Eltern von unterschiedlichen Räumen aus, während die Kinder von einem Therapeuten begleitet werden.

Zu Beginn der Therapie werden über ein speziell entwickeltes Gerät, das DEE (Digital Electrical Ear), ausgewählte Stücke von Mozart und gregorianische Gesänge abgespielt. Dazu werden besondere Kopfhörer benutzt, die sowohl über die Luftschallleitung als auch über die Knochenleitung den Hörnerv und schließlich das Gehirn erreichen.

Feinabstimmung des Hörens mit einem DEE

  • Ein Klangwandler filtert zunächst alle Frequenzen oberhalb von 1000 Hz heraus (Tiefenbetonung).
  • Ab einem bestimmten Lautstärkepunkt, der individuell eingestellt wird, werden danach alle Frequenzen unterhalb von 1000 Hz rausgefiltert (Höhenbetonung).
  • So kommt es zu einem „Wippen“ der Musik, das über die An- und Entspannung der Mittelohrmuskulatur die Adaptionsfähigkeit (Feinabstimmung des Hörens) trainiert.

Schnell reagieren viele Klienten mit einer gesteigerten Aufmerksamkeit, die besonders durch die Höhenbetonung der Musik gefördert wird. Die tiefenbetonte Musik stimuliert den Körpertonus sowie die Körperwahrnehmung und verbessert gerade bei Kindern oder bei Erwachsenen mit neurologischen Problematiken die Motorik.

Nach einigen Tagen wird dann nach und nach eine Höhenbetonung vorgenommen. Hierbei werden der Musik immer mehr tiefere Frequenzen entnommen, bis hin zu 8000 Hz. Dieses trainiert in erster Linie die zentral-auditive Wahrnehmung. Weitere Reaktionen sind häufig eine bessere Selbst- und Fremdwahrnehmung und eine Steigerung der kommunikativen Fähigkeiten. Eine neurologische und psychische Nachreifung wird ermöglicht. Die Frequenzen um 8000 Hz rufen häufig eine Erinnerung an sehr frühe Höreindrücke (pränatal / Kleinkind) hervor. Beziehungs- und Bindungsfähigkeit zwischen Eltern und Kindern werden verbessert. Das Hören einer gefilterten Mutterstimmaufnahme kann diesen Prozess vertiefen.

Stimm- und Sprechtraining während der Hörtherapie

Zur gleichen Zeit oder daran anschließend findet ein aktives Training mit der eigenen Stimme statt. Dieses Stimmtraining fördert das phonologische Bewusstsein (Lautdifferenzierung, z.B. m&n, b&d) und auch den Klang der eigenen Stimme. Kinder und Erwachsene sprechen, lesen oder singen in ein Mikrofon und hören sich selbst in einer für sie optimalen Klangweise. Bei Störungen der Sprachentwicklung, der Stimme, des Lesens oder des Schreibens, hat diese aktive Arbeit eine besondere Bedeutung auf die Entwicklung. Zum Ende der Therapie wird die Musik heruntergefiltert bis sie den vollen Klang wieder erreicht hat.

Der Therapieablauf wird intensiv durch geschultes Fachpersonal begleitet, Kinder können während des Hörens spielen, malen, basteln oder sich ausruhen. Erwachsene haben die Möglichkeit sich kreativ zu betätigen (z.B. malen) oder die Zeit zur Entspannung zu nutzen. In regelmäßigen Abständen finden Kontrollhörtests und Gespräche statt.

Bei weiterem Interesse und Fragen senden wir Ihnen gerne Informationen zu. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail oder rufen Sie uns unter der Telefonnummer 0511 – 700 31 309 an.

Systemische Hörtherapie für Kinder

Ist Ihr Kind in der Schule häufig unaufmerksam, träumt oder ein „Zappelphilipp„?

Kann sich Ihr Kind im Kindergarten nicht gut mitteilen, spricht undeutlich oder hat Kontaktschwierigkeiten?

War Ihr Kind als Säugling ein Schreikind, unruhig oder wirkte es apathisch?

Hatten Sie eine körperlich oder seelisch belastete Schwangerschaft oder Geburt?

Bekam Ihr Kind im Kleinkindalter auffällig viele Mittelohrentzündungen?

Alle diese Symptome und die weiteren im Folgenden aufgeführten Verhaltensweisen können im Zusammenhang mit Wahrnehmungsstörungen des Hörsinns auftreten. Die systemische Hörtherapie für Kinder ist eine Methode zur Diagnose und Behandlung auditiver Wahrnehmungsstörungen und ihrer Folgen für Kommunikation und Beziehung.

Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung

Systemische Hörtherapie.

Kennen Sie das auch von Ihrem Kind?

im Säuglingsalter:

  • Schrilles oder kraftloses Schreien
  • Überempfindlichkeit auf bestimmte Töne
  • Schreckhaftigkeit
  • Ungenügende oder keine Reaktion auf Zurufe oder Geräusche

im Kleinkindalter:

  • Verzögerte Sprachentwicklung
  • Undeutliche Aussprache
  • Verwaschenes „s“ oder „sch“
  • Konsonantenverwechslung
  • Verzögerung im Sprachverständnis
  • Lärmempfindlichkeit
  • Laute, schrille oder heisere Aussprache

im Kindergarten:

  • Kind missversteht Fragen und kommt Aufforderungen nicht nach
  • Leicht ablenkbar durch Geräusche
  • Überempfindlichkeit auf Lärm (hält sich oft die Ohren zu)
  • Zu Hause noch relativ ruhiges Verhalten, im Kindergarten jedoch zunehmend unruhig, aggressiv oder zurückgezogen
  • Kann Geräusche nicht identifizieren, ihre Entfernung und Richtung erkennen (dadurch auch gehäufte Unfallneigung)
  • Singt falsch und hat ein schlechtes Rhythmusgefühl
  • Flache, monotone Stimme
  • Verwaschene, falsche Aussprache
  • Verwechslung ähnlicher Buchstaben
  • Fein- und grobmotorische Unsicherheiten
  • Schwierigkeiten beim Einhalten von Reihenfolgen
  • Wenig Selbstvertrauen

in der Schule:

  • Lese- Rechtschreibschwierigkeiten
  • Schwacher Wortschatz
  • Dysgrammatismus, Buchstabenverwechslung
  • Konzentrationsschwäche
  • Leichte Ablenkbarkeit
  • Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) mit oder ohne Hyperaktivität (Zappelphilipp oder Träumer)
  • Leicht ermüdbar
  • Wenig Begeisterungsfähigigkeit
  • Kapselt sich ab und hat kaum Freundschaften
  • Schlaffe Haltung
  • Koordinationsstörungen
  • Rechts- / Linksunsicherheit
  • Kind wirkt auf Umwelt häufig desorientiert, bzw. unordentlich
  • Versteht vieles nicht und muss mehrfach angesprochen werden
  • Wenig Selbstvertrauen

Erkennen Sie einige der aufgezählten Verhaltensweisen auch von Ihrem Kind?

Alle diese Beobachtungen können ihre Ursache darin haben, dass bei Ihrem Kind eine auditive Wahrnehmungsstörung vorliegt.

Trotz eines guten peripheren Hörvermögens (das heißt die meisten Testverfahren beim HNO-Arzt haben einen „Normalbefund“) wird das Gehörte im Gehirn nicht richtig verarbeitet. Die auditive Wahrnehmung hat eine besondere Bedeutung für die kindliche Gesamtentwicklung und beeinflusst insbesondere die folgenden Punkte: Raumorientierung, Körpergefühl, Spielverhalten, Sprachentwicklung sowie das Kommunikationsverhalten.

Unser Hörtherapie-Angebot gilt für Kinder mit den folgenden Symptomen:

  • Entwicklungsverzögerungen im motorischen, sprachlichen oder psychischen Bereich (gerade bei Frühgeburten)
  • Lern,- Schulschwierigkeiten, insbesondere Lese-Rechtschreibschwäche, Konzentrationsschwierigkeiten
  • auditiven Wahrnehmungs-, und Verarbeitungsstörungen (AWS, AVWS)
  • Hyperkinetischem Syndrom
  • Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) oder mit Hyperaktivität (ADHS)
  • Verhaltensauffälligkeiten / emotionalen Auffälligkeiten (emotionale Hemmung, Ängstlichkeit, Aggressivität, autistische Verhaltensweisen)
  • Organischen Behinderungen (Down-Syndrom, cerebralen Schäden)

Systemische Hörtherapie für Erwachsene

Kommunikation, Beziehung und Bindung

Die vielfältigen Beziehungserfahrungen unseres Lebens vom heranwachsenden Baby im Bauch seiner Mutter bis zum Erwachsenen lassen Kommunikationsmuster entstehen. Manchmal haben wir das Gefühl, unsere soziale Kompetenz könnte besser sein. Wir leiden an unseren Ängsten, Gefühlen von Einsamkeit und Rückzug, mangelndem Selbstvertrauen oder auch einer unangemessenen Dominanz. Häufig verändern diese Gefühle auch die Bereitschaft zu hören. Unser Gehör fängt an, sich zu verschließen, sich zu verspannen und zu ermüden.

Die Hörtherapie für Erwachsene regt mit ihren verschiedenen Stimulationsmöglichkeiten die Ohren wieder an, sich zu öffnen. Eine neue Beziehungsqualität von Lebendigkeit und Frische kann entstehen.

Zu den Möglichkeiten der Therapie zählt auch das Hören einer Stimmaufnahme der Mutter, die durch besondere Frequenzmodulationen an die Wahrnehmung im Mutterleib, der Geburt und der ersten Lebensjahre anknüpft. Die dabei stimulierten Gefühle, Gedanken und Handlungsimpulse können auf verschiedene Weise ihren Ausdruck finden: In Gesprächen oder in unter dem Hören gemalten Bildern. Diese mitunter aus dem Unbewussten aufsteigenden Bilder haben häufig eine besondere Authentizität und Unmittelbarkeit. Neue Wege der Kommunikation und des Umgangs mit den Gefühlen können spielerisch erprobt werden.

Neurologische Erkrankungen

Besonders mit dem Einsatz tiefenbetonter Musik können das Empfinden für den eigenen Körper, die Tiefensensibilität und der Muskeltonus intensiviert werden. Man hört die Musik über die Spezialkopfhörer und gleichzeitig über Extravibratoren. Zum Beispiel bei einem Schlaganfall werden diese am Hand- oder Fußgelenk der gelähmten Seite positioniert und verstärken so das Bewegungsempfinden und die Sensibilität. Dies führt häufig zu einem besseren Gespür für Kraft und Koordination. Auch das Gleichgewicht und die psychischen Folgen einer Hirnerkrankung, wie depressives Erleben, können sich dabei positiv verändern.

Erkrankungen des Gehörs

Bei Erkrankungen des Gehörs, wie einem Hörsturz oder Schwerhörigkeit, unterschiedlicher Ursachen werden vielfach die Sinneszellen im Innenohr geschädigt. Mitbeteiligt können hierbei auch die Muskeln im Mittelohr sein, die wir nicht bewusst steuern können. Die systemische Hörtherapie für Erwachsene kann die Reaktionsfähigkeit der Muskeln und Sinneszellen trainieren und so ein verbliebenes, bislang ungenutztes Hörpotential aktivieren. Auch auf die Vernetzung der Hörnervenzellen im Gehirn kann Einfluss genommen werden. In ähnlicher Weise kann die Hörtherapie auch bei Tinnitus angewandt werden. In den begleitenden Gesprächen wird nach neuen Wegen gesucht, im Alltag mit diesen Problemen umzugehen.

Gesang und Stimme

Gehör und Stimme sind durch einen Regelkreis miteinander verbunden, der von dem französischen Arzt Dr. Alfred Tomatis entdeckt wurde. Die Stimme enthält die Obertöne nur in dem Umfang wie sie das Gehör wahrnimmt. Durch eine Verbesserung des Gehörs zum Beispiel in den hohen Tönen hellt sich die Stimme unmittelbar auf und gewinnt an Spannkraft und Timbre. Bei der Hörtherapie für Erwachsene wird dieser Zusammenhang direkt trainiert, wenn man in ein Mikrofon liest, summt oder singt und im gleichen Moment die eigene Stimme mit einer Anhebung bestimmter Frequenzanteile hört. So kann sich dauerhaft der stimmliche Ausdruck verbessern.

Lebensqualität im Alter

Das Altwerden stellt den Menschen vor die verschiedensten Herausforderungen. Die zentrale Aufgabe ist wohl, die eigene Endlichkeit in all ihren Facetten anzunehmen und positiv zu leben.

Die systemische Hörtherapie mag dabei in mehrfacher Hinsicht hilfreich sein. Der Hochtonverlust der Altersschwerhörigkeit lässt sich meist nicht aufhalten. Was sich hingegen oft positiv verändert, ist die Verarbeitung der akustischen Reize: Das Gehörte klingt harmonischer und sinnzusammenhängender. Dies wirkt sich sogar auf das Tragen von Hörgeräten aus. Unter der Hörtherapie kann weiterhin eine tiefe Entspannung und Regeneration eintreten. Hiermit setzt eine Stärkung des Vitalgefühls und kognitiver Leistungen ein, wie z.B. Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Wird das Gesprächsangebot der Hörtherapie vermehrt genutzt, dann können auch die vielen Geschichten und Erlebnisse, die ein älterer Mensch manchmal unverarbeitet in sich trägt, ihren Platz im Lebenspuzzle bekommen.

Anwendungsgebiete der systemischen Hörtherapie für Erwachsene

In Abhängigkeit von der Erstuntersuchung und dem Hörprofil kann eine Hörtherapie für Erwachsene empfehlenswert sein bei:

Emotionalen Problemen: depressiven Episoden, „Burn-out“, Erschöpfungszuständen, Ängsten

Beziehungsschwierigkeiten, Bindungsstörungen

Psychosomatischen Symptomen: Schlafstörungen, Rücken- und Halswirbelsäulenschmerzen, chronischen Schmerzzuständen

Neurologischen Erkrankungen wie Rehabilitation nach Schlaganfall oder Multipler Sklerose

Zustand nach Hörsturz, Schwerhörigkeit, Tinnitus

Zur Verbesserung von Stimme und Gesang

Zum Erlernen von Fremdsprachen

Zur Geburtsvorbereitung

Wir bieten auch eine systemische Hörtherapie für Kinder an.

Haben Sie noch Fragen zum Thema: "Systemische Hörtherapie"?

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